Einzelhandel

Kleiner Buchladen „Alex liest Agatha“ boxt sich tapfer durch

Die liebevoll eingerichtete Buchhandlung „Alex liest Agatha“ ist für Susanne Böckler mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie ist ihre Herzensangelegenheit.

Die liebevoll eingerichtete Buchhandlung „Alex liest Agatha“ ist für Susanne Böckler mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie ist ihre Herzensangelegenheit.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Die Rüttenscheider Buchhandlung „Alex liest Agatha“ überlebte, weil Kunden Geld spendeten. Zwei Jahre später zeigt sich: Neues Konzept geht auf.

Drüben in der Messe läuft eine Veranstaltung. Das lässt Susanne Böckler hoffen: „Gut möglich, dass später noch einige Besucher auf dem Heimweg meinen Laden entdecken.“ Die Buchhändlerin setzt auf etwas Umsatz zu später Stunde. Wie an jedem Abend. Die langen Öffnungszeiten gehören zu ihrem Konzept. Die 54-Jährige hatte sich etwas einfallen lassen müssen, um ihren Betrieb zu retten, der viel mehr als eine Arbeitsstelle für sie ist. „Alex liest Agatha“ ist ihre Herzensangelegenheit, ihr Baby.

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass eine Insolvenz in letzter Sekunde verhindert werden konnte. Nicht zuletzt, weil Stammkunden für sie gespendet hatten. Sie wollten ihre kleine, persönlich geführte Buchhandlung unbedingt behalten und nicht bei gesichtslosen Buchhandelsketten oder Online-Händlern einkaufen gehen. Von diesem Überlebenskampf des Zwergs im Reich der Riesen mit einer beispiellosen Solidaritätsaktion der Kundschaft hatten damals auch Blätter wie die FAZ in ihrem Feuilleton berichtet.

Buchhandlung hat montags bis freitags bis 21 Uhr geöffnet

Zu den finanziellen Problemen war es auch gekommen, weil das Geschäft im Jahr 2016 von der pulsierenden Rüttenscheider Straße an die beschaulichere Eduard-Lucas-Straße umgezogen war und seitdem weniger Laufkundschaft hier Halt machte. Heute sagt Susanne Böckler: „Es hat sich eingependelt.“ Sie wirkt zufrieden. Weniger, weil sich alles zu einer Goldgrube entwickelt hätte, sondern weil das Geschäft so läuft, dass sie klarkommt und – das ist für sie das Wichtigste – sie ihre Leidenschaft für gute Bücher weiter hauptberuflich leben darf.

Als es wackelig wurde und der betrieb in Schieflage geriet, da hat sich die Inhaberin professionell beraten lassen, aber auch eigene Ideen entwickelt, um sich von der Masse abzuheben. Da sind die Öffnungszeiten, montags bis freitags bis 21 Uhr. „Ideal, damit Berufstätige noch nach der Arbeit oder dem Abendessen in Ruhe stöbern können“, sagt Böckler. Da sind die Veranstaltungen. Lesungen macht sie mit meistens weniger bekannten Autoren oder Vertretern kleinerer Verlage, damit die Kundschaft auch die Perlen abseits der Bestsellerlisten findet. Da ist die persönliche Beratung. „Ich kenne meine Kunden und weiß genau, was sie mögen. Es kommt vor, dass ich Bücher für sie zur Seite lege oder auch mal entschieden abrate, wenn ich denke, dass der Titel nicht passt.“ Und da ist natürlich das Ambiente.

„Alex liest Agatha“ gehört zu „Deutschlands schönsten Buchhandlungen“

Zwischen hohen dunklen Holzregalen, plüschiger Sitz-Ecke und rosa-rot gestrichenen Wänden bleibt viel Platz zum Entdecken. Eine Wand ist reserviert für Bilder lokaler Künstler. Es gibt einen großen Goethe-Koffer und Figuren, ein Fahrrad mitten im Laden und eine Agatha-Christie-Ecke mit Foto, die an die Anfänge als Krimi-Buchhandlung erinnert. Die Regale sind so eingerichtet, dass man ganze Bücher in ihrer vollen Pracht ansehen kann und nicht nur auf ihre dicht gedrängten Rücken starrt.

„Der kommerzielle Aspekt steht bei mir nicht im Vordergrund. Ich möchte die besonderen Bücher anbieten“, sagt Susanne Böckler. So viel Liebe zum Detail und Leidenschaft wurde belohnt. Kurz nach der Finanzkrise wurde „Alex liest Agatha“ Ende 2017 in die Liste „Deutschlands schönste Buchhandlungen“ aufgenommen, die ein Fachmagazin vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels pflegt.

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