Radverkehr

Radfahrverbände fordern eine Nord-Süd-Trasse durch die Stadt

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Rolf Fliß, überreicht Umweltdezernentin Simone Raskob auf der Rüttenscheider Strasse mehr als 1000 Unterschriften für eine Nord-Süd-Fahrradtrasse zwischen Grugatrasse und dem Radschnellweg Ruhr RS 1.

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Rolf Fliß, überreicht Umweltdezernentin Simone Raskob auf der Rüttenscheider Strasse mehr als 1000 Unterschriften für eine Nord-Süd-Fahrradtrasse zwischen Grugatrasse und dem Radschnellweg Ruhr RS 1.

Foto: Stephan Neumann

Essen.   Mehr als 1000 Unterschriften haben Radfahrverbände für eine Nord-Süd-Trasse gesammelt. Die Trassenführung über die „Rü“ birgt Konfliktstoff.

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Die Gelegenheit war günstig: Anlässlich der Baustellenradtour am vergangenen Sonntag nahm Essens Baudezernentin Simone Raskob eine Liste mit rund 1000 Unterschriften entgegen. Die Unterzeichner setzen sich für eine Stärkung des Radverkehrs ein. Konkret regen sie an, die Stadt möge eine Nord-Süd-Fahrradachse einrichten und so den Radschnellweg RS 1 im Norden und die beliebte Grugabahntrasse im Süden miteinander verbinden.

Der Vorschlag geht auf die Rüttenscheider Grünen zurück. Diese wollen die Gunst der Stunde nutzen, plant Essen – vom Bund auserkoren als Modellstadt im Kampf gegen die mit Schadstoffen belastete Luft – doch die Einrichtung von Fahrradstraßen, unter anderem über die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Rüttenscheider Straße.

„Ein paar Fahrradstraßen-Schilder aufstellen – das genügt nicht“

„Mehr Radverkehr auf der Rüttenscheider Straße betrachten wir schon lange als geeignetes Mittel, um die dauerhaft überhöhte Stickoxid-Belastung auf dem parallel verlaufenden Abgas-Hotspot Alfredstraße zu senken“, sagt Ratsherr Rolf Fliß. Der umweltpolitische Sprecher seiner Fraktion mahnt jedoch: Mit dem Aufstellen von Fahrradstraßenschildern sei es nicht getan.

Die Grünen regen vielmehr an, die Rüttenscheider Straße für den Autoverkehr auf der westlichen Seite zur Einbahnstraße zu machen. Die östliche Straßenseite solle die Stadt als Radweg ausweisen, auf dem Radfahrer in beide Richtungen fahren dürfen. Radfahrer, die sich heute nicht auf die enge und viel befahrene Rüttenscheider Straße trauten oder hinter den Autos in Stau und Abgasen ständen, hätten freie Fahrt, so Fliß.

Die Idee ist nicht neu. Und dabei allein soll es nicht bleiben: Auch im weiteren Verlauf der Trasse solle mehr Straßenraum allein Radfahrern vorbehalten bleiben. Gemeint sind die beiden nach Norden führenden Fahrspuren der Huyssenallee. Für den Durchgangsverkehr reiche je eine Spur. Durch die City würde die Nord-Süd-Achse dann vor allem über Einbahnstraßen geführt, die Radfahrern heute bereits in beide Richtungen offen stehen.

Interessengemeinschaft Rüttenscheid lehnt Einbahnstraßenregelung auf der „Rü“ ab

„Dieselfahrverbote können wir am einfachsten verhindern, indem wir das Hauptziel der Grünen Hauptstadt 2017 verwirklichen“, ist Fliß überzeugt: Durch einen ausgewogenen Mix aus Fußgänger-, Fahrrad-, Auto und öffentlichen Nahverkehr von je 25 Prozent. Von diesem selbstgesteckten Ziel ist die Stadt meilenweit entfernt. Letzte Erhebungen zufolge beträgt der Anteil des Radverkehrs in Essen gerade einmal fünf Prozent, der des motorisierten Individualverkehrs 58 Prozent.

Die Grünen gehen davon aus, dass mehr Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, wenn die Verkehrswege für Radfahrer sicherer und komfortabler sind als heute. Nur wenn diese Rechnung aufgeht, würden die Straßen entlastet. Andernfalls dürfte der Autoverkehr auf der hoch belasteten Alfred-Straße wohl noch zunehmen, sollte die Rüttenscheider Straße tatsächlich zur Einbahnstraße werden, wie Fliß einräumt.

Den Straßenraum zulasten des Autoverkehrs zu beschneiden, bleibt umstritten. Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR), die sich auch als Sprachrohr des Einzelhandels versteht, spricht sich klar gegen eine Einbahnstraßen-Regelung auf der „Rü“ aus. Baudezernentin Raskob hält sich mit einer Bewertung zurück. Wohl wissend, dass das Thema konfliktträchtig ist. Pro und Contra seien abzuwägen. Unter gutachterlicher Begleitung strebt die Stadt eine konsensfähige Lösung an, heißt es. Man darf gespannt sein.

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