Essener Stadtteile (19)

Rellinghausen ist eine der Keimzellen Essens

Multicopter-Aufnahme von Schloss Schellenberg.

Multicopter-Aufnahme von Schloss Schellenberg.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Rellinghausen besteht seit über tausend Jahren und begreift sich als einer der Keimzellen Essens. Johannes Stoll erforscht die Stadtteilgeschichte. Folge 19 unserer Stadtteil-Serie „60 Minuten in...“.

Der beste Ort, um einen Rundgang durch Rellinghausen zu starten, ist natürlich der Stiftsplatz. „Hier ist die Keimzelle“, sagt Johannes Stoll und nutzt gleich den ersten Halt, um sein umfangreiches Wissen an den Mann zu bringen. Denn wer etwas über die Geschichte des Stadtteils zwischen Ruhr und Stadtwald erfahren möchte, kommt an dem Vorsitzenden der Rellinghauser Bürgerschaft nicht vorbei.

Obwohl im Allgäu aufgewachsen, kennt Johannes Stoll hier jeden Stein und dessen Geschichte. „Rellinghausen war vor dem Krieg viel größer“, sagt er, „die Stadt hat uns ohne Ratsbeschluss einfach anderthalb Kilometer geklaut.“ Auch wenn der Stadtwald („gehörte zu Rellinghausen und hieß Heide“), die Rote Mühle und das einstige Strandbad Rellinghausen sozusagen amputiert wurden, ist Rellinghausen immer noch reich an historischen Bauten und grünen Siedlungen: Dazu gehören das Schloss Schellenberg, der Blücherturm, die ehemalige Stiftskirche St. Lambertus aber auch die Kolonie Gottfried Wilhelm und die Hälfte der Heisinger Aue.

Adlige Stiftsdamen kamen im Mittelalter

Geprägt haben den über 1000 Jahre alten Stadtteil der Bergbau und die Kirche. Die adligen Stiftsdamen kamen schon im Mittelalter; sie bauten das Gotteshaus, gaben den Bauern Arbeit und sprachen Recht. Mit Beginn der Industrialisierung schwand ihr Einfluss, die Säkularisierung gab ihnen den Rest.

Der Bergbau vertrieb später auch die adeligen Herren von Schloss Schellenberg: Über 800 Jahre wurde die Burg als Wohnsitz genutzt, dann setzten sich die Zechenbesitzer durch und bauten eine Kohlenseilbahn quer durch den Wald. Die Familie Vittinghoff-Schell zog unter Protest aus und kam nie wieder. Gesiegt haben sie trotzdem, irgendwie. Denn während die Zeche Gottfried Wilhelm nahezu spurlos verschwunden ist, hat das Schloss die Zeit überdauert; allerdings wird es heute gewerblich betrieben und ist somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Bürgerschaft rettete den Blücherturm