Vereinsverbot

Polizei Essen übergibt „Osmanen“-Boss die Seehofer-Verfügung

Immer wieder fühlte die Polizei unterstützt von Spezialeinheiten Mitgliedern der „Osmanen Germania“ auf den Zahn. Mehrere Wohnungen wie hier bei einem Einsatz im Frühjahr 2016 in Frohnhausen wurden durchsucht. Foto:KDF-TV

Immer wieder fühlte die Polizei unterstützt von Spezialeinheiten Mitgliedern der „Osmanen Germania“ auf den Zahn. Mehrere Wohnungen wie hier bei einem Einsatz im Frühjahr 2016 in Frohnhausen wurden durchsucht. Foto:KDF-TV

Essen.   Das Verbot der kriminellen rockerähnlichen Gruppierung ging in Essen lautlos über die Bühne. Stadt galt zwischenzeitlich als „Osmanen“-Hochburg.

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Keine Razzia, keine Durchsuchungen, keine Festnahmen: Das bundesweite Verbot der kriminellen rockerähnlichen Organisation „Osmanen Germania“ am Dienstagmorgen durch den Innenminister ging in Essen geräuschlos über die Bühne. Polizisten suchten eine einzige nicht genannte Privatanschrift auf und überreichten dem Präsidenten des örtlichen Chapters eine entsprechende Verfügung. Ein kurzer Hinweis an den Rocker, dass seine Organisation ab sofort eine illegale ist, folgte. Das war’s.

So fand die landesweit größte Vereinigung des selbsternannten Box-Clubs mit türkisch-nationalistischer Gesinnung, die in der Stadt zwischenzeitlich für Unsicherheit und mehrere Einsätze der Behörden gesorgt hatte, ein ziemlich unspektakuläres Ende.

Essen galt immerhin als Hochburg der „Osmanen“: Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes, wurden rund 40 der etwa 150 bekannten Mitglieder der Organisation in Nordrhein-Westfalen dem Essener Chapter zugerechnet. Es war der massivste lokale Zusammenschluss der Türken-Gang im Land. Zum Vergleich: In Gelsenkirchen zählten die Behörden nur 20 Aktivisten, in Köln und Wuppertal gerade einmal 16.

Die „Osmanen“ hatten kein Clubheim in Essen

Nicht alle Mitglieder der Essener „Osmanen“ allerdings hatten ihren Wohnsitz in dieser Stadt, wurden aber sehr wohl dem Umfeld der örtlichen Organisation zugerechnet. Die Gruppierung betrieb kein eigenes Clubheim, traf sich vielmehr in Cafés und Shisha-Bars, wie zu Ostern 2016.

Nachdem die Kuttenträger bei einer Inthronisation eines Clubpräsidenten und einer Geburtstagsfeier in einer Bar an der Mülheimer Straße durchaus furchteinflößend aufgetreten waren, beobachteten viele Frohnhauser die martialisch wirkende Präsenz der Rocker mit zunehmender Sorge.

Auch die Polizei warf ein Auge auf das Treiben und setzte mit mehreren Razzien nach, an denen auch Spezialeinheiten beteiligt waren, konnte eine Bluttat aber nicht verhindern: Im Mai des vergangenen Jahres stach ein Mitglied der Rockertruppe „Hell’s Angels“ auf der Mülheimer Straße auf einen 40 Jahre alten „Osmanen“ ein. Die Polizei vermutete einen Streit im Rockermilieu als Grund für die gewaltsame Auseinandersetzung und ermittelte einen 27-jährigen Essener als Messerstecher.

Mission erfüllt – vier Monate nach der Großrazzia

Kurz danach tauchte der mit Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung Gesuchte ab und in der Szene herrschte fortan Ruhe. Doch die Polizei setzte nach: Im März dieses Jahres gingen Beamte unterstützt von Spezialeinheiten unter der Federführung der Essener Polizei in 20 Städten gegen die Rocker vor, stellten Drogen sowie Waffen sicher und bündelten wichtige Erkenntnisse. „Ziel ist es, die Strukturen aufzuhellen, um irgendwann mal zu einem Vereinsverbot zu kommen“, sagte Polizeisprecher Ulrich Faßbender kurz nach der Großrazzia. Nur vier Monate später heißt es: Mission erfüllt.

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