Null-Toleranz-Strategie

Polizei Essen: Der Kontrolldruck macht die Clans aggressiv

Mal mit der Einsatzhundertschaft, mal mit einer Streifenwagenbesatzung oder auch mit Zivilkräften: Die Null-Toleranz-Strategie in der Essener Innenstadt ist mal mehr oder weniger auffällig. Foto: Kokoska

Mal mit der Einsatzhundertschaft, mal mit einer Streifenwagenbesatzung oder auch mit Zivilkräften: Die Null-Toleranz-Strategie in der Essener Innenstadt ist mal mehr oder weniger auffällig. Foto: Kokoska

Essen.   Die Polizei sieht einen Zusammenhang zwischen ihrer Null-Toleranz-Strategie und dem Gewaltausbruch gegen Beamte in einer Shisha-Bar. Das erste Ladenlokale in der Nord-City ist dicht.

Die einen weichen aus, die anderen schlagen zurück: Unter dem ständigen Kontrolldruck der Behörden sehen die Familien-Clans in der nördlichen Essener Innenstadt offenbar nur noch zwei Auswege. Entweder sie geben ihre Geschäfte auf oder sie werden gewalttätig wie die libanesisch-stämmigen Männer, die eine Polizistin und deren Kollegen vor einer Woche bei einer Routinekontrolle angegriffen und verletzt haben.

Es war eine Reaktion, die den Behörden offenbar zeigt: Da fühlt sich jemand in die Enge gedrängt. „Wir merken an der Aggressivität, die uns entgegenschlägt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Mit diesen Worten hat Polizeipräsident Frank Richter in dieser Woche in einem Interview bei „Stern TV“ die Wirkung der Null-Toleranz-Strategie mehrerer Behörden gegen kriminelle Umtriebe in Essen beschrieben.

In großer Runde das weitere Vorgehen beraten

Dass der Behördenleiter damit durchaus ausdrücken wollte, der Gewaltausbruch vor einer Woche bei einer Routinekontrolle in der Buddy Bar am Kopstadtplatz auf eine Polizistin (26) und deren Kollegen (27) sei eine Konsequenz der Politik der Nadelstiche, bestätigte Polizeisprecher Ulrich Faßbender am Freitag gegenüber dieser Zeitung: „Selbst bei nichtigen Anlässen werden Beamte beleidigt, bespuckt oder bedroht.“

Das Präsidium werde seine „unberechenbare Taktik“, mal mit einer Streifenwagenbesatzung, mal mit einer Einsatzhundertschaft vorstellig zu werden, aber unverändert fortsetzen. Noch am Freitag habe man sich bei der Stadt in großer Runde getroffen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Das bisherige jedenfalls zeigt bereits Wirkung, ist Faßbender überzeugt: Einige Läden der Familien, die in der nördlichen Innenstadt im Fokus stehen, seien bereits geschlossen worden, nachdem die Polizei, die Finanzbehörden, das Ordnungsamt und der Zoll im Frühjahr zur ersten gemeinsamen Großrazzia ausgeholt hatten.

Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung

Dabei handelt es sich um „Dönerbuden, Friseurgeschäfte oder Shisha-Bars, die entweder aufgegeben oder verlagert wurden“, sagt der Polizeisprecher: „Wir pfuschen denen in ihre Geschäfte rein.“ Und dass die Maßnahmen wehtun, „da sind wir uns relativ sicher“. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien sehr positiv: „Es melden sich zunehmend Hinweisgeber. Die Bereitschaft, aus der Mitte der Gesellschaft mitzuarbeiten, nimmt deutlich zu“, weiß Faßbender.

Binnen eines Monats kam die Polizei bei ihren Kontrollen auf 20 Festnahmen, in den meisten Fällen lag bereits ein Haftbefehl vor. Dazu kamen 60 Strafanzeigen in der Hauptsache wegen Drogendelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, Fahrens ohne Führerschein oder des Verdachts eines illegalen Aufenthalts. 300 Ordnungswidrigkeiten wurden aktenkundig. Insgesamt überprüfte die Polizei 1250 Personen, stellte bei 230 Durchsuchungen 50 „Gegenstände“ sicher: Waffen, Drogen, Autos und geschmuggelten Tabak. Dazu kamen über 1300 Verwarnungsgelder.

Innenminister besuchte den Tatort Buddy Bar

Der NRW-Innenminister nutzte den Essener Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Spezialeinheiten am Donnerstag zu einer Visite am Tatort Kopstadtplatz. Herbert Reul (CDU) habe Kontakt mit den beiden verletzten Beamten aufgenommen, hieß es. Die verletzte 26-jährige Polizistin sei wieder dienstfähig und wolle wie ihr Kollege auch weiter in der Polizeiinspektion Mitte ihren Dienst versehen. Alle Angreifer sind inzwischen identifiziert, so die Polizei.

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