Bierfestival

Rüttenscheid feiert die Vielfalt des Bieres beim Hopfenfest

Essen-Rüttenscheid.  Beim Hopfenfest in Rüttenscheid können die Besucher kleine Brauereien aus der Region entdecken, die mit ihrem Bier auch mal experimentieren.

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Kleine Brauereien, ganz kleine Biere: Beim Hopfenfest vor der Grugahalle beginnt das Angebot schon mit dem 0,1-Liter-Schlückchen. Die Besucher hier sollen sich so weit wie möglich durch das Angebot probieren, ohne großen Schaden zu nehmen. Zu entdecken gibt es viel: Neben bekannten Marken sind Produzenten aus der Region vertreten, die sich auf dem Festival einem größeren Publikum präsentieren wollen. Für viele von ihnen ist das Brauen Hobby geblieben, davon leben können nur wenige.

„Der deutsche Biertrinker ist ein Industriebiertrinker“, sagt Wilhelm Schoppmeier. „Die großen Brauereien haben den Geschmack immer mehr vereinheitlicht.“ Schoppmeier selbst hat das Handwerk vor knapp 30 Jahren bei Fiege in Bochum gelernt, heute braut er in Steinfurt das Friedensreiter Bräu. „Man kann experimentieren und Sachen machen, die große Brauereien nicht umsetzen können“, erzählt der Braumeister. Er hat sich darauf verlegt, Bier mit historischen Getreidesorten zu brauen. „Als Craft-beer-Brauer bin ich in der Lage, die Entscheidungen über Rohstoffe und Brauverfahren selber zu treffen. Es gibt keinen Controller, keine wirtschaftlichen Zwänge.“ Und zumindest jetzt noch keine großen Gewinne. „Wir machen das zu zweit, aber nur nebenberuflich.“

Kleine Brauereien freuen sich über Konkurrenz

Dennoch freut man sich in der Craft-beer-Szene über Konkurrenz, die ebenfalls handwerklich braut. „Als wir 2012 angefangen haben, wurde viel über Craft beer geschrieben, es sollte das nächste große Ding werden“, erzählt Torsten Mömken vom Brauprojekt 777 aus Voerde am Niederrhein. „Das war dann aber nicht der Fall, denn beim Kunden ist es noch nicht richtig angekommen.“ Eines der Probleme sei, dass Bier aus handwerklicher Produktion noch nicht richtig in der Gastronomie angekommen sei. „In Deutschland herrscht eben noch nicht die Bierkultur wie zum Beispiel in Belgien. Das fängt gerade erst an.“

Die kleine Brauerei habe bisher von Biertrinkern gelebt, die zu ihren Produkten greifen, weil sie ein regionales Unternehmen unterstützen wollen. „Inzwischen haben wir viele Preise gewonnen, unser Red Ale wurde in Irland ausgezeichnet, darauf sind wir stolz. Das honorieren langsam mehr Leute. Sie kaufen das Bier, weil es gut ist.“ Mit Veranstaltungen wie dem Hopfenfest könne man den Menschen näherbringen, dass es so viele gute Biersorten gebe. „Wir sind froh über Konkurrenz, über Mücke aus Essen, über Fleuther aus Geldern. Wir sind nicht mehr allein auf weiter Flur.“

Die Brauerei Mücke aus dem Südviertel gibt es seit 2016. „Wir mussten Pionierarbeit leisten, um den Leuten im Ruhrgebiet Craft beer näherzubringen“, erzählt Dennis Pfahl. Mit Michael Kesseböhmer zog er durch Lokale und Läden, um einen Platz für ihre ­Mücke-Biere zu finden. „Wenn wir erst mal in einer Gastronomie drin sind, läuft es gut, das merken wir dann an den Nachbestellungen.“ Pfahl ist überzeugt davon, dass der Markt für handwerklich gebrautes Bier wachsen wird. „Es kommt langsam, irgendwann kann man damit Geld verdienen. Jetzt geht es nur um die Leidenschaft.“

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