Kita-Platzmangel

Essener Kita-Betreiberin fordert mehr Bauen im Bestand

Rena Fischer-Bremen und ihr Sohn und Prokurist Till Bremen beim Mittagessen in der Kita „Lily Kids“ in Essen-Bredeney.

Rena Fischer-Bremen und ihr Sohn und Prokurist Till Bremen beim Mittagessen in der Kita „Lily Kids“ in Essen-Bredeney.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Rüttenscheid.   Die Rüttenscheider Kinderhut GmbH macht vor, wie man einfach Kita-Plätze schaffen kann: Zum Beispiel auf einem Sportplatz oder Firmencampus.

Rena Fischer-Bremen ist gemeinsam mit drei Schwestern und ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen: Die hieß Adelheid Fischer und war Essens erste Straßenbahnfahrerin, wie die Unternehmerin bis heute stolz erzählt. Und so wundert es nicht, dass der Kampf für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die zweifache Mutter immer auch ein ganz persönlicher ist.

1995 gründet Fischer-Bremen die Kinderhut GmbH, nachdem sie über Jahre in Verbänden und Gremien mit eher mäßigem Erfolg für mehr Investitionen in die Kinderbetreuung gestritten hatte. „Ich habe damals gemerkt, dass ich selbst mehr tun will, als Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt die Geschäftsführerin, deren GmbH mit Sitz an der Veronikastraße in Rüttenscheid mittlerweile rund 200 Mitarbeiter in 13 Kindertagesstätten in NRW, Baden-Württemberg und Niedersachsen beschäftigt.

Allein in Essen will ihr Unternehmen bis Ende 2020 rund 100 zusätzliche Betreuungsplätze schaffen, darunter in einer neuen Kita an der Walpurgisstraße. Dabei weiß sie, wie sehr die Zeit drängt, hat sich mit ihrem Sohn und Prokuristen Till Bremen bereits im vergangenen Jahr weitere Verstärkung ins Boot geholt.

„So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“

Der Kitaplatz-Mangel sei dabei in Städten wie Ratingen ebenso gravierend wie in Essen. „So schlimm wie in diesem Jahr haben wir es noch nie erlebt“, sagt Fischer-Bremen, die der Misere schon vor langer Zeit mit Pragmatismus begegnete. In Bredeney etwa eröffnete die Kinderhut GmbH vor drei Jahren die „Lily Kids“ in einem ehemaligen Wohnhaus an der Lilienstraße. „Wir haben die Räume natürlich kitagerecht umgebaut und hatten das Glück eines relativ großen Außengeländes“, erklärt Rena Fischer-Bremen.

Denn: Wer eine Kita eröffnen will, muss zwölf Quadratmeter Außenfläche je Kind nachweisen, das sieht das Landesjugendamt so vor. „Wie wollen Sie das denn in einer Großstadt machen, in der freie Flächen Mangelware sind?“, fragt Fischer-Bremen kopfschüttelnd. Nicht der einzige Behördenirrsinn, der ihr in ihrer beruflichen Laufbahn begegnete: „In Düsseldorf kam mal ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts zur Lichtmessung in unserer Kita vorbei um sicherzustellen, dass es nicht zu dunkel ist. Dazu muss ich erklären, dass die Einrichtung komplett verglast ist.“

Kitas in Modulbauweise auf Unternehmens-Campus

Rena Fischer-Bremen fordert, die strengen Bauauflagen bei der Schaffung von neuen Kita-Plätzen zu lockern und mehr auf Bauen im Bestand zu setzen. Wie das gehen kann, habe sie bei einer Kita in Ratingen erlebt. Dort wird in einem Bürohaus die Erweiterung von 20 auf 120 Plätze verwirklicht. Auch auf dem Campus des Medizinunternehmens Janssen in Neuss hat Kinderhut quasi auf dem Asphalt eine Kita aus dem Boden gestampft: „Mittlerweile gibt es einfache und gute Gebäude-Module, die sehr leicht und schnell auf- und auch wieder abgebaut werden können“, erklärt Fischer-Bremen und ergänzt: „Ganz sicher gibt es solche Flächen auch in Essen, beispielsweise in Randlagen von Kleingärten oder Sportplätzen.“

Darüber hinaus könnten sich auch Unternehmen stärker einbringen, findet Till Bremen: „Seit es massive Einschränkungen bei der öffentlichen Förderung für Betriebskitas gibt, scheuen leider immer mehr Unternehmen vor den Kosten zurück“, berichtet der Prokurist. Dabei sei das Interesse riesig: „Im Wettbewerb um Fachkräfte werden Faktoren wie diese für Arbeitnehmer immer wichtiger.“

Frauen und Männer wollten mehr am Familienleben teilhaben, wodurch der Druck auf Wirtschaft und Politik wachse, ist Rena Fischer-Bremen überzeugt. Zwar erfahren Eltern heute mehr Unterstützung als ihre Mutter damals – bis zur echten Gleichberechtigung braucht es aber vor allem eines: mehr Kita-Plätze.

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