Jubiläum

Apotheke in Essen-Rellinghausen existiert seit 150 Jahren

Apotheker Klaus-Hartmut Iltgen im Museum über dem Verkaufsraum. Er zeigt ein Foto, auf dem er als 15-Jähriger (2.v.r.) zu sehen ist. Schon damals saugte er wissbegierig alles auf, was mit Pharmazie zu tun hatte. Foto: Kerstin Kokoska/Funke Foto Services

Apotheker Klaus-Hartmut Iltgen im Museum über dem Verkaufsraum. Er zeigt ein Foto, auf dem er als 15-Jähriger (2.v.r.) zu sehen ist. Schon damals saugte er wissbegierig alles auf, was mit Pharmazie zu tun hatte. Foto: Kerstin Kokoska/Funke Foto Services

Essen-Rellinghausen.  Mit vielen Aktionen feiert die Reichsadler-Apotheke in Essen ihr Jubiläum. Ein angegliedertes Museum ermöglicht einen Blick in die Geschichte.

Eine Institution in Essen-Rellinghausen ist seit 150 Jahren die Reichsadler-Apotheke, die das Jubiläum das ganze Jahr über mit zahlreichen Aktionen feiert. Gegründet von einem Apotheker namens Strauß, wird sie seit vielen Jahrzehnten von der Familie Iltgen geführt. In dem ebenfalls 150 Jahren alten Gebäude an der Frankenstraße, das die Apotheke von Anfang an beherbergte, ist im ersten Stock ein kleines Apotheken-Museum untergebracht.

Dort sind nicht nur Bilder aus der Gründungszeit zu sehen, sondern auch alte Instrumente, Gefäße, Medikamente und das Herbarium (Sammlung getrockneter Kräuter), das der aktuelle Inhaber Klaus-Hartmut Iltgen (76) noch zu Studienzeiten in Freiburg anlegte.

Ein Apotheker namens Strauß war der erste Besitzer

Als Apotheker Strauß die Reichsadler-Apotheke 1869 gründete, hätten acht Apotheken in Essen rund 50.000 Einwohner versorgt. So ist es in der Chronik zu lesen, die Iltgen für die Kunden ausgehängt hat. „Heute gibt es in Essen rund 140 Apotheken, Tendenz stark fallend“, sagt der 76-Jährige, der trotz seines Alters noch keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet. Die Apotheken litten, wie andere Branchen, immer stärker unter dem Internet-Handel. Iltgen hält diese Entwicklung für sehr bedenklich. „Da fehlt dann jeder persönliche Kontakt, jede individuelle Beratung.“

Mit solchen Problemen hatte sein Großvater Egidius Iltgen noch nicht zu kämpfen, als er 1903 die Apotheke für 150.000 Reichsmark kaufte. „Als mein Großvater sehr früh verstarb, verwaltete die Großmutter den Betrieb“, so Iltgen. Sein Vater Kurt-Joseph Iltgen habe die Apotheke dann 1942 übernommen, sie dann aber 1962 aus gesundheitlichen Gründen verpachtet.

Der berufliche Werdegang des heutigen Inhabers ist vielfältig

In den 1980er Jahren kaufte der heutige Eigentümer Klaus-Hartmut Iltgen das Haus an der Frankenstraße 108. Dass er irgendwann die Apotheke übernehmen würde, sei keineswegs sicher gewesen, sagt Iltgen, der mit acht Geschwistern aufwuchs, von denen einige ebenfalls Pharmazie studiert hätten. „Ich habe nach meinem Studium in einem Dutzend Apotheken gearbeitet, eine Apotheke in Hattingen gegründet und dann nach der Wende für die Treuhand in Chemnitz die Apotheken privatisiert“, blickt Klaus-Hartmut Iltgen auf seine beruflichen Stationen zurück, zu denen auch seine Tätigkeit als Sanitätsoffizier bei der Marine gehört. Die Reichsadler-Apotheke führt Iltgen, der selbst drei Kinder und sechs Enkel hat, seit 1993.

Bis heute habe er gut Kontakte in die neuen Bundesländer, führe zudem eine Ost-West-Ehe: Seine Frau Birgit Dagmar stammt aus der ehemaligen DDR. Sie ist gelernte pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) und arbeitet im Rellinghauser Familienbetrieb mit. Insgesamt sind fünf Mitarbeiterinnen in der Apotheke beschäftigt.

Der Versorgungsbereich der Apotheke habe früher bis Heisingen und Überruhr gereicht. Letzteres habe man nur mit der Fähre erreichen können, weil noch keine Brücke existierte. „Im Heisingen gab es viele Frührentner, die unter der sogenannten Staublunge nach Jahrzehnten unter Tage litten“, erklärt Ilgen.

Das kleine Museum im ersten Stock entstand vor zehn Jahren

Das kleine Museum über dem Verkaufsraum entstand vor zehn Jahren. Laut Klaus-Hartmut Iltgen ist es eines von zwei derartigen Museen in NRW. Neben alten Gerätschaften wie Pillenbrett oder Aufbewahrungsbehälter für 100 Liter Hustensaft ist auch hier die enge Verbindung zur ehemaligen DDR zu sehen, aus der etliche Exponate stammen. Zudem sind Gastgeschenke ausgestellt. Das Museum sei nicht nur für Pharmazie-Studenten interessant, sondern auch für alle, die etwas über das Thema erfahren wollten. Eine Besichtigung ist nach Absprache (
43 53 30

) möglich.

Der Apotheke angegliedert ist das „Haus der Mediation“. Mediator Klaus-Hartmut Iltgen bringt dort Menschen an einen Tisch, die Probleme miteinander haben, sei es in Beziehungen oder am Arbeitsplatz. „Sachverhalte zu klären und Konflikte zu lösen, hat auch viel mit Gesundheit zu tun“, sagt Iltgen, der eigens für die Gespräche einen Mediationsgarten mit verschiedenen Bereichen gestaltet hat.

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