Oseberg

Rechte Mode: Umstrittener Laden Oseberg verlässt Essens City

Kurz nach der Eröffnung: „Oseberg“ fing vor zehn Jahren mit einem normalen Schaufenster an, mittlerweile ist die Fassade komplett mit Holz verbarrikadiert. Oft wurden die Scheiben eingeschmissen.

Kurz nach der Eröffnung: „Oseberg“ fing vor zehn Jahren mit einem normalen Schaufenster an, mittlerweile ist die Fassade komplett mit Holz verbarrikadiert. Oft wurden die Scheiben eingeschmissen.

Foto: Oliver Müller

Vertrag läuft aus: Nach zehn Jahren verlässt „Oseberg“ die Viehofer Straße. Der Laden verkauft Textilien, die in der rechten Szene beliebt sind.

Das umstrittene und in der rechten Szene beliebte Geschäft „Oseberg“ verlässt nach zehn Jahren die Viehofer Straße in der nördlichen Innenstadt in Essen. Ob „Oseberg“ sich woanders in Essen niederlässt, ist unklar.

„Oseberg“ verkauft Textilien der Marke „Thor Steinar“, die in der rechten Szene beliebt ist. Sie ist in vielen Fußballstadien und im Bundestag verboten. Der Immobilienbesitzer hat den Mietvertrag mit der brandenburgischen Firma „Mediatex“, die hinter „Thor Steinar“ und „Oseberg“ steht, nicht verlängert. Und wohin zieht „Oseberg“ jetzt? „Wir beantworten keine Presse-Anfragen“, sagte ein Angestellter der Firma „Mediatex“ auf Nachfrage unserer Redaktion.

„Wir beantworten keine Presse-Anfragen“

„Oseberg“ hatte im April 2009 an der Viehofer Straße eröffnet. Später wurde den Beteiligten klar, wer da einzogen ist mit welchen Produkten: „Man hat uns damals übers Ohr gehauen“, sagt der Immobilienbesitzer heute.

Er strengte 2010 eine Räumungsklage an – erfolglos. „Der Richter sagte, wir hätten uns besser informieren müssen, um wen es sich handelt.“ „Oseberg“ machte zweimal von einer Verlängerungs-Option Gebrauch, auch gegen sie konnte der Eigentümer nichts machen.

Vermieter entschuldigt sich bei Essener Bürgern

Das Geschäft wurde zum Schauplatz vieler Anti-Rechts-Demos; die Fassade wurde wiederholt mit Farbe beworfen, die Schaufenster wurden zerstört. „Ich möchte mich nochmal bei allen Bürgern entschuldigen, dass ich diese Vermietung zugelassen habe, so ein Fehler passiert mir nicht nochmal“, sagt der Haus-Eigentümer. „Oseberg“ entwickelte sich schnell zum Anlaufpunkt der rechten Szene in ganz NRW, zumal „Thor Steinar“-Bekleidung nirgendwo sonst westlich von Hannover zu kaufen ist.

Standortgemeinschaft Nord-City begrüßt den Auszug

Nach dem Auszug „Osebergs“, der für Ende März terminiert ist, soll die Immobilie erst mal saniert werden. „Dann sehen wir weiter“, sagt der Hauseigentümer. Bei der Suche nach einem seriösen Nachmieter sei die Immobilien- und Standortgemeinschaft City Nord (ISG) gerne behilflich, kündigt deren Sprecher Frank Baumeister an. Den Auszug von „Oseberg“ hält er für eine „positive Entwicklung“. Einen persönlichen Kontakt zwischen dem Geschäft und der ISG habe es nie gegeben. Das berichtet auch Marc Heistermann, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Ruhr: „Es gab nie Kontakt.“

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