Girardet-Druckerei

Als bei Girardet in Essen sogar der Playboy gedruckt wurde

Die Bilder erzählen die bewegte Geschichte der Druckerei Girardet.

Die Bilder erzählen die bewegte Geschichte der Druckerei Girardet.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Rüttenscheid.  Eine Ausstellung erzählt die bewegte Geschichte der Druckerei Giradet. Nach dem Krieg wurde in Essen sogar der Playboy gedruckt.

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Es ist immer wieder ein besonderer Moment für Wilhelm Girardet, das ehemalige Druckhaus, das den Namen seiner Familie trägt, zu betreten: In den vergangenen Jahrzehnten seit der Schließung sei er häufiger in der Stadt gewesen „und dann war ich natürlich auch am Girardethaus“, so der Erbe und letzte Geschäftsführer der einst größten und modernsten Druckerei Deutschlands.

Doch dieses Mal ist der 81-Jährige zu einem speziellen Termin extra aus Berlin angereist: Die Mundus-Seniorenresidenz im Girardethaus feiert ihr 20-jähriges Bestehen und zeigt aus diesem Anlass die von dem Hobby-Historiker Klaus Geiser konzipierte Ausstellung „Spurensuche“. Die beschäftigt sich mit der wechselvollen 123-jährigen Geschichte der Druckerei Girardet.

Playboy wurde im Druckhaus gedruckt

Eine Geschichte, die auch Wilhelm Girardet geprägt hat: So musste er als Kind miterleben, wie die Nazis seinen Großvater zwangen, die Essener Allgemeine Zeitung für einen Spottpreis zu verkaufen. „Mein Großvater hatte sich geweigert, aus der Zeitung ein Naziblatt zu machen. Daraufhin haben die Schergen ihn ins Gefängnis gesteckt“, erzählt er bei der Ausstellungseröffnung. Nach dem Krieg und der Zerstörung des Druckhauses baute die Familie das Unternehmen quasi neu auf – und kehrte zu ihren alten Glanzzeiten zurück.

Erst wurden hier Lebensmittelkarten gedruckt, dann die Quick, der Reader’s Digest, der Stern, Micky-Maus-Hefte, der Playboy, und, und, und... „Wir hatten in unserer Hoch-Zeit Anfang der 1970er Jahre mehr als 3000 Mitarbeiter“, so Wilhelm Girardet. Zwei von ihnen sind auch da und bringen ihren eher reserviert wirkenden ehemaligen Chef vor Rührung ein wenig aus der Fassung.

Niedergang der Druckerei in den 1980er Jahren

„Girardet war ein sehr guter Arbeitgeber, eigentlich ein viel zu guter“, erzählt Heinz Nellissen, der bis zur Schließung 1988 für den Druck des Playboys verantwortlich zeichnete. „Vielleicht wurde das dem Unternehmen zum Verhängnis“, mutmaßt der 81-Jährige. Gute Erinnerungen an den Vater von Wilhelm Girardet hat Kurt Beger (91). Der war einst Abteilungsleiter in der Buchbinderei und ist einer der ersten Bewohner der Mundus-Residenz. „Dass ich meinen Lebensabend dort verbringe, wo ich mal gearbeitet habe, hätte ich nie gedacht“, sagt er, „aber immer, wenn ich das erzähle, finde ich es klasse.“

Beide haben wie ihr einstiger Chef den Niedergang der Druckerei in der 1980er Jahren hautnah miterlebt – ein Niedergang, der genauso wie die Glanzzeiten von Ausstellungsmacher Klaus Geiser spannend in Szene gesetzt wird.

„Dass Girardet immer noch einen guten Klang in der Stadt hat, erfüllt mich mit Stolz“, sagt Wilhelm Girardet und erzählt noch eine Anekdote über seinen Namen, der in Essen gerne falsch geschrieben wird: Beim Einkauf kürzlich auf der Rü habe er mit Karte bezahlt. „Hätten Sie nicht das r im Namen, dann könnten Sie glatt etwas mit der Druckerei zu tun haben“, lautete der Kommentar der Verkäuferin.

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