Konzert

Philharmonie Essen: Sänger Max Raabe sorgt für Glücksgefühle

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„Guten Tag, liebes Glück.“ Max Raabe und das Palastorchester sorgen in der Essener Philharmonie für gute Stimmung.

„Guten Tag, liebes Glück.“ Max Raabe und das Palastorchester sorgen in der Essener Philharmonie für gute Stimmung.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Essen.  Umjubelter Auftritt von Max Raabe und dem Palastorchester in der Essener Philharmonie. Wie der „schöne Gigolo“ und Alexa in ein Programm passen.

Ein Abend mit Max Raabe wird in diesen Tagen zur doppelten Zeitreise. Es geht nicht nur zurück in die Zeit von beschwingter Unterhaltungskunst und vollendeter Galanterie. Manchem Zuhörer scheint es an diesem Abend auch Lichtjahre her, dass da einer so unbeschwert von der Liebe singt, fröhlich pfeifend durch den Park schlendert und einfach mal wieder leichtfüßig beschließt: „Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein.“

„Guten Tag, liebes Glück“ sagt Max Raabe in der Essener Philharmonie

Das Publikum in der Essener Philharmonie schien jedenfalls nur darauf gewartet zu haben, dass da endlich mal wieder jemand sagt: „Guten Tag, liebes Glück!“ Das gleichnamige Programm sorgte für Begeisterungsstürme und ein euphorisch gestimmtes Publikum, das den Schellack-Charmeur und seine famosen Musiker erst nach drei lautstark geforderten Zugaben entließ.

Vor etlichen Monaten hätte man sich eigentlich schon am immergrünen Repertoire von Max Raabe und seinem Palast Orchester erfreuen wollen, geplant war der Auftritt noch im Essener Colosseum. Die einstige Musicalbühne ist als Konzertort mittlerweile Geschichte. Dafür übernahm Corona im Kulturleben allzu lange die Regie. Nach zahllosen Terminverschiebungen war Max Raabe nun einer der ersten, der nachgeholt hat, was sich viele offenbar wieder ersehnen: Livemusik mit Schmelz und Charme, zwei Stunden Sorglosigkeit und Songs, die „von Liebe, Leidenschaft und Topfpflanzen“ handeln, so die Moderation des Vokalkünstlers. So berauschen die Evergreens einstiger Tonkünstler von Peter Kreuder bis Fritz Rotter gleich zwei Abend die bemerkenswert gut besuchte Essener Philharmonie.

Max Raabe singt in Essen von „Liebe, Leidenschaft und Topfpflanzen“

Dort ist der erste Song gleich Programm: „Ich hör so gern Musik“. Mehr als pausenlose 90 Minuten dauert die heitere Schlagerrallye durch vergangene Jahrzehnte, die zwischen Schellack-Glanz und Youtube-Zeit ihren ganz eigenen Kurs findet. Da schwebt das Publikum eben noch im Geiste mit dem „schönen Gigolo“ übers Parkett, um von Max Raabe gleich darauf die Vorteile des Fahrradfahrens vorgeführt zu bekommen. Die Mixtur aus Evergreens der 1920er und 30er Jahre, gepaart mit eigenen Raabe-Songs, lässt keine Langeweile aufkommen. „Du hast Glück, bei den Frau’n Bel Ami“, weiß der Schlagerkenner, um kurz darauf die schmissige Vorfreude zu teilen auf ein „Wochenend und Sonnenschein“.

Dass Raabe diese nostalgische Bad in vertrauten Klängen in seinen knappen, immer pointierten Moderationen mit Gegenwarts-Phänomenen wie der digitalen Sprachassistentin „Alexa“ oder aus dem Takt geratenen Bahn-Fahrplänen zu verbinden weiß, ist eine Gabe, die dem schmalen Bariton-Schlacks wohl eine seit nunmehr 30 Jahren ungebrochene Beliebtheit beschert.

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Neben dem Sprachwitz, der in diesem kerzengeraden Paradekünstler mit Fliege und Einstecktuch steckt, sind es natürlich die perfekten Arrangements und die unnachahmliche Vokalkunst, die die ungebrochene Popularität des Sängers ausmacht. Aber so ein Star mit Noblesse wie Max Raabe teilt natürlich Glück und Erfolg mit seiner Begleitband. Jeder einzelne Musiker wird formvollendet mit „Herr“ und Name vorgestellt, während die wunderbare Geigerin nicht „Frau Cecilia Crisafulli“ ist, sondern die fabelhafte Violinistin.

An diesem nostalgischen Abend kennt das Schlageruniversum ohnehin noch keine Gendersternchen. Und wenn die Zeitreise nach dem unverwüstlichen „grünen Kaktus“ als Zugabe dann doch zu Ende geht, spricht so mancher im Saal Raabes obligaten Abschiedssatz mit: „Niemand bedauert das mehr als wir.“

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