Ruhrgebiets-Literatur

Roman-Debüt taucht Ruhrgebiets-Geschichte in sattes Rotlicht

Zur Lesung mit Champagner und Superwomen-Stehlampe waren Anna Basener (li.) und Gerburg Jahnke ins Filmstudio Glückauf gekommen. Foto:Socrates Tassos

Zur Lesung mit Champagner und Superwomen-Stehlampe waren Anna Basener (li.) und Gerburg Jahnke ins Filmstudio Glückauf gekommen. Foto:Socrates Tassos

Essen.   „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“: Essener Autorin Anna Basener und  Kabarettistin Gerburg Jahnke sorgen für vergnügliche Lesung. 

Omma Basener ist 85 Jahre alt geworden. Sie hat ein bewegtes Leben geführt, fünf Kinder von drei Männern bekommen und neben der „Eve“ immer auch einen flotten Spruch auf den Lippen gehabt. Aber dass sie irgendwann mal mit der Stimme von Kabarett-Lady Gerburg Jahnke zu uns sprechen würde, dazu noch im ausverkauften Kinosaal, das hätte sich selbst so eine verwegene Person wie die Omma wohl kaum vorstellen können.

Aber irgendwann kommt eines zum anderen. Dann ist da eine Enkelin, die erst mal ein paar Jahre in Berlin leben muss, um den besonderen literarischen Reiz ihrer Heimat Ruhrgebiet zu entdecken. Und auch noch einen Roman daraus macht: „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ (Eichborn) heißt der Erstling der Essener Autorin Anna Basener, der für viel Furore sorgt. Ruhrgebiets-Kultregisseur Adolf Winkelmann („Junges Licht“) hat sich bereits die Filmrechte gesichert und schreibt schon am Drehbuch. Doch bevor Omma und ihre Freundin Mitzi demnächst auf der Leinwand wiederauferstehen, waren Basener und Jahnke erst einmal auf Einladung der Buchhandlung Proust zu einer Lesung ins Filmstudio Glückauf gekommen.

Ein Ruhrpott-Roman mit vielen guten Frauen-Figuren

Heimspiel für eine junge Autorin, Jahrgang 1983, die in Rellinghausen groß geworden ist, am Gymnasium Werden zur Schule ging und in Hildesheim „Kulturwissenschaft und ästhetische Praxis“ studiert hat. Ihr Studium hat sie mit Groschenromanen finanziert, die „Zeit“ hat sie sogar zur erfolgreichsten Groschenromanautorin erklärt. Aber Anna Basener ist da nicht so sicher: „Waren ja nur 25.“

Mit dem Umzug nach Berlin ist sie dann auf Omma und die Sache mit dem Rotlicht-Milieu gekommen. „Meine Omma war immer offen, was Sex angeht“, erzählt sie. Und so hat sie den Roman, der auch ein Stück Familiengeschichte und viel Ruhrgebiets-Kolorit beinhaltet, um das Bordellthema erweitert. Da ist die resolute Omma nun Wirtschafterin in einem Puffbetrieb, die einen brutalen Zuhälter eines Tages eine Pulle Korn über den Schädel zieht und sich auch sonst in jeder Lebenslage zu helfen weiß. Für Gerburg Jahnke, die das Hörbuch bereits mit Begeisterung eingelesen hat, ist der Text denn auch ein geradezu feministischer Ruhrpott-Roman. „So viele gute Frauenrollen auf einmal habe ich lange nicht gesehen.“

„Ich will im Film unbedingt eine Nutte spielen!“

Dass sie dem Anlass angemessen schon mal die kniehohen Wildlederstiefel angezogen hatte, konnte man denn auch gleich als Bewerbungs-Wink verstehen: „Ich will im Film unbedingt eine Nutte spielen“, ließ die Oberhausenerin schon mal wissen, mit schönen Gruß an Regisseur Winkelmann. Wichtig, findet Jahnke, sei schließlich, dass man den „Regiolekt“ auch richtig beherrscht, den Anna Basener auf 316 Seiten so deftig-liebevoll ausbreitet. Dass sie den Geschmack von Taubensuppe dabei so kundig auf der Zunge hat wie das hömma und gezz ihrer Heldinnen, ist auch Ergebnis eifriger Recherche. Eine Grammatik-Regel sei dabei ganz besonders zu beherzigen: „Den Akkusativ ist immer eine sichere Bank“, ulkt Basener, die bereits darüber nachdenkt, ob es noch einen weiteren Ruhrgebiets-Roman geben könnte. Die Omma wäre mächtig stolz auf dat Kind.

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