Theater und Politik

Premiere für „Pussy Riots“: Auftritt der Aufständischen

Erzählen mit „Pussy Riots“ eine Geschichte zwischen Kirchenkanzel und Straflager: Regisseurin Magz Barrawasser und Dramaturg Florian Heller. Foto:Knut Vahlensieck

Erzählen mit „Pussy Riots“ eine Geschichte zwischen Kirchenkanzel und Straflager: Regisseurin Magz Barrawasser und Dramaturg Florian Heller. Foto:Knut Vahlensieck

Essen.   Für die Uraufführung von „Pussy Riots“ verwandeln sich drei Grillo-Schauspielerinnen in eine Punk-Band. Stück erinnert an drastischen Putin-Protest.

Sie trugen bunte Wollmasken, als sie im Februar 2012 die Kanzel der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche stürmten. Mit ihrem Punk-Gebet gegen Präsident Wladimir Putin erreichten die Aktivistinnen von Pussy Riot damals nicht nur die Gottesmutter. Das Video der Protestaktion ging um die Welt. Monatelang wurde über den umstrittenen Prozess gegen drei der jungen Frauen berichtet. Das skandalöse Urteil, zwei der Musikerinnen wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ ins Straflager zu schicken, löste weltweiten Protest und Solidaritätsaktionen aus. Fünf Jahre später sind Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch Ikonen des Widerstands, die in Talk-Runden, auf Pressekonferenzen, aber auch in Songs weiter gegen Putin und Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land Stellung nehmen.

Ein Wäschekorb voller Bücher als Vorbereitung

In der Box des Schauspiel Essen sind sie nun Hauptfiguren eines Theaterstücks, das nicht nur die Geschichte der Kirchen- und Kreml-kritischen Band erzählt, sondern auch das Publikum darüber nachdenken lassen möchte, wann es an der Zeit ist, Position zu beziehen, auf die Straße zu gehen.

Für Regisseurin Magz Barrawasser, die in dieser Spielzeit als Regieassistentin ans Essener Schauspiel-Haus gekommen ist und mit der Stückentwicklung eines vorausgegangenen „Freischuss“-Abends zum Thema betraut wurde, ist „Pussy Riots“ ein Glücksfall, „ein Jackpot“, sagt die 33-Jährige. Schließlich sei da immer auch der „Wunsch, mit Kunst auf Missstände hinzuweisen und Aussagen zu treffen“. Dafür hat sie zunächst einen ganzen Wäschekorb voller Bücher gewälzt, „von der Bibel bis zur aktuellen postfeministischen Literatur“.

Ein Thema, das der gebürtigen Mönchengladbacherin ohnehin vertraut und nah ist. „Der Feminismus wurde mir in die Wiege gelegt“, erklärt die 33-Jährige, die in einem Haushalt mit vier Schwestern aufgewachsen ist Diese Frauen-Power soll nun auch das Ensemble mit Silvia Weiskopf, Jaëla Carlina Probst und Katharina Leonore Goebel auf die Bühne bringen. Die Herausforderung sei dabei zunächst einmal gewesen, „aus drei Schauspielerinnen eine Punk-Band zu formen“, erklärt Dramaturg Florian Heller, der die Textfassung zusammen mit Magz Barrawasser geschrieben hat.

Die drei Schauspielerinnen wechseln nicht nur regelmäßig die Instrumente und die Rollen, sondern singen natürlich auch eigene Songs, die mal „von der Bibel, mal vom Protest der spanischen Franco-Gegner“ inspiriert worden sind, so Barrawasser. Auch die Frauen der RAF kommen schon mal zu Wort und sorgen für eine „Erweiterung des erzählerischen Blickwinkels“, sagt Heller, denn das Stück soll kein reiner Russland-Abend sein. So ist aus „Pussy Riot“ in Essen denn auch im Plural „Pussy Riots“ geworden. Ein „Aufstand in drei Akkorden“, der mehr als die Geschichte eines Protest-Songs erzählen will. In Essen hat er ein thematisch weit gefasstes Nachspiel.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik