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Prozess um Gruppenvergewaltigungen: "Sie hatten keine Angst"

Die Anklagebank bei Prozessbeginn Mitte Juli: Fünf junge Männer sollen mehrere Schülerinnen vergewaltigt haben.

Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Anklagebank bei Prozessbeginn Mitte Juli: Fünf junge Männer sollen mehrere Schülerinnen vergewaltigt haben.

Essen/Gelsenkirchen.  Am zweiten Prozesstag um angebliche Gruppenvergewaltigungen in Essen redet sich ein Angeklagter raus: Von Gewalt habe er nichts mitbekommen.

Im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung hat der zweite der fünf Angeklagten jegliche Gewalt bestritten. Die Schülerinnen seien mit den sexuellen Handlungen einverstanden gewesen, sagt er, Druck sei auf sie nicht ausgeübt worden. Gianni H. (19): „Wenn die Angst gehabt hätten, Herr Vorsitzender, hätte ich das doch nicht gemacht.“

Den 17 bis 24 Jahre alten Männern aus Essen und Gelsenkirchen wird vor der Jugendkammer am Landgericht Essen vorgeworfen, gezielt junge Frauen in ihr Auto gelockt und sie an entlegenen Plätzen zum Sex mit bis zu vier der Angeklagten gezwungen zu haben. Sie sollen dabei die ausweglose Lage der 16 Jahre alten Schülerinnen ausgenutzt und ihnen das Handy abgenommen haben.

„Wenn die Angst gehabt hätten, Herr Vorsitzender, hätte ich das doch nicht gemacht.“

Gianni H. weist dies am zweiten Prozesstag zurück. Während sein Mitangeklagter Joshua E. (20) am ersten Prozesstag einen Zwang eingeräumt hatte und nur für sich selbst in Anspruch genommen hatte, dass die Mädchen ihn auch attraktiv gefunden hätten, will Gianni H. von Gewalt nichts mitbekommen haben.

Dass sie bei WhatsApp die Gruppen „Spinnen GE“ und „Scorpions MC 1%“ eingerichtet hätten, um sich mit zum Teil menschenverachtenden Worten über die Mädchen auszutauschen? Das stimme nicht, sagt Gianni H. Er selbst habe die Gruppen gegründet. Sie seien wichtig gewesen, um sich zum Dart- oder Billardspielen zu verabreden. „Spinnen GE“ spiele darauf an, dass „wir alle dünn sind“. Und Scorpions beschreibe einen „coolen Typen“.

Mit den Mädchen seien sie zum Teil bekannt gewesen, einige hätten auch schon länger was mit einer der Schülerinnen gehabt. Aus gemeinsamen Treffen hätten sich dann sexuelle Handlungen entwickelt. Druck sei nicht nötig gewesen. Dass sie einmal mit mehreren in ein Bochumer Hotel gefahren seien, habe an einem der Mädchen gelegen: „Der war es im Auto zu eng.“

Ein „Nein“ hätte er natürlich respektiert, sagt der Angeklagte

Er habe auch immer gefragt, ob das Mädchen denn auch wirklich wolle. Ein „Nein“ hätte er natürlich respektiert, sagt er.

Richter Volker Uhlenbrock zweifelt manche der Äußerungen an. Ob die Mädchen das vielleicht doch als Druck empfunden hätten, wenn „eine Gruppe von Männern nachts in einem abseitigen Gebiet“ von Sex sprach. Nein, das sieht Gianni H. anders.

Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Uhlenbrock und ihm gibt es noch in einem anderen Punkt. Gianni H. betont, dass er die Mädchen mehrmals nach ihrem Einverständnis gefragt habe. Vor allem, wenn sie zunächst ablehnten. Uhlenbrock scheint das schon als Druck zu empfinden. Der Angeklagte hätte doch nach dem ersten Nein schon aufhören können mit seiner Fragerei. Gianni H. meint dagegen das Ergebnis: „Am Ende hat sie doch Ja gesagt.“

Verteidiger will Mädchen mit Video belasten

Sein Verteidiger Wolfgang Küpper-Fahrenberg verspricht neue Beweismittel. Nach eigenen Worten war er mit der Mitverteidigerin Regina Klose im Hotel. Dort existierten noch Videoaufzeichnungen, die deutlich zeigten, dass die Schülerin sich frei im Kreis der Angeklagten an der Rezeption bewegt habe und keineswegs gezwungen wirkte. Diese Aufzeichnungen wolle das Bochumer Hotel, das laut Anklage Schauplatz einer der Vergewaltigungen war, dem Gericht zur Verfügung stellen.

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