Pflege

Essener Klinik punktet mit Projekten für Pflegeberufe

Dr. Dirk Ashauer, Pflegedirektor des Alfried Krupp-Krankenhauses, hat Projekte auf den Weg gebracht, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten.

Dr. Dirk Ashauer, Pflegedirektor des Alfried Krupp-Krankenhauses, hat Projekte auf den Weg gebracht, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Dirk Ashauer, Pflegedirektor des Krupp-Krankenhauses, engagiert sich für die Attraktivität der Pflegeberufe. Jetzt hat er einen Award gewonnen.

Zahlreiche Seniorenheime und Krankenhäuser klagen über Mangel an Pflegekräften und sorgen sich zudem um den Ruf der Branche. Dirk Ashauer gehört zu den Verantwortlichen, die auf ein Gegenmittel setzen. Der Beruf müsse an Attraktivität gewinnen, sagt der Pflegedirektor am Alfried-Krupp-Krankenhaus in Rüttenscheid und hat mehrere Projekte an den Start gebracht, die in der Belegschaft sehr angenommen worden seien, erzählt der 51-Jährige. Sein Engagement hat jetzt zu einer außergewöhnlichen Auszeichnung geführt: Er hat den Pflege-Award gewonnen und ist damit der Pflegemanager des Jahres 2020. Das Verdienst komme ihm aber nicht alleine zu, betont der Pflegedirektor, sondern der gesamten Belegschaft.

Rollender Visitenwagen mit digitaler Patientenakte im Essener Krankenhaus

In der Begründung des Bundesverbandes Pflegemanagement heißt es, dass für Ashauer „Wertschätzung, Kommunikation und Förderung der Mitarbeiter zentrale Managementkriterien“ seien. Was mit einer solchen eher bürokratisch anmutenden Formulierung gemeint ist, erklärt der gelernte Krankenpfleger, der später an Uni Essen-Duisburg promovierte, anhand der Schritte, die den Alltag in dem Rüttenscheider Hospital verändert haben. Bereits vor über zwei Jahren fiel danach der Entschluss, die digitale Patientenakte einzuführen.

Papierkrieg ade, inzwischen werden alle Daten per Laptop oder PC erfasst. Sicherlich habe man anfangs bei manchen Mitarbeitern eine gewisse Skepsis gespürt, ob die Technik nicht doch eher den Alltag erschwere als erleichtere. Inzwischen habe die Praxis aber die Vorteile deutlich werden lassen, sagt Ashauer. Patientendaten seien stets komplett verfügbar und mit wenigen Klicks einsehbar. Die Zeiten unleserlicher Handschriften, die die Arbeit im Alltag oft genug erschwert hätten, seien Vergangenheit. Aber nicht nur das. „Informationen über einen Krankheitsverlauf lassen sich direkt abrufen und zudem kann man weitere Angaben sofort ergänzen“. Der rollende Visitenwagen habe das digitale Equipment an Bord und biete zudem die Möglichkeit „einem Patienten am Krankenbett beispielsweise Röntgenbilder zu zeigen.“

Hilfestellung für frisch examinierte Pflegekräfte

Darüber hinaus haben Rückmeldungen und Erfahrungen von Mitarbeitern den Pflegedirektor auf einen – im übertragenen Sinn - wunden Punkt hingewiesen. Wenn junge Pflegekräfte ihre Ausbildung abgeschlossen haben, dann könne man die Situation mit der eines Führerscheinneulings vergleichen. Der wisse zwar was zu tun sei, gleichwohl hat er noch keine jahrelange Erfahrung. Um Raum und Zeit zu schaffen, über offene Fragen zu sprechen und zu reflektieren, biete man für Pflegekräfte im ersten Jahr nach der Prüfung regelmäßige Treffen mit Kolleginnen und Kollegen an. „Natürlich auf freiwilliger Basis, aber das Angebot wird sehr gut angenommen“. Hier sei dann auch der Ort, um über Verantwortung zu sprechen, die ein Pfleger habe oder sich auch über Grenzerfahrungen im Umgang mit schwer kranken Patienten auszutauschen.

https://www.waz.de/staedte/essen/essener-krupp-krankenhaus-therapiert-seltene-krankheit-id227847237.htmlFerner sollen Pflegekräfte am Alfried-Krupp-Krankenhaus die Chance haben, die Arbeit in anderen Kliniken kennenzulernen. Beim Projekt Fellowship können sie Hospitäler nennen, an denen sie Interesse hätten. Beispielsweise sei vor kurzem eine Kollegin eine Woche lang in einer Londoner Einrichtung für Demenzkranke gewesen und habe dort mit Ärzten und Pflegern über die täglichen Herausforderungen gesprochen. Impulse für die eigene Tätigkeit gehen auch vom Austausch mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart aus. „Unsere Mitarbeiter können dadurch Eindrücke in einer anderen Einrichtung sammeln und neue Erfahrungen gewinnen“.

Neu eingeführt hat Ashauer schließlich einen Pflegenewsletter, der einmal im Quartal erscheint und die Kommunikation unter den 1000 Mitarbeitern verbessern soll. „Aus der Pflege für die Pflege“ heiße das Motto. Neue Mitarbeiter werden ebenso vorgestellt wie neue Techniken. Fachthemen stehen im Fokus sowie aktuelle Diskussionen. Apropos aktuell: Zur Preisverleihung reiste Dirk Ashauer nach Berlin und nahm im ZDF-Hauptstadtstudio die Auszeichnung entgegen.

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