Durchsuchungen

Razzia gegen Miethaie: Problemhaus im Ostviertel durchsucht

Bei der Durchsuchung des Problemhauses an der Mittwegstraße entdeckten die Ordnungshüter auch jede Menge Sperrmüll und Altemetall, darunter zahlreiche Fahrräder und alte Kühlschränke. Fotos: Christoph Koepsel / FUNKE Foto Services

Bei der Durchsuchung des Problemhauses an der Mittwegstraße entdeckten die Ordnungshüter auch jede Menge Sperrmüll und Altemetall, darunter zahlreiche Fahrräder und alte Kühlschränke. Fotos: Christoph Koepsel / FUNKE Foto Services

Essen.   Polizei und Stadt setzen ihren Kampf gegen Miethaie konsequent fort: Am Donnerstagmorgen haben Beamte eine weitere Schrottimmobilie durchsucht.

Die Essener Ordnungsbehörden haben ihre Androhung wahr gemacht und am Donnerstagmorgen erneut zu einem Schlag gegen Schrottimmobilien ausgeholt. Dieses Mal im Visier der Ermittler: das Problemhaus Mittwegstraße 16 im Ostviertel.

Es ist kurz nach sieben, als die Mannschaftswagen der Polizei in die kurze Wohnstraße, eine ruhige Seitenstraße der Gerlingstraße, einbiegen. Drei Dutzend Beamte sind im Morgengrauen im Einsatz, darunter auch Kommissare der Kripo. Ebenfalls vor Ort: Beamte der Stadtverwaltung aus den Ämtern Jugend, Umwelt, Einwohner und Ordnung.

„Anwohner klagen schon seit Längerem über Müllberge im Haus und einen schwunghaften Schrotthandel“, sagt der städtische Sicherheitskoordinator Matthias Blackert. Die Nachbarn ärgern sich über unerträglichen Lastwagenlärm am frühen Morgen und über die riesige Kinderschar, die des Sommers die ganze Nacht hindurch auf der Straße spielt. „Bis vor neun Monaten war es hier ziemlich ruhig“, berichtet Sivaguru Tharmalingam, der an der Ecke Hammacherstraße einen Kiosk betreibt, „jetzt ist es eine Qual, dauernd muss jemand die Polizei rufen.“ Der Mann aus Sri Lanka deutet auf die breiten Kratzer im Lack seines Autos und auf die Schmierereien an den Fassaden der schmucken Gründerzeithäuser. Die Leute seien oft „besoffen“, berichtet er naserümpfend.

Die Überprüfung der Personalien bestätigt den Ermittlern, was sie längst wissen. Die Mieter stammen allesamt aus dem EU-Land Rumänien. Männer, die sich hier als Tagelöhner verdingen oder im Schrotthandel operieren, Frauen, die tagsüber in der Fußgängerzone betteln oder – so tuschelt man – nachts im Bordell anschaffen gehen. Ihre wohl wichtigste Einnahmequelle soll das Kindergeld sein. Kenner der Migrantenszene sprechen es unverblümt aus: „Eine Schwangerschaft ist hier wie eine Lohnerhöhung.“

33 Menschen in vier Wohnungen

33 Personen treffen die Ordnungskräfte in den vier Wohnungen an, darunter 20 Kinder. Der Verdacht, dass letztere gar nicht beschult werden, bestätigt sich zum Teil. „In vier Fällen haben wir die Eltern aufgefordert, die Kinder binnen einer Woche in einer Schule anzumelden“, betont Blackert.

Vor genau einer Woche hat die Schrottimmobilie bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer gewechselt. Seitdem, so scheint es, ist es etwas ordentlicher geworden. „Aber der Dachboden ist die reinste Rumpelkammer, sie ist voller Ratten“, raunt ein Polizist. Bei einer Kontrolle im Sommer hatten die Ordnungskräfte noch Mühe, sich einen Weg durch die meterhoch vermüllte Toreinfahrt und den mit Altmetall zugepflasterten Hinterhof zu bahnen. Der neue Eigentümer, so heißt es, zeige sich kooperativ. Er habe versichert, gründlich modernisieren zu wollen – ein winziger Lichtblick.

Die Beamten, insbesondere die Experten für Umweltdelikte, nehmen das Problemhaus gewissenhaft unter die Lupe. Denn Zeugen haben gemeldet, dass hier sogar asbesthaltige Nachspeicheröfen zerlegt würden. Das wäre ein schweres Umweltdelikt. Nach gut einer Stunde ziehen die Ordnungskräfte ohne Befund weiter, um jetzt ein Objekt in der Hammacherstraße zu kontrollieren. Dorthin sind kürzlich 15 Bewohner der Mittwegstraße 16 gezogen. Auf dem Gehweg stapelt sich Sperrmüll. „Aber drinnen ist alles okay“, sagt Blackert.

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