Besuchsdienst

Zehn Helfer für Senioren-Besuchsdienst in Essen-Rüttenscheid

Pädagogin Marianne Mau (3. v.li.) schult momentan im Isenberg-Treff in Essen-Rüttenscheid die Senioren, die aktiv beim Besuchsdienst  mitarbeiten wollen.

Pädagogin Marianne Mau (3. v.li.) schult momentan im Isenberg-Treff in Essen-Rüttenscheid die Senioren, die aktiv beim Besuchsdienst mitarbeiten wollen.

Foto: André Hirtz

Essen-Rüttenscheid.   Die Evangelische Kirchengemeinde Rüttenscheid plant einen Senioren-Besuchsdienst. Die Idee kommt an. Einige ehrenamtliche Helfer wurden gefunden.

Sich Zeit nehmen für andere – das will die Evangelische Kirchengemeinde Rüttenscheid und suchte deshalb Ehrenamtliche, die ein paar Stunden ihrer Freizeit mit älteren Menschen aus dem Stadtteil verbringen wollen. Die Idee kommt an: „Wir haben bereits einige Interessenten für unseren Besuchsdienst gefunden, die nun für ihre neue Aufgabe im Isenberg-Treff geschult werden“, sagt Anke Jansen, die die Einrichtung seit zweieinhalb Jahren leitet. Was sie besonders freut: Auch drei Männer haben sich gemeldet.

Die Idee dazu hatte Pfarrerin Marianne Golitz. Die Seelsorgerin ist Vorsitzende im Seniorenausschuss der Gemeinde und hat gemeinsam mit Anke Jansen und der Pädagogin Marianne Mau das Projekt entwickelt. „Der Bedarf ist da, denn die Menschen werden immer älter – und im hohen Alter leider auch immer einsamer“, sagt Anke Jansen. „Doch niemand wusste, ob das Projekt Anklang finden würde. Wir betreiben hier ja echte Pionierarbeit.“ Doch schnell war die Skepsis verflogen. Zehn Helfer, allesamt im Rentenalter, wollen mitmachen.

Der Besuchte, nicht der Besucher steht im Mittelpunkt

Pädagogin Marianne Mau, die das Projekt ehrenamtlich betreut, macht deutlich, dass die Arbeit für den Besuchsdienst nicht dem Selbstzweck dient: „Nicht der Besucher, sondern der Besuchte steht im Mittelpunkt. Das kann niemand leisten, der sich selbst einsam fühlt und kein erfülltes Sozialleben genießt.“

Das gilt für Robert Schwinn (76) ganz sicher. Von Berufswegen hatte der Sozialpädagoge erst Jugendliche im Auftrag des Essener Kirchenkreises und später Migranten für die Diakonie betreut. „Besonders die Arbeit mit den Aussiedlern hat mir gezeigt, dass es Menschen gibt, die wenig oder gar keine sozialen Kontakte haben.“ Einmal pro Woche will der Rüttenscheider beim Besuchsdienst einsteigen. „Ich mache zuhause viel Gartenarbeit, kann also auch richtig anpacken.“

Dies traut sich Irene Albert (65) nur bedingt zu. Helfen will sie aber dennoch. „Ich habe schon früh in meinem Leben einige Operationen über mich ergehen lassen müssen, die mich oft aus meinem Lebensrhythmus geworfen haben.“ Da habe sie gemerkt, wie schwer es ist, mitzuhalten, wenn man krank ist. „Ich habe mich in dieser Zeit viel mit Senioren beschäftigt und kann mich gut in ihre Lage versetzen“. Künftig möchte sie ihrem Schützling etwas vorlesen. „Und manchmal reicht es schon, wenn man gemeinsam im Park sitzt und die Blumen betrachtet.“

Mit ihrem Team ist Marianne Mau auf jeden Fall sehr zufrieden: „Schon von der Altersstruktur passt es gut, weil Menschen im gleichen Alter ähnliche Lebenserfahrungen haben.“ Auch hat sie den Eindruck, dass sich alle Bewerber ihrer Verantwortung bewusst sind. „Immerhin treffen sich hier Leute, die sich wohl noch nie vorher gesehen haben.“ Verantwortung für andere übernommen, das hat Silvia Brauer (81) ihr Leben lang. Die frühere Grundschullehrerin leitete noch bis vor vier Jahren eine Seniorengruppe bei der Awo, die sich, wie sie bedauert, „nach meinem Ausstieg aufgelöst hat.“ Nun sucht sie eine neue Aufgabe.

Seminare vermitteln Grundlagen der Kommunikation

Vorerst drücken die Ehrenamtlichen erst einmal die Schulbank. In sechs Seminaren vermittelt Pädagogin Marianne Mau Grundkenntnisse über Kommunikation. Wie trete ich mit jemand in Kontakt? Wie nehme ich fremde Menschen wahr und wie werde ich selbst gesehen? All dies, um mögliche Missverständnisse zwischen den Akteuren auszuschließen. „Wir schauen uns sorgfältig an, wie die Paare miteinander klar kommen. Wenn es Probleme gibt, muss man eine andere Lösung finden. Die Senioren sollen sich nach dem Besuch ja besser und nicht schlechter fühlen.“

Schon deshalb wird sie oder Pfarrerin Marianne Golitz die ersten Treffen begleiten. Marianne Mau: „Für die Senioren ist es ja ungewohnt, jemand Fremden in ihre Wohnung zu lassen. So sehen sie, dass die Gemeinde und der Isenberg-Treff hinter der Sache stehen und alles seriös ist.“

Ganz wichtig sei, dass auf keinen der Beteiligten Druck ausgeübt wird. „Es gibt keine Vorgaben für die Zahl oder Dauer der Besuche. Das richtet sich nach den Wünschen der betreuten Senioren.“ Möglich, dass daraus Freundschaften entstehen. „Das wäre der Idealfall“, sagt Marianne Mau.

>> BESUCHE SOLLEN IM SOMMER BEGINNEN

  • Noch befinden sich die Senioren, die künftig für den Besuchsdienst tätig sein wollen, in ihren Seminaren. Diese dauern rund anderthalb Stunden lang. Ende Mai bzw. Anfang Juni sollen sie ihre Besuche bei den Senioren starten.
  • Wer Infos über den Besuchsdienst haben möchte oder selbst mitarbeiten will, kann sich unter 78 93 44 (Pfarrerin Marianne Golitz) und 26 09 58 (Anke Jansen, Leiterin des Isenberg-Treffs) melden.

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