Flüchtlinge

Pater und Flüchtlinge beziehen altes Pfarrhaus in Frohnhausen

Foto: Knut Vahlensieck

Frohnhausen.   Zwei Jesuiten-Pater starten ein ungewöhnliches Projekt: Sie möchten mit bis zu acht Flüchtlingen unter einem Dach wohnen. In Frohnhausen nutzen sie altes Pfarrhaus

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Mit einem ungewöhnlichen Projekt kehren die Jesuiten nach Essen zurück: In der Frohnhauser St. Elisabeth-Gemeinde wollen sie mit bis zu acht Flüchtlingen gemeinsam unter einem Dach wohnen. Das ehemalige Pfarrhaus an der Frohnhauser Straße wird zu diesem Zweck gerade renoviert.

Zuletzt waren noch drei polnische Pater für die Seelsorge in der Essener Gemeinde St. Ignatius zuständig. 2012 zogen aber auch sie ab – eine 400-jährige Geschichte ging zu Ende. Doch nun möchten die Pater Lutz Müller und Ludger Hillebrand das Projekt „Willkommenskommunität“ verwirklichen. Bei der Suche nach einem geeigneten Haus wurden sie vom Bistum Essen und Bischof Franz-Josef Overbeck unterstützt. „Für die Stadt Essen und unser gesamtes Bistum ist eine solche Gemeinschaft eine enorme Bereicherung“, warb Overbeck für das Projekt.

Schließlich wurden die Jesuiten in Frohnhausen fündig. Das ehemalige Pfarrhaus der Gemeinde St. Elisabeth wurde nur noch in Teilen genutzt, enthielt das Gemeindebüro sowie zwei Arbeitszimmer. Die werden nun ins Nachbarhaus umziehen. „Einige Gemeindemitglieder hatten dennoch Bedenken“, sagt Alfons Bäumer, der Mitglied im Kirchenvorstand ist und in den vergangenen Monaten einiges an Überzeugungsarbeit leisten musste. Zurzeit läuft in den Pfarrereien des Bistums der „Pfarreientwicklungsprozess“, dessen Folge Fusionen und Einsparungen sein werden. Durch den Verlust des Pfarrhauses zugunsten der „Willkommenskommunität“ würde man sich räumlich noch weiter verkleinern. „Das hat einigen nicht gefallen“, so Bäumer.

Doch die Vorteile überwogen schließlich. Das Pfarrhaus war bereits 100 Jahre alt und wurde vor 50 Jahren das letzte Mal renoviert. Alleine hätte die Gemeinde die Instandsetzung nicht bezahlen können und das Gebäude irgendwann verkaufen müssen. Nun teilt man sich die Renovierungskosten mit dem Bistum. Die Gemeinde refinanziert sich durch die Mieteinnahmen der nächsten zehn Jahre.

Vorurteile wurden abgebaut

Und letztlich seien auch die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen in den vergangenen Monaten abgebaut worden, so Bäumer. „Gerade weil es hier schon einige Flüchtlingsunterkünfte gibt, ist man im ständigen Kontakt und hat Freundschaften geschlossen.“ Es sei ja auch die Aufgabe eines Christen, dort zu helfen, wo es nötig ist, sagt er. Gerade über die Flüchtlingsarbeit könne man zudem engagierte Menschen im Stadtteil erreichen, die keine enge Bindung an die Gemeinde hätten.

Die Jesuiten freut es jedenfalls, dass sie nun loslegen können. Der Umbau des Hauses hat bereits begonnen. Der Dachstuhl wurde entkernt und es gibt ein neues Gebälk. „Wenn es nach mir geht, leben wir ab April hier“, sagt Pater Lutz Müller. Aber trotz allem Engagement gebe es handwerklich immer wieder Überraschungen. „Allein der Dachstuhl und die Elektroleitungen sind eine Herausforderung“, sagt Lutz Müller (54), der zuletzt eine Einrichtung für psychologische, soziale und seelsorgerliche Beratung in Mannheim leitete. Sein Mitbruder Ludger Hillebrand war seit 2008 für den Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Berlin tätig und arbeitete seit 2009 als Seelsorger im Abschiebungsgewahrsam. Dort feierte er zum Beispiel etwa mit vorwiegend muslimischen Abschiebehäftlingen Gottesdienste.

Nun leben beide bereits seit September in Essen und begleiten den Umbau des neuen Flüchtlingshauses. Vorgesehen ist eine Wohnfläche von 250 Quadratmetern auf zwei Stockwerken. Die acht Flüchtlinge erhalten dabei jeweils Einzelzimmer zwischen sieben und zehn Quadratmetern. Hinzu kommen Badezimmer, Küche und Aufenthaltsraum. Den beiden Jesuiten stehen zusätzlich 100 Quadratmeter in einem weiteren Stockwerk zur Verfügung. „Es ist ein Flüchtlingshaus, kein Flüchtlingsheim“, betont Lutz Müller.

Unterstützung für den Pfarrer

Anders als die Renovierung, soll der laufende Betrieb über Zuschüsse finanziert werden, die die Kommunen für die einzelnen Flüchtlinge zahlen. „Und wenn das nicht reicht, springen die reichen Jesuiten ein“, sagt Müller schmunzelnd. Schließlich seien er und sein Ordensbruder künftig mit je einer halben Stelle beim Bistum Essen angestellt. Im Gegenzug dafür sind die beiden zusätzlich in der Seelsorge tätig. Pater Hillebrand etwa wird den Pfarrer der Gemeinde von St. Antonius unterstützen, zu der auch St. Elisabeth gehört.

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