Gastronomie

Essen-Rüttenscheid: Kneipenszene erwacht zu neuem Leben

Plätze im Biergarten sind gerade in diesen Corona-Zeiten stark gefragt. Die Gäste mögen lieber unter freiem Himmel als im Innern der Lokale sitzen.

Plätze im Biergarten sind gerade in diesen Corona-Zeiten stark gefragt. Die Gäste mögen lieber unter freiem Himmel als im Innern der Lokale sitzen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Der größte Teil der Kneipen auf der Rüttenscheider Straße in Essen ist wieder geöffnet und sorgt für ein pulsierendes Leben auf der Gastromeile.

An diesem lauen Juni-Abend haben Bianca (30) und Michael (30) gerade noch zwei freie Plätze im Biergarten des Fritzpatrick Irish Pub ergattert. Zum ersten Mal seien sie seit dem Lockdown wieder auf Kneipentour, erzählt das Paar. Überrascht sind die beiden Essener, über das Bild, das sich auf der Rü bietet. „Es haben erstaunlich viele Gaststätten geöffnet und wir hätten auch nicht mit dem großen Andrang gerechnet.“

Vor allem Biergärten sind in den Kneipen von Essen-Rüttenscheid gefragt

Der ist so groß, dass Pub-Besitzer Patrick Hunt den Biergarten ausgedehnt hat. Zum Glück dürfe er Teile des angrenzenden Parkplatzes nutzen, sagt er. Aber so viele Plätze, wie er sonst bei solchen Gelegenheiten bieten könne, seien es allerdings nicht. Er habe jetzt lediglich die Tische und Stühle rausgestellt, die er weggenommen habe, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Unter freiem Himmel sein Bier genießen, das ist am Abend vor Fronleichnam auch andernorts angesagt. Ob vor Oliv, der Kokille oder der Ampütte, überall haben es sich die Gäste draußen gemütlich gemacht. So versessen seien sie auch nicht darauf, zu diesen Corona-Zeiten im Innern einer Kneipe zu sitzen, meinen drei junge Mädchen, die an der Ampütte ihren Feierabend einläuten. Vollkommen unabhängig, um welche Gaststätte es sich handele, hätten sie Angst vor der Infektionsgefahr in geschlossenen Räumen.

Zudem müsse man, ob dauerhaft oder vorübergehend, eine Maske tragen. Das verleide doch den Besuch ganz erheblich. „Dann doch lieber Open Air“, sagt eine aus dem Trio, die sich nur schwerlich daran gewöhnen kann, in den Gaststätten Namen, Anschrift und Telefonnummer zu hinterlassen. Ganz schwierig finde sie es, sich auf einer Liste einzutragen, die auch für andere einsehbar sei. „Wo bleibt denn da der Datenschutz?“

Gäste fragen sich, ob Abstandsregeln auch wirklich eingehalten werden

Ein paar Meter weiter fragt sich eine Gruppe junger Männer, die am Vorabend des langen Wochenendes „endlich wieder unter Leuten sein wollen“, ob denn eigentlich auf Abstandsregeln geachtet werde. „Da war doch was.“ Beim Gang über die Rü sei ihnen aufgefallen, dass manche Gäste recht gedrängt sitzen würden.

Doch sehr lange halten sich die Männer mit dem Thema nicht auf. Sie sind froh über die weiteren Lockerungen und dass man sich jetzt auch zu zehnt versammeln kann. Da kehre hoffentlich bald wieder das Leben in ihren Stammkneipen zurück und von denen haben sie den Erzählungen nach wohl mehrere. Die allermeisten können sie denn auch für eine kühle Gerstenschale aufsuchen.

Zu ihnen zählt das Lokal „Banditen wie wir“, das über lange Wochen Getränke und Speisen nur „to go“ anbot. Ein solchen Abend, an dem reichlich Publikum zu erwarten sei, wolle er sich nicht entgehen lassen, erklärt Besitzer Gabriel Gedenk. Ansonsten sei die Kneipe mittlerweile am Freitag- und Samstagabend geöffnet. An einen Umsatz wie vor Corona „ist aber nicht zu denken“.

Das berichtet auch Angela Cassaro, Wirtin des Buon Caffès. Die Einbußen seien schon erheblich, die Zahl der Angestellten habe sie deshalb schon reduziert. Meistens sei nur knapp die Hälfte der Tische besetzt. „Ansonsten war es an Wochenenden und vor Feiertagen rappelvoll.“ Plätze in größerer Zahl draußen anzubieten, was derzeit stark gefragt sei, scheitere an den Gegebenheiten. Folglich seien die paar Tische vor der Tür sehr begehrt. Dass gerade auch in NRW eine Reihe von Gastronomen nach der Wiedereröffnung den Betrieb wieder eingestellt haben, kann Cassaro zwar nachvollziehen. Für sie komme das aber nicht in Betracht. „Weitermachen“ laute die Devise. Man sei schließlich ein Familienbetrieb mit einer Stammkundschaft.

Lokale kündigen bevorstehende Öffnungen an

https://www.waz.de/staedte/essen/essen-verzichtet-teilweise-auf-gebuehren-fuer-aussengastronomie-id229120808.htmlAfshin Sadaghiani, Chef der Rüttenscheider Hausbrauerei, hatte nach dem Neustart auch zunächst gehörige Zweifel, ob sich das Geschäft überhaupt rentieren würde. Denn sein Betrieb lebe hauptsächlich von Firmenfeiern und Messebesuchern. Beide Standbeine seien weggebrochen. Auch wenn Aufhören nahe gelegen haben mag, bleibe die Hausbrauerei nun doch geöffnet. Sadaghiani setzt auf die Zukunft und weitere Lockerungen.

Diese Haltung haben sich auch Christian Krause (Früher oder später) und Süleyman Genc (Plan B) zu Eigen gemacht. Im Moment seien die Einnahmen nun mal geringer, doch beide hoffen auf bessere Zeiten. Am Abend vor Fronleichnam dürften Kellnerinnen und Kellner auf jeden Fall gut zu tun gehabt haben, denn freie Plätze zu bekommen, erwies sich als schwierig. Ähnlich war die Situation im Café Zucca. Natürlich sei es nicht jeden Abend so voll, aber der Zuspruch auch an anderen Tagen recht ordentlich, meint der Schichtleiter, der sich nach dem Satz mit dem Hinweis entschuldigt, er müsse jetzt dringend weiterarbeiten.

Wer momentan noch einen Abstecher zum Sailor’s Pub einplant, der steht vor verschlossenen Türen – noch. Das Lokal öffnet, wie es auf der Internetseite heißt, am 16. Juni. Ab dem Tag sind auch wieder Gäste im Il Pomodoro willkommen, steht auf der Homepage des Restaurants zu lesen.

Auf die kühlen und beliebten Leckereien von Mörchen Eis und Frozen Yogurt müssen Besucher derzeit in den Abendstunden verzichten. Bislang seien ab 20 Uhr nicht so viele Leute unterwegs gewesen, erklären beide Betriebe. Zum Auftakt des langen Wochenendes sah es auf der Rü allerdings anders aus.

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