Historischer Radtreff

Radfreunde fahren beim Nostalgie-Treff in Knickerbockern

Essen.  Alte Drahtesel und Kulturerbe: Der Verein „Historische Fahrräder“ lud zur Ausfahrt und zum Teilemarkt. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.

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Fahrradgeschichte wurde auf Zeche Carl lebendig. Zur 21. Velocipediade waren rund 200 Teilnehmer aus Deutschland und Europa an die Ruhr gereist. Bei einer Ausfahrt am 18. August erkundeten sie in stilechten Kostümen auf historischen Drahteseln das Revier.

Kistenweise Lenker, Ledersättel, Flickzeug, Klingeln, Reifen, Schläuche, Ventile und sogar einen elektrisch beleuchteten Richtungsanzeiger mit Namen „Verkehrswächter“ gibt es auf dem großen Teilemarkt an der Maschinenhalle zu entdecken. Ein Mekka für Sammler.

Ein Mekka für Sammler beim Teilemarkt

Mit dem schwarzen Kayser, Baujahr 1928, ist etwa Ivo Böttcher aus

Kaiserslautern da. Am Stand mit Uli Feick aus Berlin ist die größte Rarität eine Öl-Fahrradleuchte aus der Jahrhundertwende, made in USA. 100 Euro will Böttcher dafür. Unverkäuflich ist sein Rad. „Alles original erhalten!“ Es fahre richtig gut und sei zudem kein „boneshaker“ (Knochenschüttler). So nannten Engländer und Amis die frühen „Velocipede“, nur mit Muskelkraft betriebene Landfahrzeuge. Den deutschen Radlerveteranen sei Dank: Sie setzten sich 1885 für die Bezeichnung „Fahrräder“ ein. Der Zungenbrecher verschwand. In Essen erinnert der Verein „Historische Fahrräder“ mit der „Velocipediade“ an alte Zeiten.

Auch auf einem Drahtesel von anno dazumal geht es flott voran. Stephan Klasen aus Kupferdreh, der das dreitägige Spektakel organisiert hat, steigt zur 30-Kilometer-Tour auf ein Opel-Rennrad ZR3 von 1926. „Heute mal ohne Helm“, sagt er. Ohne Rad trifft Thomas Kufen als Schirmherr ein, um die Gäste auf der Zeche zu begrüßen. Die meisten tragen stilechte Kleider aus der Zeit um 1920. Der OB spricht vom „Tag der kurzen Hosen.“ Die Herren in bis zur Wade reichenden Knickerbockern zeigen Bein, während Damen in knöchellangen Röcken, Spitzenblusen und Hütchen Nostalgie versprühen. Wie Ilona Thieme aus Dresden mit dem Rad von 1910, Marke Locomotive aus Paris. Nach dem „Glück auf!“ tritt auch sie kräftig in die Pedale. Über Erzbahntrassen geht es entlang an Emscher und Rhein-Herne-Kanal zur Industriekultur.

Gäste aus ganz Deutschland

Die Geschichte der Region weiß Uwe Trester aus Oberursel zu schätzen. Sein Hobby hat er 2016 zum Beruf gemacht – Antiquitäten und Fahrräder. Circa 60 historische Modelle zählt seine Sammlung. „Das Älteste ist von 1884, ein englisches Hochrad.“ Beim Ausflug bevorzugt er das Sportrad aus den 50ern. Einen Picknickkorb schnallt Vereinskollege Ulli Massury aus Trier auf den Gepäckträger des 1921er Peugeots. Von 1935 ist das ballonbereifte Velo von Seidel & Naumann, mit dem Jan-Peter Zurek aus Düsseldorf mitmacht. Welche Stadt er schöner findet? „Essen, keine Frage“, so der 32-Jährige ohne Zögern. Die Kulisse für die Veranstaltung gefällt ihm sehr.

Was für Zuschauer ein Höhepunkt ist, sehen Kenner kritisch. Das Hochrad

sei immer „etwas für „todesmutige Dandys“ gewesen. Auch Gerhard Eggers aus Leipzig, seit fast 20 Jahren Vereinsvorsitzender, bevorzugt das einfacher zu balancierende „Niederrad“. Es berge viel weniger Verletzungsgefahr. Sein Outfit hat Eggers beim Schneider geordert. Ein Schnäppchen vom Trödel sind die schwarzen Radlerstiefel aus England, 80 bis 100 Jahre alt. Aus der 1950ern stammt das NSU-Polizei-Fiets von Peter-Paul Eisele. Mit 77 nimmt der Oberschwabe auch an der Ausfahrt teil.

Ein Sachse erzählt, die Firma Riemann aus Chemnitz habe viele Jahrzehnte nicht nur Rad-, sondern auch Grubenlampen produziert.

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