Umwelt

Ruhr-Clean-Up: 800 Essener putzen – Aktion wird verlängert

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Schüler der Gesamtschule Bockmühle in Altendorf mit Marie-Christine Schädlich (Vorsitzende Rock your Life Duisburg-Essen (vorn) befreiten die Brehminsel vom Müll.

Schüler der Gesamtschule Bockmühle in Altendorf mit Marie-Christine Schädlich (Vorsitzende Rock your Life Duisburg-Essen (vorn) befreiten die Brehminsel vom Müll.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Beim zweiten „Ruhr-Clean-Up Essen“ trotzen 800 ehrenamtliche Müllsammler dem anhaltenden Regen. Wann die große Putzaktion erneut stattfindet.

Beim zweiten Ruhr-Clean-Up Essen half selbst guter Regenschutz irgendwann kaum noch. Völlig durchnässt waren rund 800 ehrenamtliche Müllsammler unterwegs und setzten ein Zeichen für mehr Umweltbewusstsein. Von Horst bis Kettwig trotzten sie Regen und sogar Gewitterwarnungen und griffen beherzt zu Zangen und Müllsäcken. Als das Wetter immer schlechter wurde, verlängerten die Organisatoren die Aktion spontan um das kommende Wochenende.

Wassersportvereine hatten ihr oft ganzjähriges Engagement erweitert und waren auf dem Fluss unterwegs. In Kupferdreh nahmen 25 Schüler und Studenten am „Young-Cari-Clean“ teil. „Vier Gruppen nahmen sich jeweils einen anderen Uferabschnitt des Baldeneysees vor. Ausgestattet mit Gummistiefeln, Watthosen, Wasseranzügen und Schwimmwesten fischten die Jugendlichen unter anderem auch eine Leiter, einen Stuhl, Kopfhörer und ein Vogelhäuschen aus dem See“, berichtete Anika Brüggemann von der Caritas. Danach ging es mit der Weißen Flotte zurück nach Kupferdreh, wo es später noch eine Abschlussveranstaltung gab.

Bürgermeisterin Julia Jacob machte zusammen mit Ehrenamtlichen des ETUF an der Regattastrecke sauber: „Dass wir in Essen zahlenmäßig eine der größten Aktionen stellen, macht mich stolz.“ Am Werdener Leinpfad unterwegs waren indes Jugendliche eines Mentoring-Vereins für Neunt- und Zehntklässler. Marie Schädlich ist Vorsitzende von „Rock your life!“ an der Universität Duisburg-Essen: „Als es ganz schlimm schüttete, haben wir unter der Ruhrbrücke gesammelt. Dort war auch sehr viel.“ Was Ahmad und Mohammad Amin aus Aleppo nur bestätigen konnten. Die Brüder gehen auf die Altendorfer Gesamtschule Bockmühle: „Wir haben vier volle Säcke zusammen bekommen.“

Während der kleine Johann mit seiner Greifzange herumspielte, wagten sich seine Mutter Anja Nowak und ihre Mitstreiter auf der Brehminsel in die steile Uferböschung. Was dort in den Bäumen hing, machte sprachlos. Geduldig holten die Ehrenamtlichen Plastiktüten, Papier und Damenbinden aus dem Geäst. Unzählige Kippen und Kronkorken, zerschlagene Bier- und Schnapsflaschen sammelten sie auf. Die zehnjährige Emilia wollte trotz des fiesen Wetters unbedingt mithelfen und zog sogar einen Teppich aus der Böschung. Nicht ihre erste Müllsammelaktion: „Ich habe mich freiwillig dazu gemeldet, unseren Schulhof sauber zu halten.“

Martina Schmitz-Strehlau von „Gemeinsam für Stadtwandel Werden“ hatte die Sammelaktion angemeldet: „Wir treffen uns jeden Mittwoch an der Brücke zur Brehminsel und machen sauber. Zurzeit gehen wir um 16.30 Uhr los, nach der Zeitumstellung eine Stunde früher.“ Die Gruppe wolle auf die Ursachen der Vermüllung hinweisen und möglichst Veränderungen erreichen: „Das ist gar nicht so einfach. Was die Menschen mit Pizzakartons anstellen, ist schon abenteuerlich.“

Essener Philharmoniker sammelten zwischen den beiden Kettwiger Ruhrbrücken

Zwischen den beiden Kettwiger Ruhrbrücken unterwegs waren Cellist Florian Hoheisel und weitere Musiker der Essener Philharmoniker: „Wir waren nass bis auf die Knochen, aber es hat Spaß gemacht, etwas für die Umwelt zu tun. Wir waren erschüttert über die vielen Zigarettenkippen und die zerbrochenen Flaschen. Solche Veranstaltungen sollte es häufiger geben im Jahr.“

Regelmäßig kümmert sich die Kettwiger SPD bereits um Mühlengraben und Ruhrufer. Gemeinsam mit den „Kettwiger Geocachern“ hatte Ratsherr Daniel Behmenburg auch jetzt zum Sammeln aufgerufen: „Alles war bestens organisiert von der Ehrenamtsagentur. Wir konnten das Zubehör beim Yachtclub abholen und sofort loslegen. Etwa 25 Menschen haben mit angepackt, auch die Schüler Emil und Max. Toll, wenn auch die junge Generation mitmacht.“ Letztlich sei das Müllaufkommen überschaubar gewesen: „Es lag schon mal mehr in den Böschungen.“

Da das allerdings nicht an jedem Uferabschnitt der Fall ist, soll die Aktion weitergehen. Hendrik Rathmann von der Ehrenamt Agentur Essen: „Wer angemeldet ist und schon Zangenmaterial hat, aber wegen des schlechten Wetters nicht sammeln konnte oder wollte, der kann vom 16. bis 18. September gehen. Die Entsorgungsbetriebe Essen holen den gesammelten Müll dann ab.“

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