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Radtour-Tipp: Bergbau-Geschichte am Rand des Baldeneysees

Die alte Eisenbahnbrücke, die Kupferdreh mit Heisingen verbindet, wurde 1984 für Radler und Fußgänger freigegeben.

Die alte Eisenbahnbrücke, die Kupferdreh mit Heisingen verbindet, wurde 1984 für Radler und Fußgänger freigegeben.

Essen.   Der Baldeneysee in Essen ist ein Ausflugs-Klassiker. Am Wegesrand schlummern Relikte der Bergbauzeit – es gibt sogar noch echte Kohle.

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Die Rad-Saison ist längst erwacht, und dies ist eine Einladung, den Baldeneysee neu zu entdecken. Er ist mehr als der 14 Kilometer lange Rundtour-Klassiker zwischen Kupferdreh, Fischlaken, Werden, Bredeney und Heisingen. Er ist auch lebendiges Abbild der Bergbaugeschichte unserer Stadt und Region – und das liegt nicht nur am schilfgrünen Fördergerüst der Carl-Funke-Zeche, das an der Nordseite des Sees in den Himmel ragt.

Ganz abgesehen davon, dass hier, in unmittelbarer Nähe des Fördergerüstes, in den Wiesen noch alte Bahngleise liegen, die früher für die Güterzüge da waren: Hier gibt’s sie noch, die echte Kohle, Sie können Sie selbst mit den Fingernägeln aus der Wand kratzen. In Heisingen, an der alten Güterbahn-Brücke, die den Stadtteil mit Kupferdreh verbindet und 1984 für den Fuß- und Radverkehr geöffnet wurde, müssen Sie mal vom Weg abfahren, in Richtung der Straße Stauseebogen.

Die Geologische Wand hat es in sich – echte Kohle zum Anfassen

Dort wird es leider unschön, es gibt keinen Radweg, die Strecke ist kurvig, doch in der Nähe der abmontierten Kampmannbrücke erschließen sich Fußwege (bitte absteigen) zu einem Naturdenkmal, das es im wahrsten Worte in sich hat: Die „Geologische Wand“.

Hier glitzert die Kohle tatsächlich zwischen den Gesteinsschichten, und zwei Stollenmünder gibt es auch, also ehemalige Eingänge in den Berg hinein, natürlich längst verschlossen, es waren die Kleinst-Zechen „Wasserschnepfe“ und „Voßhegge“. Heute sind sie dekoriert mit alten Loren. Nach beiden Zechen sind übrigens Straßen in Heisingen benannt.

Dies ist die Wiege des Ruhrbergbaus, hier tritt die Kohle bis ans Tageslicht – anschaulicher geht’s wohl kaum. Schade nur, dass die verglasten Erklär-Tafeln deutlich in die Jahre gekommen sind, mal wieder gereinigt werden müssten. In nicht ganz leichtem Fachdeutsch wird die 300 Millionen Jahre alte Entwicklung der Topographie des Ruhrtals dargestellt, und wie Torf unter großem Druck und viel Hitze zu Kohle wurde. Bei allem Respekt vor dem, was ist: Hier könnte mal deutlich nachgebessert werden.

Wir fahren wieder zurück und über die Brücke Richtung Kupferdreh und lassen „Niko’s Biergarten“ links liegen, der im Schatten des Bauwerks mit rustikalem Charme, Flaschenbier und Pommes-Currywurst viele Radler und Wanderer erfreut. Wir radeln das Hardenbergufer entlang, die Südseite des Baldeneysees, und bevor wir Haus Scheppen erreichen, erstreckt sich zur linken Seite ein weiteres Relikt des Bergbaus: eine alte, langgezogene Halde, die von der ehemaligen Fischlaker Zeche Pörtingsiepen stammt.

Wer Kinder hat und in der Gegend zu Hause ist, kennt diese Halde vielleicht als „Fossilienhalde“: Denn tatsächlich ist dies nicht nur ein ausgezeichneter Ort für kurze, vergnügliche Kletterpartien, sondern es gibt hier altes Schiefergestein. Wer Glück hat, findet ein Stück mit einem Abdruck. Nicht umsonst bietet das Kupferdreher „Mineralienmuseum“ Kindergeburtstags-Veranstaltungen an, die an der Fossilienhalde stattfinden.

Honig vom Baldeneysee wird in Düsseldorf als Delikatesse verkauft

Sie dürfte, so viel darf man spekulieren, eine der unbekanntesten Essener Halden sein. Und direkt dahinter gibt es einen kleinen Imker-Betrieb, der „Honig vom Baldeneysee“ verkauft, der als Delikatesse verkauft wird. Sogar in Düsseldorf. Kein Witz.

Wer weiter in Richtung Werden fährt, überquert das Gelände des berühmten Motorradtreffs „Haus Scheppen“, und wieder lohnt sich ein Abstecher, diesmal in Richtung Süden: An der Straße Pörtingsiepen erinnert nur noch eine alte Seilscheibe mit kleiner Gedenktafel an die ehemalige Zeche, die vor knapp 450 Jahren entstand. Vor genau 50 Jahren wurde sie mit „Carl Funke“ unterirdisch verbunden, beide Bergwerke schlossen 1973.

Es gibt noch viel mehr Geschichten zu erzählen als nur die vom Bergbau

Und jetzt? Radeln wir in Richtung Werden, übers Wehr zurück in Richtung Kupferdreh. Die Geschichten vom Bergbau sind damit noch nicht alle erzählt, und es gibt noch so viel mehr zu entdecken: Das bedeutende Vogelschutzgebiet in Heisingen zum Beispiel, wo morgens um fünf schon Ornithologen mit armdicken Tele-Objektiven stehen, um Kormorane beim Nestbau zu fotografieren. Es gibt die traurige Geschichte des Schlosses Baldeney, das seit Jahren nicht aus dem Dornröschenschlaf kommt. Oder eine erfreuliche Geschichte: Am „Seaside Beach“, dem ehemaligen Licht- und Luftbad wird derzeit eine Badestelle eingerichtet. Und es gibt die Hespertalbahn. Und es gibt noch so viel mehr.

Infos und Tipps für Radfahrer am Baldeneysee

>> So kommen Sie hin: Der Baldeneysee ist Bestandteil des Ruhrtal-Radwegs, mit dem Rad zum Beispiel gut erreichbar über die Grugatrasse. Wer mit dem Zug anreisen will, für den bieten sich an die S-Bahn-Haltepunkte Werden (Linie S6), Hügel (S6) oder Kupferdreh (S9).

>> Besonderheiten: Im Falle eines Plattens: Zwei Schlauch-Automaten halten Ersatz bereit, es handelt sich um umgebaute, alte Zigaretten-Automaten. Standorte: Alte Brücke Kupferdreh – Heisingen (Heisinger Seite) und am Regattaturm, Einfahrt Parkplatz.

>> Gastronomie: Viel Licht und Schatten – zu den beliebten Adressen zählen unter anderem große, etablierte Betriebe wie die „Südtiroler Stuben“ ( 472848) auf der Nordseite in der Nähe der Regattastrecke oder neue Läden, die ein eher junges Publikum ansprechen wie das „Gold am See“ (Hardenbergufer, Südseite, 7502090).

>> Regeln: Weite Teile der Strecke rund um den Baldeneysee sind gleichermaßen für Fußgänger und Radverkehr freigegeben. Es gilt das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme. In einzelnen Abschnitten (zum Beispiel am Etuf-Gelände, direkt am Wasser, oder im Bereich des Werdener Wehres) schreiben Schilder eine strikte Trennung von Radfahrern und Fußgängern vor. Dort wird auch regelmäßig kontrolliert.

>> Und sonst: Radtouren am Baldeneysee sind hervorragend kombinierbar mit Fahrten der „Weißen Flotte“ – für Abkürzungen übers Wasser zum Beispiel. Achtung: Manche Hinweisschilder der „Weißen Flotte“, zum Beispiel am Haus Scheppen, sind arg in die Jahre gekommen. Besser vorher online prüfen, ob wirklich ein Schiff fährt – besonders bei unsicherem Wetter.

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