Romantische Verzauberung

Schubert bricht auf – im doppelten Sinn des Wortes. Kaum ist Ludwig van Beethoven tot, macht sich der junge, unruhige Geist auf, die Form der Sonate neu zu denken. Er bricht sie auf, führt sie über sein Vorbild hinaus. Wie eine Meditation spinnen sich in der A-Dur-Sonate (D 959) die melodischen Formulierungen weiter, scheinbar absichtslos schweifend.

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Schubert bricht auf – im doppelten Sinn des Wortes. Kaum ist Ludwig van Beethoven tot, macht sich der junge, unruhige Geist auf, die Form der Sonate neu zu denken. Er bricht sie auf, führt sie über sein Vorbild hinaus. Wie eine Meditation spinnen sich in der A-Dur-Sonate (D 959) die melodischen Formulierungen weiter, scheinbar absichtslos schweifend.

Arcadi Volodos folgt bei seinem gefeierten Klavierabend in der Philharmonie den musikalischen Gedankenspielen Schuberts mit unerhörter Delikatesse. Gebrochenheit drückt er nicht durch zupackende Dynamik aus, sondern in einer Vielfalt feinster Abstufungen zwischen klanglos ersterbendem Pianissimo und melancholischer Anschlag-Süße im Piano. Volodos hat sich zu einem sensiblen Klangzauberer entwickelt, der Kontraste nicht hart aneinander reibt, sondern in der sorgsam modellierten Nuance wirken lässt. Das hat etwas Verzauberndes.

Wohin Schubert führte, zeigt Volodos im ersten Teil seines Programms mit Robert Schumann und Johannes Brahms. Schumanns „Papillons“, in den Jahren um Schuberts Tod geschrieben, fasst Volodos als romantische Charakterstücke auf, in denen vitaler Optimismus, schmerzlich-verhaltene Innerlichkeit und träumerische Entrückung auf bieder-fröhliche Tanzrhythmen und Fanfarenklänge treffen. Souveräne Tempi und ein Blick für die klanglichen und melodischen Zusammenhänge zeichnen Volodos als hinreißenden Gestalter aus. Gleiches gilt für Johannes Brahms’ Acht Klavierstücke (op. 76), die mit wehmütigen Melodiebögen und in den variierenden Teilen an Schubert, in der spannungsreichen Harmonik und der Dichte des Satzes an Schumann erinnern.

Mehrere Zugaben und Entzückensrufe im Publikum.

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