Integration

Paten helfen Flüchtlingen in Essen bei der Integration

Die Bürgerpaten Minou und Robin Trieschmann verstehen sich gut mit Khonaf und Rezhin Kanjo. Gemeinsam mit den Sprösslingen geht es an diese Tag in den Essener Grugapark

Die Bürgerpaten Minou und Robin Trieschmann verstehen sich gut mit Khonaf und Rezhin Kanjo. Gemeinsam mit den Sprösslingen geht es an diese Tag in den Essener Grugapark

Foto: Thomas Gödde

Essen.   Das Projekt „Essener Begegnungen“ des Caritasverbandes und der sieben Rotarierclubs bringt Flüchtlinge und Paten zusammen. Zwei Beispiele.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die erste, und oftmals notdürftige, Unterbringung liegt hinter den meisten Flüchtlingen in dieser Stadt. Doch was kommt jetzt? Dieser Frage nimmt sich das Projekt „Essener Begegnungen“ des Caritasverbandes und der sieben Rotarierclubs in Essen an. Rund 70 Flüchtlinge und Deutsche haben die Verantwortlichen seit Ende März schon zusammen gebracht.

„Die Integration wird eine erheblich größere Herausforderung, als die Erstunterbringung“, unterstreicht Björn Enno Hermans, Caritasdirektor in Essen. Heute wird es Mitarbeiterin Hanna Neuhaus – ihre Stelle für das Projekt ist zunächst einmal für ein Jahr von den Rotariern finanziert – nicht besonders schwer im Servicepoint Ehrenamt am Kopstadtplatz haben. Auch ohne Anmoderation sind die beiden „Gespanne“, jeweils eine deutsche und eine Flüchtlingsfamilie, schon ins Gespräch vertieft.

Verzicht auf bindende Strukturen

„Wir schauen, welche Aspiranten zueinander passen und machen ein Angebot für einen Ausflug. Heute haben wir Freikarten für den Grugapark. Alles Weitere liegt bei den Beteiligten“, erläutert sie das Prinzip der „Essener Begegnungen“, das bewusst auf bindende Strukturen mit verpflichtendem Charakter verzichtet.

Denn der beabsichtigte längerfristige Kontakt ergibt sich oft von selbst. So wie bei der Krayer Familie Trummel und den aus Syrien stammenden Al Issas. Eigentlich sollten die schon beim monatlichen Treff im April zusammenkommen. Als eines der Kinder krank wurde, traf man sich einfach bei den Al Issas zu Hause in Katernberg. „Das erste Telefonat war sehr angenehm. Und als wir uns dann gegenübersaßen, wurden direkt sieben Stunden daraus“, berichtet Mona Trummel.

Die Sprache erlernen und Einblicke in die Kultur haben

Für die dreifache Mutter war es ganz selbstverständlich, selbst in Sachen Integration aktiv zu werden. Ihr Partner Philipp Kirstein bekräftigt: „Für uns ist das doch nichts Neues, wir haben Integration in der Schule, in der Ausbildung und in unserem Umfeld ständig erlebt.“

Dass ihr Gegenüber, Familienvater Mohammad Al Issa, noch groß integriert werden müsste, ist kaum notwendig. Fließend spricht der Syrer die deutsche Sprache. Dabei kam er erst vor einem Jahr nach Deutschland. Er hilft als Übersetzer im Familienzentrum Kon-Takt in Katernberg aus. Auch er sagt: „Es ist mir ganz wichtig, mit den Deutschen mehr Berührungspunkte zu bekommen.“ Die Sprache erlernen, Einblicke in die Kultur zu gewinnen, das sind seine Motive und wohl auch die der meisten Flüchtlinge bei den „Begegnungen“.

Orientierung bei der Integration

Für Mohammad Al Issa haben die Begegnungen mit den Trummels noch einen weiteren Wert: Wie Mona Trummel hat er einen an Autismus erkrankten Sohn und erfährt viel über institutionelle Ansprechpartner und Fördermöglichkeiten.

Auch zwischen Minou Trieschmann und Khonaf Kanjo gibt es mehr Gemeinsamkeiten als nur das Alter von Mitte 20. Beide Frauen haben etwa einjährige Kinder und werden mit ihnen und den Ehemännern an diesem Tag in der Gruga u.a. den Streichelzoo besuchen. „Die Aktion ist eine gute Möglichkeit, Menschen zu treffen“, sagt sie und meint dies durchaus in beide Richtungen: Denn neben dem Wunsch, bei der Integration aktiv zu werden und Khonaf Kanjo Hilfestellung bei der Orientierung in der deutschen Kultur zu geben, möchten sie und Ehemann Robin auch gerne Kontakte mit Eltern schließen, die Kinder im gleichen Alter haben. Dafür sind die beiden an diesem Tag aus Bochum-Dahlhausen nach Essen gekommen.

Ziemlich sicher sein können die Organisatoren der „Begegnungen“, dass bei beiden Teams auch in Zukunft die Rechnung aufgehen dürfte und durch das Projekt ein längerfristiger Kontakt initiiert wurde. Hanna Neuhaus ist optimistisch: „Wir schätzen, dass es bei 75 Prozent der Teilnehmer zu einem zweiten Treffen kommt.“

>> Unterstützer sind willkommen

Das Projekt „Essener Begegnungen“ sucht weiter Freiwillige auf deutscher Seite. Gerade an Familien mangele es. Unterstützt werde die „Essener Begegnungen“ von verschiedenen Essener Vereinen und Institutionen, Rot-Weiss Essen, Tusem Essen oder Grün und Gruga, mit Freikarten. Es könnten gern mehr werden. Auch Geldspenden für Ausflüge sind willkommen. Infos gibt es auf www.essener-begegnungen.de oder www.facebook.com/essenerbegegnungen/ E-Mail an info@essener-begegnungen.de.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik