Wirtschaft

Firma aus Essen-Rüttenscheid handelt mit Waren aus Afrika

Der Rüttenscheider Stefan Reiss, hier zusammen mit Lebenspartnerin Andrea Bolz, vertreibt Nüsse aus dem Senegal.

Der Rüttenscheider Stefan Reiss, hier zusammen mit Lebenspartnerin Andrea Bolz, vertreibt Nüsse aus dem Senegal.

Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Stefan Reiss aus Essen-Rüttenscheid war viel in Afrika unterwegs, lernte zahlreiche Produkte kennen. Jetzt handelt er mit Nüssen aus dem Senegal.

Wenn der Rüttenscheider Stefan Reiss über Afrika spricht, spürt man seine Begeisterung für den Kontinent. Rund ein Jahr hat er etappenweise in Ländern wie dem Senegal und Malawi gelebt und gearbeitet. Er schwärmt von der Herzlichkeit der Menschen. Afrikas Stärke bestehe aber auch in der großen Vielfalt an Schätzen der Natur, sagt der 42-Jährige. Vor drei Jahren hat er mit seiner Frau das Unternehmen AfreeNuts gegründet, das Nüsse aus Afrika vertreibt und die Ware direkt von den Verarbeitungsbetrieben beziehe, so Reiss.

Essener Kaufmann war viele Jahre in Afrika unterwegs

Dass er eines Tages unternehmerisch arbeiten würde, das sah die Lebensplanung des Esseners zunächst überhaupt nicht vor. Nach der Schule studierte er Maschinenbau in England, wurde aber dann Pilot und war in diesem Beruf viele Jahre unter anderem in Afrika unterwegs. Auch wenn oftmals wochenlang auf Tour, blieb doch noch Zeit, um eine Menge Menschen kennenzulernen und Kontakte vor Ort zu knüpfen. Wenn er mit den Einheimischen und Kollegen abends in den Restaurants oder Kneipen in Dakar saß, „gab es ständig Erdnüsse als Beigabe“, erzählt Reiss. Ob vor dem Essen, nach dem Essen oder auch zu einem Getränk, eine Schale mit frisch gerösteten Erdnüssen habe immer auf dem Tisch gestanden. Überrascht habe ihn aber vor allem „der Geschmack, der ein vollkommen anderer war als der bislang bekannte bei Erdnüssen“.

Als er sich mit den Einheimischen über die Herstellung der Cacahuètes – so heißen die leckeren Erdnüsse im Senegal – unterhielt, war für ihn der Grund schnell gefunden: Während hierzulande Nüsse in einem Ölbad geröstet werden, „taucht man sie in Afrika erst in ein Salzbad, werden anschließend in der heißen afrikanischen Sonne getrocknet und dann geröstet.“ Je mehr Reiss mit den Menschen über die kernigen Produkte sprach, desto „klarer wurde mir, welchen Stellenwert die Nusserzeugnisse insbesondere für den Senegal haben“. Das Land gehörte einst zu den größten Erdnussexporteuren. Für den europäischen Markt fehle den Bauern und Produzenten heute jedoch ein Vermarkter.

Für die afrikanischen Erzeuger hierzulande Märkte erschließen

https://www.zentral-redaktion.de/wirtschaft/article226947205/Minister-Mueller-warnt-Afrika-vor-Zusammenarbeit-mit-China.html„Von Beginn an hatten wir eine Rösterei im Senegal als Partner vor Ort. Die Manufaktur wiederum arbeitet mit einer Vielzahl von Kleinbauern zusammen, die Erdnüsse und Cashews in den gewünschten Mengen liefern“, sagt er. Dass in der gesamten Lieferkette faire Preise und Löhne gezahlt werden, sei für die beiden Gründer ebenso wichtig wie selbstverständlich, hebt der Essener hervor. Man wolle für die Erzeuger Handelshemmnisse überwinden, damit sie ihre Waren direkt hierzulande vermarkten können. Den direkten Weg zum europäischen Kontinent frei machen, komme auch im Namen „AfreeNuts“ zum Ausdruck. Derzeit würden 95 Prozent der in Afrika geernteten Cashews erst nach Asien verschifft, dort verarbeitet und dann nach Europa gebracht.

Die Nachfrage ist inzwischen so angewachsen, dass die eigene Wohnung als Standort nicht mehr ausreicht und Reiss Räume in der Nachbarschaft angemietet hat. Mit einer jüngst eingestellten Mitarbeiterin sorgt er dafür, dass Nüsse in kleinen Flaschen und Tüten abgefüllt und versandfertig verpackt werden. Die Idee mit den Flaschen stamme aus Afrika und sei dort eher aus der Not geboren, weil es kaum andere Behältnisse gebe. „Wir fanden die Idee originell und uns war sofort klar, dass wir sie in Deutschland übernehmen würden“, so der Gründer.

Junge Firma will ihr Sortiment in nächster Zeit noch deutlich erweitern

Das Sortiment von AfreeNuts wachse beständig und reiche von gerösteten Erdnüssen und Cashews bis hin zu Macadamias. Mit Crushews habe man ein neues Produkt entwickelt. Cashewkerne, die bei der Verarbeitung und beim Transport zerbrechen, würden auf diese Weise an den Markt gebracht.

Stefan Reiss möchte gemeinsam mit seiner Frau das Sortiment der Firma erweitern. Potenziale gebe es reichlich, von Früchten über Kakao bis hin zu Kaffee. „Wir möchten afrikanischen Familien die Möglichkeit geben, regelmäßiges Einkommen zu sichern und die Wirtschaftsentwicklung in Afrika nachhaltig fördern.“

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