Bezirksvertretung

Ein Vermittler zwischen Politik, Bürgern und dem Rathaus

Die Stadtteile im Blick: Zwölf Jahre lang betreute Bernhard Kothe die Bezirkspolitik, davon acht Jahre die BV II, die für Rüttenscheid, Bergerhausen, Rellinghausen und Stadtwald zuständig ist.

Die Stadtteile im Blick: Zwölf Jahre lang betreute Bernhard Kothe die Bezirkspolitik, davon acht Jahre die BV II, die für Rüttenscheid, Bergerhausen, Rellinghausen und Stadtwald zuständig ist.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Rüttenscheid.   Bernhard Kothe ist einer von stadtweit neun Verwaltungsmitarbeitern. Im Interview verrät er, warum die Stadtteilpolitik so wichtig ist.

Wer glaubt, der Job eines Bezirksverwaltungs-Beauftragten sei so trocken, wie er sich auf dem Papier liest, der wird von Bernhard Kothe eines Besseren belehrt: Der Bürgerentscheid um die Straßenumbenennung, die als „Tische-Krieg“ bekannte Auseinandersetzung um die Rüttenscheider Außengastronomie und zuletzt der Streit um die Nutzung des leerstehenden Hausmeister-Hauses der Käthe-Kollwitz-Schule waren für den 63-Jährigen alles andere als langweilig.

Seit zwölf Jahren betreut Kothe die Stadtteilpolitik in Essen und wird sich mit der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung II in den Ruhestand verabschieden. Warum die Stadtteilpolitik so wichtig ist, erklärt er im Interview.

Was genau ist die Aufgabe der Bezirksstellen?

Die Geschäftsstellen in den Stadtteilen sind Vermittler zwischen Verwaltung, Politik und Bürger. Jeder kann mit seinen Anliegen zu uns kommen – angefangen von der kleinen Dreckecke bis hin zu größeren Bauvorhaben. Wir leiten Bürgereingaben an die entsprechenden Ämter und Ausschüsse weiter. Außerdem organisieren wir Ortstermine und Arbeitskreise für die Stadtteilpolitiker und beraten sie. Oft erklären wir auch Prozesse – etwa wenn die Politik der Verwaltung vorwirft, zu schwerfällig zu sein.

Das klingt ziemlich trocken.

Ganz im Gegenteil. Das Reizvolle an der Arbeit für die Stadtteile ist, dass die Themenvielfalt groß ist: Sie reicht von kleinen Entscheidungen über Mülleimer-Standorte bis hin zum Bürgerentscheid um eben die Straßenumbenennung, den wir im Jahr 2013 erlebt haben.

Ist die Bezirksvertretung II besonders streitbar?

Langweilig wurde es jedenfalls nicht. Ich finde es aber gut, dass viele Diskussionen hier so kontrovers geführt wurden und sachlich gestritten wird. Dafür ist ein solches Gremium schließlich da.

Teilen Sie die Meinung vieler Bezirksvertreter, dass sie zu wenig Entscheidungsgewalt haben?

Zumindest glaube ich, dass sich die entscheidenden Gremien wie der Stadtrat und die Fachausschüsse häufiger die Meinung ihrer Politiker vor Ort anhören sollten und die Stadtteilpolitik mehr Beachtung verdient. Schließlich sind sie die Spezialisten und kennen sich in ihren Stadtteilen am besten aus. Das ist überhaupt der Grund, warum die Bezirksvertretungen so wichtig sind – sie sind sehr bürgernah und kümmern sich direkt, wenn Fragen und Beschwerden eingehen. Außerdem bleiben sie am Ball und fragen mich, was aus den Anfragen geworden ist. Dann horchen wir bei den jeweiligen Ämtern nochmal nach.

Mit welchen Themen kommen die Bürger zu Ihnen?

In Rüttenscheid bewegen vor allem Themen wie Parken und Gastronomie viele Menschen – und das seit Jahren. Dabei ist wichtig zu sagen, dass allen Beteiligten meistens an einem Kompromiss gelegen ist. Aufgabe ist es dann, alle an einen Tisch zu bringen und eine gemeinsame Lösung zu finden.

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