Schulbus-Debatte

Schulbus-Aus: Eltern befürchten Chaos beim Umsteigen

In Heisingen (hier die Haltestelle Ortsmitte in Richtung Stadtwald) sollen die Schulbusse gestrichen werden.

In Heisingen (hier die Haltestelle Ortsmitte in Richtung Stadtwald) sollen die Schulbusse gestrichen werden.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Streichung der Schulbusse: Ruhrbahn-Mitarbeiterin stand Eltern und Schülern in Heisingen Rede und Antwort. Eltern sorgen sich um Sicherheit.

Noch kurz vor dem Fahrplanwechsel zum 9. Juni versuchen Eltern und Schüler aus Heisingen das Steuer herumzureißen. Sie forderten den Erhalt der Einsatzwagen 40 und 48, reine Schulbusse, die die Kinder seit Jahren nach Werden und Bredeney und wieder nach Hause bringen. Auf einer gut besuchten Versammlung mit Vertretern aus der Politik hat ein privater Elternkreis über die Auswirkungen des Fahrplanwechsels ab Pfingstsonntag informiert.

Dass ausgerechnet ihre Kinder die Leidtragenden von Streichungen sind, erregt bei vielen Heisingern Unverständnis und Missmut. „Warum wird ein gut genutztes Angebot wie das der Schulbusse nach Werden und Bredeney gestrichen?“, fragte beispielsweise Meike Beermann. Ihr Sohn besucht die 5. Klasse im Werdener Gymnasium, muss ab nächster Woche auf den Schulbus verzichten und am Stadtwaldplatz die Linie wechseln.

Grund für den Wegfall sind zu niedrige Fahrgastzahlen

s Grund für den Wegfall der E-Wagen gibt die Ruhrbahn zu niedrige Fahrgastzahlen an. Die Eltern halten mit ihren Berechnungen dagegen. Sie haben in diesen Tagen etwa 100 Schüler pro Bus gezählt. Die Ruhrbahn spricht von „Angebotsanpassungen“ und „Verbesserungen“, die mit den Änderungen eintreten. Wechsel stehen nicht nur im Essener Süden an, sondern betreffen viele Stadtteile. In Absprache mit der Stadt wurden im Nahverkehrsplan Taktzeiten geändert, Linien gestrichen, aber auch neue eingerichtet.

Rund 70 interessierten Eltern stand Susanne Köster, Ruhrbahn-Abteilungsleiterin für Verkehrsplanung, Rede und Antwort. „Das neue Konzept ist bereits 2017 mit dem Nahverkehrsplan vom Rat beschlossen worden“, verteidigte sie die Änderungen. Kritik von Eltern und Schülern kann das Unternehmen nicht nachvollziehen. „Als Ersatz für die Schulbusse haben wir den Takt der Linie 145 sogar auf fünf Minuten verdichtet!“ Fabian Schrumpf, CDU-Landtagsabgeordneter, wiederholte seine Bitte, den Fahrplan zugunsten der Schüler nachzubessern. Seine Idee: einen der 145er, die künftig im 5-Minuten-Takt zwischen Heisingen Baldeneysee und Erbach fahren, ganz für die Schüler zu reservieren.

Gefährliches Gedrängel an den Haltestellen befürchtet

Große Sorge bereitet Groß und Klein das Umsteigen. Denn ab Dienstag verlassen die Kinder am Stadtwaldplatz die 145. Während die einen mit der E 41 weiter zu den beiden Gymnasien (Marienschule und Städtisches) nach Werden fahren, wechseln die anderen ab Stadtwald in den 194er Richtung Bredeney, um die Goetheschule und das Grashof Gymnasium zu erreichen. Dafür müssen sie am Stadtwaldplatz etwa drei Minuten zu Fuß gehen. Viele Eltern befürchten nun ein Chaos beim Überqueren der Straße sowie ein gefährliches Gedrängel an den Haltestellen. Die seien dem Ansturm gar nicht gewachsen, hieß es. Ina Backes, Mutter von drei Kindern und Mitstreiterin des Elternkreises, war vor Ort und brachte Fotos der engen Bussteige mit. „Vor allem jüngere Schüler rennen, um zum Bus zu kommen“, warnte Mutter Beate Rickmann.

Rückgängig machen kann die Ruhrbahn die Streichung der Schulbusse nicht von heute auf morgen. Nun gibt es viele offene Fragen: Passen alle Schüler in die Busse? Kommen sie pünktlich zum Unterricht? „Wir müssen jetzt sehen, wie sich das Ganze entwickelt“, erklärte Meike Beermann. „Alle Schüler aus Heisingen werden auch nach unserem Fahrplanwechsel ihre Schulen mit uns erreichen“, versuchte die Ruhrbahn die Gemüter zu beruhigen.

Schüler sollten nicht vom ÖPNV abgestoßen werden

Mirko Kuhn, Moderator des Abends, betrachtete die Fahrplanänderungen auch kritisch im Hinblick auf den Klimaschutz: „Wir wurden erst am 21. Mai darüber informiert. Aber es geht nicht um Betroffenheit. Dies ist erst der Anfang unserer Bemühungen. So ein Konzept passt nicht in die Zeit.“ Schüler sollten seiner Ansicht nach an den ÖPNV herangeführt und nicht abgestoßen werden. Ihn ärgern Versprechungen der Modellstadt-Werbekampagne, die im Falle der Schulbusse nicht erfüllt würden.

Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel (CDU) sieht oberste Priorität beim Bau der seit Jahrzehnten geplanten Busendhaltestelle mit Pausenplatz am Fährenkotten. Die Verdichtung der Taktzeiten bringt mehr Busse in den Stadtteil. Bis dahin enden die Fahrzeuge am Bahrenberg, gegenüber vom Küchenstudio. Auf die Schulbusdebatte hätte die größere Haltstelle am See keine Auswirkung. Aber Proteste und Anwohnerklagen sind auch hier zu erwarten. Nicht ohne Grund liegen die Pläne schon lange auf Eis.

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