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Essener Schüler sammeln Verschlüsse für Polio-Impfung

Mit bunten Flaschendeckeln aus Kunststoff helfen sie Kindern in armen Ländern: Finley (10, Klasse 5b), Joscha (10, 5b), Liv (11, 6b) und Celina (13, 7c) beteiligen sich an der Sammel-Aktion.

Mit bunten Flaschendeckeln aus Kunststoff helfen sie Kindern in armen Ländern: Finley (10, Klasse 5b), Joscha (10, 5b), Liv (11, 6b) und Celina (13, 7c) beteiligen sich an der Sammel-Aktion.

Foto: Martin Spletter

Rüttenscheid.   Maria-Wächtler- und Helmholtz-Gymnasium haben 20 000 Deckel gesammelt. 1000 Plastikverschlüsse ergeben eine Impfung gegen Kinderlähmung.

Das Maria-Wächtler- und das Helmholtz-Gymnasium beteiligen sich derzeit an einer ungewöhnlichen Sammel-Aktion, die Impfstoff für Kinder in armen Ländern finanziert. Es geht um Kunststoff-Deckel von PET-Flaschen und die Krankheit Polio, auch bekannt als Kinderlähmung.

Der Rotary-Club Essen-Ruhr ruft seit Monaten dazu auf, Kunststoff-Deckel zu sammeln und bei den Entsorgungsbetrieben (EBE) abzugeben – denn sie sind tatächlich etwas wert: „Ein Deckel wiegt etwa zwei Gramm, und ein Kilo des Kunststoffs bringt genug Geld für eine Impfung“, erklärt Julia Bursy, Lehrerin für Deutsch und Erdkunde am Maria-Wächtler-Gymnasium. Sie leitet die Umwelt-AG, in der sich Schüler der Jahrgänge fünf bis sieben engagieren und ist auf das Thema aufmerksam geworden. Auch andere Schulen im Stadtgebiet machen bereits mit: „Das heißt, 500 Deckel machen eine Impfung möglich.“ Zugute komme das Kindern in Ländern wie Afghanistan oder Pakistan, berichtet Antonia Püschel von der Schulpflegschaft des Helmholtz-Gymnasiums.

20 000 Deckel gesammelt

Beide Schulen, die in Rüttenscheid in direkter Nachbarschaft liegen, beteiligen sich seit den Osterferien an der Aktion. An beiden Schulen haben die Schüler bereits insgesamt rund 20 000 Deckel gesammelt: „Wir sind auch zum Getränkemarkt in unserer Nachbarschaft gegangen und haben gefragt, ob wir die Deckel von den leeren Pfandflaschen abschrauben durften“, erzählt Celina aus der 7c am Maria-Wächtler-Gymnasium. Und? „Ja, wir durften.“ Überhaupt und grundsätzlich gilt: Die Getränkemärkte nehmen die Pfandflaschen auch ohne Deckel wieder zurück.

Selbstgebaute Boxen im Schulfoyer

Die Schüler können sie in selbstgebaute Boxen werfen, die im Schulfoyer am Maria-Wächtler-Standort Isenbergstraße stehen. 500 Deckel ergeben 1 Kilo Plastik – der Erlös dieser Menge deckt die Kosten für eine Impfdosis. Von denen ist übrigens in der Regel nur eine einzige notwendig, um einen Menschen dauerhaft zu schützen. „Wichtig ist, dass alle Sammelstellen der EBE die Deckel direkt annehmen, jeder Bürger kann sich beteiligen“, betont Julia Bursy.

Kinderlähmung ist eine Virus-Erkrankung, an der Betroffene ihr Leben lang leiden: Prominentes Beispiel aus der Geschichte ist Theodor Roosevelt, US-Präsident von 1901 bis 1909. In den armen Ländern werden die Impfungen nicht von Krankenkassen bezahlt, deshalb verzichten viele Familien darauf. Angenommen werden ausschließlich Kunststoff-Deckel. Sie müssen von Getränkeflaschen oder Milchtüten stammen – größere Deckel, zum Beispiel von Ketchupflaschen oder Nutella-Gläsern, machen beim Zerschreddern Probleme.

Kinderlähmung ist unheilbar

An Polio erkranken vor allem Kleinkinder in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Kinderlähmung ist unheilbar. Benötigt wird in der Regel eine einzige Impfung. In Deutschland wurde die Impfung gegen Polio im Jahr 1955 eingeführt. Im Jahr 2002 hat die Weltgesundheitsorganisation ganz Europa für Poliofrei erklärt. Bei Reisen in Regionen, in denen Polio auftritt, sollte man die Impfung evtl. auffrischen.

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