Verkehrs-Planung

OB: Radschnellweg muss dem Eltingviertel Luft lassen

An der Gladbecker Straße wird gegenüber vom neuen Hörsaalzentrum die enorme Breite des Bahndamms deutlich, der nach Ansicht der Stadtplaner so nicht bleiben kann, weil er die Entwicklung des Viertels hemmt.

Foto: FS

An der Gladbecker Straße wird gegenüber vom neuen Hörsaalzentrum die enorme Breite des Bahndamms deutlich, der nach Ansicht der Stadtplaner so nicht bleiben kann, weil er die Entwicklung des Viertels hemmt. Foto: FS

Essen.   Die Stadt ist einverstanden, dass der Bahndamm für den RS1 in abgespeckter Form erhalten bleibt. Der Platz soll für Wohnungsbau genutzt werden.

Der Radschnellweg RS1 wird auf Essener Stadtgebiet so schnell wie möglich weitergebaut. Dies kündigte Oberbürgermeister Thomas Kufen gestern an. Er machte aber auch klar, dass ihm die weitere Entwicklung des Eltingviertels wichtig ist, was die Verkleinerung des übergroßen alten Bahndamms voraussetzt.

Am Vorabend hatte das Umweltministerium auch zu Kufens Überraschung mitgeteilt, dass für den Bau des Trassenstücks vorbei am Chemiebetrieb Evonik-Goldschmidt im Ostviertel nun doch keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich sei. Diese hätte das Projekt erheblich verzögert. Die erforderlichen Rodungsarbeiten sollen noch vor Beginn der Vegetationsperiode starten, wie eine Sprecherin von StraßenNRW erklärte.

Straßen NRW arbeitet sich von Osten kommend vor

Der Landesbetrieb, Bauherr der „Radautobahn“, wird sich 6,7 Kilometer weit von der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen in Richtung Westen vorarbeiten bis zum Eltingviertel nördlich der Friedrich-Ebert-Straße in der Innenstadt. Bis die Bauarbeiten dort angekommen sind, was auch wegen notwendiger Grundstückskäufe noch einige Zeit dauern dürfte, soll auch im Eltingviertel Klarheit über den Flächenbedarf herrschen. In diesem Jahr wird dieser Abschnitt des RS 1 mit Sicherheit nicht fertig, weshalb die Stadt bald eine Ausweichroute über bestehende Radwege ausschildern will.

„Wir wollen den Erfolg des Radschnellweges“, betonte Kufen, verband dies aber mit einem Plädoyer für die städtebauliche Anbindung des Eltingviertels an die City. Der Bau des Radschnellweges biete dafür eine einmalige Chance. Kritik an den Fahrradverbänden, die am Donnerstag vor dem Rathaus demonstrierten, wollte Kufen nicht äußern.

ADFC und Essener Fahrradinitiative werfen SPD und CDU vor, den Weiterbau der Radtrasse verzögert zu haben. Im November 2016 hatte die Koalition die Planungsverwaltung beauftragt, städtebauliche Lösungen für eine Anbindung des Eltingviertels zu erarbeiten. Eine Öffnung des Quartiers durch die Abtragung des Bahndamms der ehemaligen Rheinischen Bahn sei absolut erforderlich, so die Begründung.

Die Planungsverwaltung rückt davon nun ab. Planungsdezernent Hans-Jürgen Best stellte gestern erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor. Ziel sei ein kreuzungsfreier Radschnellweg, so Best. Um die bestehende Trasse, die im Universitätsviertel endet, an das Eltingviertel anzuschließen, solle über die Gladbecker Straße eine Radbrücke gebaut werden. Der RS1 soll dann in fünf bis sechs Metern Höhe auf der Trasse der Rheinischen Bahn weitergeführt werden.

Stadt will Platz schaffen für bis zu 400 Wohnungen

Da der Radschnellweg nur acht Meter breit ist, wollen die Planer den Bahndamm zu großen Teilen abtragen. Das Bauwerk soll am Fuß maximal 30 breit sein; heute sind es bis zu 100 Meter. Flächen, die so nördlich dieser Barriere gewonnen werden, sollen – wie auch der städtische Parkplatz an der Kleinen Stoppenberger Straße – für Neubauten genutzt werden. Laut Best wären bis zu 400 Wohnungen denkbar.

Die Brücke über die Altenessener Straße, laut Kufen „ein dunkles Loch“, soll durch eine optisch ansprechende Querung ersetzt werden, vergleichbar mit der filigranen Radbrücke über die Segerothstraße. Best spricht von einem „symbolischen Tor ins Eltingviertel. Gedankenspiele, den Bahndamm komplett abzutragen und durch einen aufgeständerten Radweg zu ersetzen, haben die Planer verworfen.

Im April soll die Politik abschließend entscheiden. Kufen sieht die Stadt aber nicht unter Zeitdruck. Bis zum Bau der Brücke über die Gladbecker Straße könnten noch Jahre vergehen. Straßen NRW hat die Planungen dafür noch nicht aufgenommen. Eine Sprecherin erklärte, der Landesbetrieb warte die Entscheidung der Stadt ab, wie es im Eltingviertel weitergehen soll.

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