Antiquariat

Wiedereröffnung des Steeler Antiquariats aus Liebe zum Buch

Arnd Hepprich hat neben dem Online-Verkauf wieder ein Ladengeschäft eröffnet, um seine alten Bücher zu verkaufen.

Foto: Kai Kitschenberg

Arnd Hepprich hat neben dem Online-Verkauf wieder ein Ladengeschäft eröffnet, um seine alten Bücher zu verkaufen. Foto: Kai Kitschenberg

Essen-Steele.   Vor zehn Jahren machte Arnd Hepprich sein Antiquariat in Steele dicht und verkaufte nur noch online. Jetzt hat er seinen Laden wiedereröffnet.

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Alte Bücher verkauft Arnd Hepprich schon sein halbes Leben lang, hat sich in den vergangenen 30 Jahren einen Namen besonders in Sachen Bergbauliteratur erworben. Sein Ladenlokal im alten Stammhaus Kröger hingegen machte er schon vor zehn Jahren dicht, handelte fortan, ganz zeitgemäß, im Internet. Dennoch hat er nun auch sein Steeler Antiquariat an gleicher Stelle wiedereröffnet – und damit eine längst totgesagte Spezies zu neuem Leben erweckt.

Es gibt nur zwei Läden in Essen

Zusammen mit Dirk Franken, einem Studienkollegen aus Frankfurt, hatte Dokumentar Hepprich („Das ist eine Mischung aus Bibliothekar und Archivar“) 1988 seine Antiquarische Verlagsbuchhandlung gegründet.

Zu Zeiten, in denen es noch als schick galt, sich ein „gutes Buch ins Regal zu stellen“. Mit dem Aufschwung der neuen Medien blieb die Laufkundschaft mehr und mehr aus.

Laufkundschaft blieb mehr und mehr aus

Das Internet, so Hepprich, sei Chance und Verderben zugleich. „Du erreichst online zwar mehr Kunden, dafür macht das Internet die Preise kaputt.“ Die Zahl der Sammler sinkt, doch das Angebot wächst rapide, weil das nächste Schnäppchen nur einen Mausklick entfernt wartet.

In Essen gibt es noch genau zwei Antiquariate mit eigenem Laden – Hepprichs Geschäft inklusive. Warum er sich das antut? „Weil es immer noch Menschen gibt, die ein Buch in Händen halten wollen, bevor sie es kaufen“, sagt er. „Und weil es einfach Spaß macht.“

Kunden kommen auch aus der Schweiz und Östereich

Der persönliche Kontakt sei wichtig, auch, „weil Bücher-Sammler gerne einmal erzählen, wie sie an ihre Schätze gekommen sind.“ Hepprich Kunden kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.

„Für ein 20-Euro-Buch kommt niemand auch nur aus Köln angereist, aber für eine Rarität für 300 Euro schon.“ Die Haptik spiele eine große Rolle und natürlich, wie gut das Buch erhalten ist. Viele suchen jedoch das Besondere, etwas Ausgefallenes.

Antiquaritat zählt 15 000 Titel

Deshalb habe Hepprich sein Sortiment im Vergleich zu früher auch umgestellt. Hauptstandbein bleibt der Bergbau. 90 Prozent der Literatur stammt aus dem Ruhrgebiet, doch es finden sich auch Bücher zu Zechen aus England, den USA und Australien. Im Laden nehmen diese den kompletten ersten Raum ein.

Danach folgen die großen Dichter und Denker, Biographien und im letzten Abschnitt Kunst-, Kultur- und Architekturbände. „Alles in allem kommen so locker 15 000 Titel zusammen.“

Der Koch von Friedrich Krupp

Aufwändig gearbeitete und reich illustrierte Bibeln gehen immer noch. Auch Nachdrucke, weil das Original praktisch unerschwinglich wäre. Oder Seltenes: So darf „Die Nacht im Lügenkästchen“, ein handgefertigtes Buch der Künstlerin Barbara Fahrner, ruhig 400 Euro kosten. Auflage: 20 Stück.

„Mit zehn Jahre alten Bestsellern kann man nicht wirtschaftlich handeln“, sagt Hepprich. Dann schon eher mit Außergewöhnlichem anno 1900: Die Rezepte eines gewissen Herrn Dorst, zu Lebzeiten Koch seiner Exzellenz Friedrich Alfred Krupp, dem er mit Käse gefüllte Windbeutel servierte, gibt es für 35 Euro. Doch selbst Skurriles findet Käufer. So gab 1949 der Mayer-Verlag in München den Ratgeber „Ich werde Sumpfbiber-Züchter“ heraus.

Ich werde Sumpfbiber-Züchter

Und wem selbst dies noch nicht abwegig genug erscheint, dem sei die Lektüre von „So wurde Schalke Deutscher Meister“ empfohlen, so wie sie Hans Bornemann 1958 zu Papier brachte. Das Exemplar in einem guten, gebrauchten Zustand gibt es schon für 80 Euro. „Wie alle Preise ist auch dieser durchaus verhandelbar“, verspricht Arnd Hepprich mit einem Augenzwinkern. Aber angesichts der horrenden Summen, die heute im Milliardengeschäft Fußball gezahlt werden, wäre dies doch nun wirklich mal ein Schnäppchen für die Knappen.

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