Sportstätten

Fußballverein in Essen-Holsterhausen fordert mehr Platz

Rund 250 Sportler des TuS Holsterhausen versammelten sich zum Protest.

Rund 250 Sportler des TuS Holsterhausen versammelten sich zum Protest.

Foto: Kerstin Kokoska

Holsterhausen.  Der Essener Fußballverein TuS Holsterhausen fordert, den benachbarten Bolzplatz benutzen zu dürfen. Darauf hat jetzt die Stadt reagiert.

Die Initiative hatte etwas von einem Flashmob, als sich rund 250 Sportler der DJK TuS Holsterhausen auf dem Sportplatz an der Pelmanstraße versammelten. Die federführenden Akteure rollten ein riesiges Transparent aus, auf dem sie ihre Forderung klar formuliert hatten. „Bolzplatz jetzt“ stand da zu lesen. Der Vorsitzende Ingo Schwarz rief den Protestierenden per Megafon zu, dass der Verein das benachbarte Gelände dringend brauche, damit der Spielbetrieb nicht gefährdet werde. Per Drohne wurde ein Foto für die Internetseite des Vereins gemacht. Am Ende der Protestaktion machte Schwarz aber eines ganz deutlich: „Wir bleiben weiterhin am Ball.“

Kunstrasen für den Bolzplatz in Essen-Holsterhausen

Der Sportverein leide, wie der Vorsitzende erklärt, unter massivem Platzmangel. Den 25 Fußballmannschaften des Vereins stehe nur dieses eine Gelände zur Verfügung, das führe immer wieder zu Engpässen bei den Trainingszeiten.

Eine Lösung des Problems liege sozusagen vor der Haustür. „Gleich nebenan gibt es den Bolzplatz, den wir aber in seiner jetzigen Form nicht nutzen dürfen.“ Der Grund sei auch absolut nachvollziehbar, erklärt Schwarz. „Es handelt sich um einen Ascheplatz. Wenn unsere Spieler auf das Vereinsgelände zurückkehren, besteht die Gefahr, dass der Kunstrasen Schaden nimmt.“ Um aus der Zwickmühle herauszukommen, habe man vor bereits zwei Jahren mit der Stadt überlegt, auch dort Kunstrasen zu legen. Zu dem Konzept gehöre auch, dass der Verein den Bolzplatz nur drei Stunden in Anspruch nehmen will und keinesfalls den ganzen Tag. „Wir wissen, dass es sich um ein öffentliches Areal handelt. Und im Stadtteil mangelt es in der Tat an Freiflächen.“ Die Bezirksvertretung III hat sich seinerzeit hinter den TuS und das Konzept gestellt, sagt Bezirksbürgermeister Klaus Persch.

Stadt will mit dem Verein nach Alternativen suchen

Das Gremium wird nun in der Sitzung am 23. Januar das Thema wieder auf der Tagesordnung haben. Die Stadt legt ein Papier vor, in dem sie erklärt, dass über die Nutzung des Bolzplatzes erst entschieden werden soll, wenn die „Spielraumleitplanung“ abgeschlossen sei.

Hinter diesem bürokratisch geprägten Begriff verbirgt sich, dass Essen den Bestand und Bedarf an Spielplätzen erfassen will. Die Untersuchung werde noch bis Ende des Jahres 2020 dauern. Zugleich heißt es aber auch, die Verwaltung wolle mit dem Verein prüfen, ob auf anderen Sportanlagen noch Kapazitäten zur Verfügung stehen.

In der Vorlage geht die Stadt aber auch auf einige kritische Punkte in der Planung ein. So hat eine Zählung auf dem Bolzplatz in der Zeit von Mitte Juni bis Mitte Oktober 2019 ergeben, dass ihn 795 Personen in der Zeit zwischen 16 und 20 Uhr genutzt haben. Sie würden „ausgesperrt“, wenn der TuS die Trainingszeiten zugesprochen bekäme. Dabei handele sich immerhin um 51 Prozent aller gezählten Besucher des Bolzplatzes. Vereinsvorsitzender Schwarz kontert: Der TuS biete doch im Laufe der Zeit Tausende von Trainingsstunden an und erreiche damit eine ungleich höhere Zahl an Jugendlichen.

Zu wenig Spielflächen

Darüber hinaus macht die Stadt in der Vorlage deutlich, dass eine komplette Aufgabe des Platzes den öffentlichen Interessen entgegenstehe. Denn der Versorgungsgrad mit Spielflächen liege derzeit ohnehin nur bei 50 Prozent, wobei 90 Prozent als Zielwert gelten würden. Der Wegfall des Bolzplatzes hätte einen Verlust von 1000 Quadratmetern zur Folge. Der Vereinsvorsitzende entgegnet: „Wir wollen auch keinesfalls das Gelände nur für uns haben, es soll öffentlich bleiben.“

Die Kosten für Kunstrasen auf dem Bolzplatz beziffert die Stadt mit 400.000 Euro. Diese Gelder seien aber weder im Haushalt von Grün und Gruga, zuständig für das Gelände, noch im Wirtschaftsplan der Sport- und Bäderbetriebe veranschlagt.

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