Prozess

Prozess um Gruppenvergewaltigungen: "Ich fand das eklig"

Dritter Tag im Prozess gegen fünf junge Männer, die mehrere Schülerinnen vergewaltigt haben sollen.

Dritter Tag im Prozess gegen fünf junge Männer, die mehrere Schülerinnen vergewaltigt haben sollen.

Foto: Marcel Kusch/dpa

Essen/Gelsenkirchen.  Im Prozess um mehrere Gruppenvergewaltigungen haben jetzt die letzten Angeklagten ausgesagt. Auch sie bestreiten, sich falsch verhalten zu haben.

Im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung bleibt den betroffenen Schülerinnen eine detaillierte Aussage vor der V. Essener Jugendstrafkammer nicht erspart. Am Montag nahmen auch die letzten beiden Angeklagten Stellung zu den Vorwürfen der Anklage und bestritten zum Großteil ein persönliches Fehlverhalten. Es hab zwar einen gewissen Druck der anderen auf die Mädchen gegeben, sagen sie, aber man selbst habe niemanden zum Sex gezwungen.

"Gewisser Druck auf die Mädchen, aber nicht zum Sex gezwungen"

Den fünf jungen Männern aus Gelsenkirchen und Essen wird von Staatsanwältin Rebecca Henrich vorgeworfen, in sieben Fällen 16 Jahre alte Schülerinnen, mit denen sie mehr oder weniger eng befreundet waren, ins Auto gelockt zu haben. Sie seien dann in abgelegene Waldgebiete vor allem in Essen gefahren und hätten ihnen die Handys unter einem Vorwand abgenommen. Mit der Drohung, sie auszusetzen, hätten die fünf in wechselnder Beteiligung dann sexuelle Handlungen verlangt. In einigen Fällen bekamen sie, was sie wollten, in anderen nicht.

Geständnisse im Sinne der Anklage sind es nicht, die die Prozessbeteiligten seit mehreren Tagen hören. Am Montag sagte Dean Martin L. (18) aus. Er gilt als Lockvogel der Gruppe, nach ihm war Anfang des Jahres öffentlich gefahndet worden. Er stellt gleich klar, dass er gar nicht zu den WhatsApp-Gruppen „Spinnen GE“ und "Scorpions MC 1%“ gehört habe. Laut Anklage wurden über diese Chats Verabredungen zur Gruppenvergewaltigung getroffen. Dean L.: „Für mich war da nie etwas geplant.“

Angeklagter: „Ich fand das eklig und wollte nicht.“

Er schildert, dass es manchen der Mädchen nicht gefallen habe, mit so vielen Sex gehabt zu haben und sie sich unwohl fühlten. Ihm selbst sei es aber im Einzelfall nicht anders gegangen: „Ich fand das eklig und wollte nicht.“ Eines der Mädchen habe ihn trotzdem befriedigen wollen, er habe aber „nach 20 Sekunden“ abgewehrt und gesagt, es solle aufhören.

Richter Volker Uhlenbrock hält ihm vor, dass ja schon hinter der Fahrt in abgelegene Waldgebiete ein Plan stecken könne. Das sieht Dean L. anders: „Ich bin mit Mädchen oft zu abgelegenen Waldgebieten gefahren. Aber das war immer einvernehmlich. Dafür fährt man ja auch nicht an eine Hauptstraße.“ Auch im vorliegenden Fall erzählt er, es habe einmal einen Geschlechtsverkehr „mit mir auf Wunsch des Mädchens gegeben“.

Der jüngste Angeklagte, ein 17-Jähriger, hatte bereits an einem Vortag ausgesagt und muss sich zahlreiche Nachfragen des Gerichtes gefallen lassen. Er ist wegen seiner Jugend als einziger aus der Gruppe auf freiem Fuß. Am Montag kommt er sogar im Schalke-Trikot ins Gericht. Er räumt ein, dass „einfach nicht gut war, was wir getan haben. Ich hatte auch ein schlechtes Bauchgefühl.“ Er muss vor allem den von seinem Mitangeklagten Nuri E. (20) erzeugten Eindruck abwehren, er sei „der Boss“ gewesen und habe den anderen Anweisungen gegeben. Im Gegenzug belastet er den 20-Jährigen als Chef.

Nicht alle Fragen des Richter verstanden

Manches scheitert auch daran, dass er Fragen des Vorsitzenden Volker Uhlenbrock nicht versteht. Seine Anwälte Jenny Lederer und Roland Rautenberger bitten den Richter deshalb um einfachere Formulierungen.

Obwohl die Angeklagten persönlich kaum etwas gemacht haben wollen, bietet ein Teil von ihnen Entschuldigungen und sogar Schmerzensgeld für die Schülerinnen an. Am 4. September wird der Prozess fortgesetzt.

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