Sportstätten

Politik bringt Ausbau des Uhlenkrug-Stadions auf den Weg

Das Stadion am Uhlenkrug soll modernisiert werden.

Das Stadion am Uhlenkrug soll modernisiert werden.

Foto: Foto: Michael GoHL

ESSEN.  Die Stadt soll bis September Pläne für den Ausbau des Uhlenkrug-Stadions vorlegen. Einige in der Politik verspüren dabei Bauchschmerzen.

Auf Antrag von SPD und CDU hat der Sportausschuss des Stadtrates am Dienstag die Modernisierung des Stadions am Uhlenkrug auf den Weg gebracht. Grüne und FDP stimmten dagegen. Vertreter beider Ratsfraktionen betonten, dass es sich bei dem Beschluss lediglich um einen Prüfauftrag an die Verwaltung handelt. Diese soll der Politik bis September zwei Varianten für einen Ausbau präsentieren: eine, die den Ansprüchen der Regionalliga genügen würde und eine zweite, vergleichsweise abgespeckte Version. Zum Schwur dürfte es kommen, wenn konkrete Schätzungen über die zu erwartenden Kosten vorliegen. In Rede stehen bis zu zehn Millionen Euro.

Hiltrud Schmutzler-Jäger, Sprecherin der Grünen, meldete für ihre Fraktion erhebliche Bedenken an und verwies auf jüngste Medienberichte über den am Uhlenkrug heimischen ETB Schwarz-Weiß Essen: Zu lesen stand, dass Spielergehälter mit erheblicher Verspätung gezahlt wurden. Eine Jahreshauptversammlung, auf der der Vorstand Rechenschaft über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Clubs offen legen muss, lasse seit fast zwei Jahren auf sich warten. Ein ominöser türkischer Investor sei in letzter Minute doch wieder abgesprungen.

In Reihen der Politik zweifelt man an der Zukunftsfähigkeit des ETB Schwarz-Weiß Essen

In Reihen der Politik sind das Gründe genug, um an der Zukunftsfähigkeit des Traditionsvereins zu zweifeln. Zumal sich Vertreter des ETB in der Vergangenheit in gemeinsamen Gesprächen „nicht gerade konstruktiv verhalten“. Ein Teilnehmer formulierte es nach einem Treffen beim ETB einmal so: „Die tun so, als wären sie Real Madrid.“

Grünen-Sprecherin Schmutzler-Jäger zeigte sich verwundert über den Vorstoß von SPD und CDU für einen Ausbau des Uhlenkrug-Stadions: Es ist doch eher selten, dass ein Verein, der so auf der Kippe steht, so bevorzugt wird.“ In den Beschlussvorlagen muss man mehr als zehn Jahre zurückblättern: 2008 fasste der Rat den Grundsatzbeschluss zum Bau eines neuen Stadions an der Hafenstraße – und hielt daran fest, als Rot-Weiss Essen zwei Jahre danach in die Insolvenz schlitterte.

Ein Ausbau des Stadions am Uhlenkrug soll nicht nur dem ETB Schwarz-Weiß zugute kommen, der aktuell in der Oberliga gegen den Abstieg spielt. Die Sportfreunde 07 sollen auf der Sportanlage am Uhlenkrug einen eigenen Kunstrasenplatz mit Umkleide- und Funktionsräumen erhalten. Ihren angestammten Platz an der Veronikastraße in Rüttenscheid sollen sie dafür aufgeben. Auch der Rüttenscheider SC im nahe gelegenen Walpurgistal soll profitieren und auf seiner Anlage einen Kunstrasenplatz bekommen. „Wir wollen mit unserem Antrag etwas für die Sportfreunde 07 und den RSC tun“, gab SPD-Ratsherr Rainer Marschan die vorrangige Motivation seiner Fraktion wieder.

Ob ein Fußballverein durch einen Kunstrasenplatz neue Jugendmannschaften gewinnt, ist umstritten

Von der so genannten 2:1-Lösung würde die Politik in diesem Fall abrücken, kritisierte Jürgen Klein für die FDP. Ist es doch bislang geübte Praxis, dass eine Sportanlage modernisiert wird, wenn sich diese zwei Vereine teilen; eine veraltete Anlage kann dann aufgegeben werden. Der Rüttenscheider SC bliebe auf seinem angestammten Platz. Falls Bedarf besteht, sollen aber auch Mannschaften der beiden anderen Clubs auf dem Platz im Walpurgistal trainieren können.

Der RSC war in der jüngeren Vergangenheit insbesondere durch Kanalarbeiten der Stadtwerke gebeutelt, die Sportanlage war nur über über Umwege zu erreichen. Der Verein büßte in dieser Zeit das Gros seiner Jugendmannschaften ein. Herbert Bußfeld (Linke) bezweifelte, dass der RSC durch einen Kunstrasenplatz zu alter Stärke zurückfinden wird. „Heute baut kein Verein mehr eine Jugendabteilung auf. Auch nicht mit einem Kunstrasenplatz“, zeigte sich Bußfeld überzeugt. Kinder und Jugendliche stimmten mit den Füßen. So seien im Fußballkreis Essen seit August vergangenen Jahres insgesamt 50 Jugendmannschaften abgemeldet worden. Nun wird erstmal geprüft.

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