Kommentar

Rüttenscheid darf seine Attraktivität nicht verspielen

WAZ-Redakteur Theo Körner

WAZ-Redakteur Theo Körner

Foto: Selina Sielaff / funkegrafik nrw

Damit Essen-Rüttenscheid nicht an Attraktivität verliert, sind Konsequenzen gefordert. Ein Kommentar von WAZ-Redakteur Theo Körner

Arg umstritten war die Neubausiedlung Parc Dunant von Beginn an - und erregt auch weiterhin die Gemüter. Das kann auch kaum verwunden. Wenn in einem ohnehin recht eng bebauten Stadtteil weitere, vielgeschossige Wohnbauten entstehen,, wie an der Henri-Dunant-Straße geschehen, ist Kritik vorprogrammiert. Dass sie nun nicht verstummt, lässt sich nachvollziehen. Die Bilder, die das Ausmaß des Wohnkomplexes zeigen, sprechen Bände.

Sie bilden einen Nährboden für weiter anhaltende Diskussionen, ob nicht doch eine kleinere Lösung gereicht hätte oder ein Wohnquartier genau hier doch vollkommen verfehlt sei. Die Bedenken rühren sicherlich auch daher, dass es im Ruhrgebiet und anderswo genügend Bauprojekte gab und gibt, die zu erheblichen Verwerfungen führten.

Spätestens seit das Oberverwaltungsgericht im Frühjahr die Normenkontrollklage der Initiative Henri 2020 abgewiesen hat und damit auch alle Rechtsmittel gegen das Projekt ausgeschöpft sind, lässt sich an dem Rüttenscheider Vorhaben wohl nichts mehr ändern. Mit Spannung wird man erwarten, wie es sich mit den Versprechungen des Investors verhalten wird.

Für Rüttenscheid stellt sich gleichwohl die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, über die Folgen und Konsequenzen nachzudenken. Denn der Parc Dunant steht als Synonym für den wachsenden Stadtteil. Die neu gewählten politischen Gremien sind gefordert, ihre Hausaufgaben zu erledigen und zu prüfen, ob die Infrastruktur (Schulen, Kitas, Straßen, öffentlicher Nahverkehr) auch wirklich den neuen Notwendigkeiten entspricht. Um als Stadtteil attraktiv zu bleiben, dürfte Nachbesserungen unvermeidlich sein. Zudem sollte man auch noch mal sehr genau auf das geplante Baugebiet an der Rüttenscheider Brücke schauen, eine der letzten noch vorhandenen Freiflächen. Die Mitsprache der Bevölkerung darf hier nicht ausgehöhlt werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben