Bürgerschaft

Trauer und Neuanfang bei der Heisinger Bürgerschaft

Am Heisinger Dorfbrunnen stehen die Mitglieder der Heisinger Bürgerschaft: (v.l.) Bodo Flüchter (stellvertr. Vorsitzender), Henner Höcker (Kultur, Geschichte, Erw. Bildung), Andrea Kunze (Veranstaltungsorganisatorin) und Ursula Podeswa (Öffentlichkeitsarbeit).

Am Heisinger Dorfbrunnen stehen die Mitglieder der Heisinger Bürgerschaft: (v.l.) Bodo Flüchter (stellvertr. Vorsitzender), Henner Höcker (Kultur, Geschichte, Erw. Bildung), Andrea Kunze (Veranstaltungsorganisatorin) und Ursula Podeswa (Öffentlichkeitsarbeit).

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Heisingen.  Nach dem Tod des Vorsitzenden muss sich die Heisinger Bürgerschaft neu aufstellen. Günter Kirsten hinterlässt eine große Lücke – und viele Spuren.

Seine Offenheit, die Gabe, Menschen rasch für sich zu gewinnen, seine Art anzupacken, zu gestalten und immer großzügig zu sein: Den Mitgliedern der Heisinger Bürgerschaft fallen zahllose Eigenschaften zu Günter Kirsten ein, den sie so sehr schätzten – und von dem sie nun haben Abschied nehmen müssen. Der Vorsitzende starb an den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls. Bei seinen Mitstreitern bleiben Trauer und Fassungslosigkeit sowie die Frage, wie es ohne Günter Kirsten weitergehen soll. Ihre Bereitschaft ist ebenso groß wie ihr Respekt vor den Aufgaben.

Günter Kirsten hinterlässt Spuren in Heisingen: „Denn er prägte den Stadtteil, wie kaum ein anderer“, haben die Mitglieder der Bürgerschaft in ihrem Nachruf formuliert. Beruflich leitete er viele Jahre eine Druckerei, lebte mit seiner Familie seit 1980 in Heisingen. 2004 wurde er in der Bürgerschaft der Stellvertreter von Theo Engel, der ihn damals im Tennisverein traf. 2012 übernahm Günter Kirsten den Vorsitz, „und es begann seine Zeit als kreativer, kontaktfreudiger und stets gut gelaunter Vorsitzender der Bürgerschaft“. Von 2010 bis 2018 war er auch stellvertretender Vorsitzender des Essener Stadtverbandes der Bürger- und Verkehrsvereine.

Unermüdlicher Einsatz für die Belange des Stadtteils

Die Belange, für die er sich in Heisingen eingesetzt hat, sind so vielfältig wie nachhaltig: „Als unser Dorfbrunnen noch vor dem Aufbau hart kritisiert wurde, weil er manchen offenbar nicht künstlerisch genug war, überzeugte er die Kritiker“, erinnert sich Bodo Flüchter, sein Stellvertreter. Schnell entschlossen und pragmatisch entwarf Günter Kirsten einen Plan, breitete ihn an der Stelle auf, wo die Figuren stehen. „Heute ist der Brunnen ortsteilprägend, alle kennen und mögen ihn“, sagt Flüchter. Zuletzt hat sich Kirsten stark gemacht für eine Bürgerbeteiligung und Information, wenn es um die Bussituation im Stadtteil oder den Neubau der Kampmannbrücke ging. „Die Tafel, die an der Brücke, an den tödlich verunglückten Arbeiter erinnert, geht auf die Initiative von Günter Kirsten zurück“, sagt Henner Höcker.

Ob Schachtzeichen zur Kulturhauptstadt, die Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft rund ums Wottelfest, der Schaukasten an der Georgschule, die Sanierung des Flugzeugabsturz-Denkmals oder die Aufforstung nach Ela im Schellenberger Wald: Den Mitgliedern der Bürgerschaft fallen ganz viele Beispiele dafür ein, bei denen Günter Kirsten federführend oder beteiligt gewesen ist. Wichtig war ihm die Zusammenarbeit mit den Bürgerschaften der Nachbarstadtteile, so wie beim Tag der Ruhrhalbinsel, den Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel initiierte. Der wird im kommenden Jahr ins Heisinger Rathaus führen, an dem nach vielen Jahren die Turmuhr auch wieder funktioniert („das hat Günter durchgeboxt“).

Im Oktober wollte er vor Publikum Mundharmonika spielen

„Wir müssen die Dinge, die wir noch gemeinsam geplant haben, vernünftig ausführen“, sagt Henner Höcker. Sie laden zu den Musikveranstaltungen ins Rathaus ein, werden zu St. Martin wieder Stutenkerle verteilen und das Weihnachtskonzert auf die Beine stellen. Manche Ansprache wird nun jemand für Günter Kirsten übernehmen müssen. Der hatte gerade erst eine schwere Krankheit überstanden. „Er war frohen Mutes und wollte im Oktober mit seiner Mundharmonika ein Konzert spielen“, sagt Ursula Podeswa traurig.

Henner Höcker ist nun kommissarisch als Vorsitzender eingesprungen, der bislang in der Bürgerschaft vor allem für Kultur, Geschichte und Erwachsenenbildung verantwortlich gewesen ist. Der 63 Jahre alte pensionierte Lehrer könnte sich auch durchaus vorstellen, sich im kommenden Jahr zur Wahl des Vorsitzenden aufstellen zu lassen. Immerhin hatte Günter Kirsten ohnehin angekündigt, den Staffelstab weitergeben zu wollen. Wäre es so gekommen, hätte Henner Höcker den 78-Jährigen allerdings weiterhin bei allen Fragen und Anliegen an seiner Seite gewusst. Eine große Herausforderung werden etwa die geplanten Neubauten im Stadtteil sein. „Da sind wir als Bürgerschaft gefragt, um die Heisinger zu informieren.“

„Er war der Macher und unser Glück war es, dass er da war“

„Er war der Macher und unser Glück war es, dass er da war“, sagt Bodo Flüchter. Sie seien an dem Freitag (23. August), als das Wottelfest startete, verabredet gewesen: „Günter kam nicht und war mir schnell klar, dass etwas passiert sein musste, denn er hat jeden Termin eingehalten.“ Einen Tag später erfuhren die Mitglieder der Bürgerschaft von dem Unfall, ans Schlimmste dachte da aber niemand. Als Unfallursache hat die Polizei inzwischen einen medizinischen Notfall ermittelt. Wenige Tage später starb der Vorsitzende. „Die Nachricht war ein Schock“, beschreibt Andrea Kunze betroffen.

Sie organisiert das Wottelfest und hat sich nun bereit erklärt, die Geschäftsführung der Bürgerschaft zu übernehmen, ihr Mann Andreas werde sich als stellvertretender Vorsitzender zur Wahl stellen. „Uns ist längst bewusst geworden, was für ein Loch Günter reißt“, ergänzt Bodo Flüchter. Wie sie die Lücke füllen sollen, wissen sie nicht. Denn sie seien nicht nur als Bürgerschaft eine enge Gemeinschaft, diese sei im Laufe der Jahre wie eine Familie zusammengewachsen. Nun müssen sie die Reihen wieder schließen. „Wir halten zusammen und machen weiter“, sagt Andrea Kunze. Dabei hallt ein Satz von Günter Kirsten nach und motiviert sie: „Ihr seid eine wirklich gute Truppe.“

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