Krebs-Benefizaktion

Pferde schenken Lukas Kraft für den Kampf gegen Krebs

Lukas Pauly (18) aus Essen hat trotz seiner schweren Krebserkrankung das Lachen nicht verlernt. Sein Pferd Barinja (l.) schenkt ihm viel Kraft.

Lukas Pauly (18) aus Essen hat trotz seiner schweren Krebserkrankung das Lachen nicht verlernt. Sein Pferd Barinja (l.) schenkt ihm viel Kraft.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Lukas (18) leidet an einer seltenen Krebsart. Essener will mit einer Benefizaktion etwas hinterlassen. In der Hauptrolle: seine geliebten Pferde.

Das Abi in der Tasche, die Zusage für einen Ausbildungsplatz bei der Bank ebenfalls, und die Formkurve beim Springreiten zeigte steil nach oben. Alles sah perfekt aus im Leben von Lukas Pauly. Bis eine niederschmetternde Diagnose sämtliche Pläne zerschoss. Mit aller Energie kämpft der heute 18-Jährige seitdem gegen eine gefährliche Krebserkrankung. Am Mittwoch, 2. Oktober, steht er hinter der Benefizveranstaltung „Reiten gegen den Krebs“. Pferde haben dem jungen Essener in besonders schweren Stunden Kraft geschenkt.

„Die Tiere haben mir sehr geholfen. Ich war fast täglich im Stall. Als meine Werte schlecht waren, auch mit Mundschutz“, sagt Lukas. „Im Stall konnte ich gut vergessen.“ Und es gab einiges, das er gerne ausgelöscht hätte. Vor allem im Frühsommer 2018, „da gab es drei Wochen lang fast täglich schlechte Nachrichten“. Alles begann mit unerträglichen Schmerzen an den Nieren während einer Abifahrt auf Mallorca. Ein Sarkom, Weichteil-Krebs. Nach und nach wurde das Ausmaß klar: Es handelte sich um eine sehr seltene Form, und der Krebs hatte großflächig gestreut. Eine genaue Prognose wollten die Ärzte lieber nicht abgeben.

Lukas möchte der Universitäts-Kinderklinik Essen etwas zurückgeben

„Der Krebs wurde bei mir durch einen Gendefekt ausgelöst“, sagt Lukas. 15 Kilo hatte er abgenommen und seine Haare verloren. Zurzeit geht es ihm ganz gut, Chemo- und Protonentherapie haben Erfolge gezeigt, und doch muss er jederzeit damit rechnen, dass es einen Rückfall gibt. Umso bemerkenswerter ist sein Erscheinungsbild. Er lacht viel, stellt sich als eloquenter Gesprächspartner heraus, der nicht nur bei Pferden, sondern auch bei Menschen den richtigen Ton trifft. „Die Krankheit hat ihn erwachsener gemacht“, findet seine Mutter Tanja Böttcher-Pauly.

Und auch vorausschauender. Nach einem Jahr, das vom Kampf gegen den Krebs bestimmt wurde, hat Lukas seine Ausbildungspläne über den Haufen geworfen und sich für ein Studium entschieden. Medizin. Im Oktober geht es los. Über einen Härtefallantrag hat er sofort eine Zusage für die Uni Duisburg-Essen bekommen. Sein Pflegepraktikum möchte er gerne auf der Station der Uni-Kinderklinik machen, auf der er lange Zeit ein- und ausgegangen ist. Weil er etwas zurückgeben möchte. Seine Mutter ist gerührt, als sie das hört. Sie wusste es noch nicht.

Die Chancen, an diesem Krebs zu erkranken, stehen bei 1:1.000.000

Doch das ist noch nicht alles. Die Gefahr, an dieser Krebsform zu erkranken, steht bei etwa 1:1.000.000, hat Lukas aufgeschnappt. Er möchte die Forschung in diesem Bereich stärken und anderen jungen Menschen ein Leben mit besseren Prognosen ermöglichen. Deshalb die Benefizveranstaltung. „Ich weiß, dass ich von dieser Forschung wohl nicht mehr profitieren werde, aber ich möchte der Nachwelt etwas hinterlassen“, sagt der Essener.

Deshalb war Familie Pauly schnell begeistert, als André Becker, Gastronom des Buchholz-Hofs an der Stadtgrenze zwischen Kettwig und Mülheim, die Idee zu einem Benefizabend auf dem Reiterhof hatte. Am 2. Oktober wird er ein Vier-Gang-Menü servieren. Dazu gibt es ein Reit- und Musikprogramm, bei dem Lukas Pauly auch selbst aufs Pferd steigen wird. Seine Holsteiner Stute Barinja ist bereit. „Das Pferd spürt, was mit mir los ist“, sagt er. Unterstützt wird er auch von seinen Freunden, die an dem Abend im Service arbeiten werden.

Umjubeltes Comeback bei den Essener Stadtmeisterschaften

Nicht nur die Pferde, auch seine vertrauten Menschen haben Lukas viel Kraft geschenkt. Bis heute. Gerade hat er sein Turnier-Comeback nach der Krebs-Diagnose gefeiert. Bei den Stadtmeisterschaften der Springreiter. „Es war cool, so viele Leute wiederzusehen“, sagt der junge Reiter. „Alle haben gejubelt, als Lukas geritten ist“, erzählt seine Mutter. Im Krankenhaus, wo er rund vier Monate verbringen musste, „war er immer der, der den meisten Besuch hatte“.

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