Stadtentwicklung

Politiker und Landwirte wollen Feld in Freisenbruch erhalten

Diese Aufnahme ist im März 2019 entstanden: Im Vordergrund ist die Ackerfläche am Reibenkamp/Sachsenring in Essen-Freisenbruch zu sehen.

Diese Aufnahme ist im März 2019 entstanden: Im Vordergrund ist die Ackerfläche am Reibenkamp/Sachsenring in Essen-Freisenbruch zu sehen.

Foto: Michael Gohl

Essen-Freisenbruch.  Die Bebauung eines Ackers in Essen ist seit Jahren ein Thema. Die Bezirksvertretung lehnte mehrfach ab. Erneut muss sie sich damit befassen.

Auf dem Acker am Reibenkamp/Sachsenring wächst der Winterweizen, um die Weihnachtszeit könnten daraus Brötchen werden. Laut Naturschutzbund Essen ist die Ackerfläche Lebensraum und Nahrungsquelle für Feldsperling, Goldammer und Rauchschwalbe. Aber das rund fünf Hektar große Feld ist auch immer wieder im Gespräch, wenn es um die Suche nach neuen Wohnflächen im Stadtgebiet geht. Laut Stadtverwaltung bietet das Areal Potenzial für 270 Wohnungen. Zuletzt wurde die Fläche beim Bürgerforum „Wo wollen wir wohnen?“ wieder aufs Tapet gebracht – und das sorgt auch noch ein halbes Jahr später für Unmut bei den Politikern in der Bezirksvertretung VII. Sie haben sich nun erneut einstimmig gegen die Bebauung der Fläche ausgesprochen.

Bezirkspolitiker kritisieren Vorgehen beim Bürgerforum

Gegen eine intensive Bürgerbeteiligung spreche generell nichts, da sind sich die Bezirkspolitiker einig. Doch sie kritisieren das Verfahren des Bürgerforums: Man habe erhebliche Bedenken an der methodischen Vorgehensweise, da „drei bis fünf ortsunkundige Personen innerhalb von 45 Minuten über eine Fläche ohne Rückkopplung mit anderen Teilnehmern des Forums und ohne Kenntnis anderer Flächen geurteilt haben“, heißt es im Beschluss der Bezirksvertretung.

„Wirkliche Bürgerbeteiligung sieht für uns anders aus und bezieht die Ortskenntnisse der Betroffenen ein“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Yilmaz Günes (Grüne). CDU-Fraktionssprecher Klaus-Dieter Feige meint: „Grundsätzlich finde ich es positiv, wenn die Stadt Bürger zu Wort kommen lässt.“ Aber den Reibenkamp wolle man als Fläche erhalten. Auch SPD-Fraktionssprecherin Michaela Heuser würde sich zwar mehr Bürgerbeteiligung wünschen, „ob uns das in diesem Fall weiterbringt, zweifel ich jedoch an“.

Eine mögliche Bebauung wurde schon mehrfach abgelehnt

„Wir kritisieren, dass die Stadtverwaltung die Bebauung dieser Fläche erneut ins Gespräch gebracht hat“, so Günes: Denn die Bezirks- und Ratspolitik habe die „Zerstörung“ des Ackers bereits 2008 im Zuge der Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplans und 2016 bei der Debatte um mögliche Standorte für Asylunterkünfte abgelehnt. „Natürlich ist das ein große Fläche, die bebaut werden könnte, aber eigentlich muss man sich doch Gedanken machen, ob man für die Wohnbebauung nicht Flächen nutzen kann, die schon versiegelt sind“, sagt Heuser.

Die Ergebnisse des Bürgerforums seien nicht bindend. „Aber wir fühlen uns von Anfang an übergangen“, kritisiert SPD-Politikerin Heuser: „Wir hatten keine Informationen darüber, dass es beim Bürgerforum um diese Fläche gehen sollte. Als Bezirksvertretung wären wir gerne mehr mit einbezogen worden.“

Auch für den Naturschutz sei die Fläche bedeutsam

„Die Fläche am Reibenkamp ist wegen fruchtbarer Böden für die Landwirtschaft und als Bestandteil eines regionalen Grünzugs zu erhalten. Auch für den Naturschutz ist die Fläche bedeutsam“, so Günes. Die Fläche sei als ökologisch wertvoll eingestuft, sagt Feige. „Wir brauchen in unserem Bezirk auch Grün“, fordert Heuser: Die Bürger vor Ort wünschen sich Frischluftschneisen.

„Wir wollen keinen Flächenfraß in den Außenbezirken“, sagt Hans-Jürgen Zierus von der Linken. Er fordert stattdessen mehr Wohnraum im innerstädtischen Bereich. Neue Wohnungen in Randbezirken bedeuten für ihn auch mehr Verkehr in den Randbezirken. Außerdem brauche man auch landwirtschaftliche Flächen in Essen.

Unmut über erneute Diskussion auch bei Landwirten

Für Unmut sorgt die erneute Diskussion um eine mögliche Bebauung der Fläche auch bei Landwirt Hubertus Budde, der die Fläche bewirtschaftet. Seit den 1970er Jahren sei seine Familie dort Pächter. „Wir produzieren dort Lebensmittel – und Sauerstoff.“ In der Stadt gebe es seiner Meinung nach genügend Brachflächen, die man entwickeln könne. Der Grüngürtel sei wichtig für die Stadt und ihr Klima.

„Wir Landwirte wollen keinen Hektar preisgeben. Wir bauen Produkte aus der Region für die Region an.“, sagt Christoph Ridder, zuständiger Vorsitzender der Kreisbauernschaft im Rheinischen Landwirtschaftsverband. Auch ihn begleitet die Diskussion um die Fläche am Reibenkamp/Sachsenring schon seit vielen Jahren.

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