Theaterpremiere

„Pussy Riots“ im Schauspiel: Schreien gegen Ungerechtigkeit

Mit Sturmhauben bekleidet schreien Katharina Leonore Goebel, Jaëla Carlina Probst und Silvia Weiskopf ihren Protest in „Pussy Riots“ heraus. Foto:Diana Küster

Mit Sturmhauben bekleidet schreien Katharina Leonore Goebel, Jaëla Carlina Probst und Silvia Weiskopf ihren Protest in „Pussy Riots“ heraus. Foto:Diana Küster

Essen.   Mit lauten und leisen Tönen erzählt der dokumentarisch untermauerte Abend „Pussy Riots“ in der Box vom Aufstand einer feministischen Punkband.

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Mit pinken Pussy-Mützen schwappte nach dem Washingtoner Women’s March für Frauen- und Menschenrechte im Januar diesen Jahres eine neue Welle des Feminismus über den großen Teich. Ein passender Zeitpunkt, um an die russische Frauenpunkband Pussy Riot zu erinnern, die seit 2011 in gestrickten Sturmhauben Kopf und Kragen riskierte, um gegen die Kirche, Putins Politik und die damit verbundenen gesellschaftlichen Missstände zu protestieren. Regisseurin Magz Barrawasser und Dramaturg Florian Heller widmeten ihr den Abend „Pussy Riots - Aufstand in drei Akkorden“. Die Uraufführung in der Box des Schauspiels wurde bejubelt.

Der Text der beiden und die Musik von Anke Wisch kreisen um das legendäre 40-sekündige Punkgebet der Band 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, dem eine zweijährige Haftstrafe folgte. In schlaglichtartigen Szenen und Liedern werden ihre feministische Haltung, die Vorbereitung von Aktionen, Begrifflichkeiten sowie die menschenunwürdigen Verhältnisse im Straflager beleuchtet. Biografische Fakten und Fiktion gehen dabei Hand in Hand. Das ist mal laut, mal witzig, mal informativ, aber auch sehr berührend.

In einer Wohnküche (Bühnenbild: Johanna Denzel), in der Aktionskünstler Pjotr Pawlenski mit zugenähtem Mund an der Wand wacht, dürfen vermeintliche Provokationen, unter anderem unzählige Wörter für Vagina, nicht fehlen. Den Schauspielerinnen Jaëla Carlina Probst, Silvia Weiskopf sowie der als Gast engagierten Katharina Leonore Goebel gelingt jedoch weit mehr als ein Aufreger. Allein wie sie die Klaviatur der unterschiedlichen Naturelle und Gefühle blitzschnell bedienen, ist sehenswert. Die herausgeschrienen Punksongs beherrschen sie an Gitarre und Schlagzeug ebenso. Im feinen A-cappella-Gesang überraschen sie geradezu.

Und dann stellen sie eine Frage mit nachhaltigem Effekt: „Was würde dich dazu bringen, deinen Kaffee stehen zu lassen und auf die Straße zu gehen?“ Russland ist weit weg, die Zustände sind nicht zu vergleichen. Wir können unsere Meinung äußern, unsere Freiheit ist nicht bedroht, zuckt es einem durch den Kopf. Falls einem gar keine Ungerechtigkeit in Deutschland einfallen will, hilft das Trio nach und ruft ins Gedächtnis, dass es auch bei uns keine absolute Gleichberechtigung gibt. So existiert immer noch ein gravierendes Lohngefälle. Frauen verdienen hierzulande im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Das wäre ein Grund zu protestieren. Man könnte aber auch erst ins Theater gehen und sich von einer Geschichte über mutige Frauen inspirieren lassen.

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