Kirche

Pfarrer widerspricht Gerücht um Kirchenabriss in Überruhr

Gerüchte um die katholische Kirche Mariä Heimsuchung kursieren in Essen-Überruhr, die zur Pfarrei St. Josef auf der Ruhrhalbinsel gehört.

Gerüchte um die katholische Kirche Mariä Heimsuchung kursieren in Essen-Überruhr, die zur Pfarrei St. Josef auf der Ruhrhalbinsel gehört.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Essen-Überruhr.  Gerüchte um Schließung von St. Mariä Heimsuchung gehen in Überruhr um. Fest steht: Das Gemeindeheim in Hinsel ist nur noch bis Juli 2020 nutzbar.

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„Die Kirche St. Mariä Heimsuchung wird nicht von heute auf morgen geschlossen“, stellt Pfarrer Gereon Alter klar. Dieses Gerücht war vor kurzem in Überruhr-Hinsel aufgekommen und hatte viele Gemüter bewegt. Eine Verkettung unglücklicher Umstände habe wohl dazu geführt, so der katholische Priester. Zunächst war die Messe am Samstagabend von der Kirche ins Marienheim am Hinseler Feld verlegt worden. Danach wurde bekannt, dass Gruppen und Privatleute das Gemeindeheim neben der Kirche ab August 2020 nicht mehr nutzen können. Beides zusammen deuteten einige Katholiken in Hinsel als das Ende ihres Gotteshauses. Das Gerücht machte schnell die Runde, unterstützt von sozialen Netzwerken wie Facebook.

Auf Pfarrer Alter, Pfarrei-Verwaltungsleiter Detlev Marciniak und den Gemeinderat rollten die Gerüchte wie eine Lawine zu, die sich nicht mehr aufhalten ließ. Auch die CDU in Überruhr schlug sogleich Alarm und fragte im Pfarrbüro an der Klapperstraße nach dem Wahrheitsgehalt. Soll die Nachkriegskirche wirklich bald schon geschlossen werden? „Nein“, sagt die vier Gemeinden Herz Jesu (Burgaltendorf), St. Georg (Heisingen), St. Josef (Kupferdreh) und St. Suitbert (Überruhr) umfassende Leitung der Großpfarrei St. Josef Ruhrhalbinsel. Zu ihr zählen rund 22.000 Katholiken, in 2030 sollen es nur noch 16.000 sein. Wie überall im Bistum Essen muss man in den kommenden Jahren mit einem anhaltenden Schwund an Kirchensteuerzahlern rechnen. Und der sorgt für weniger Geld in den Gemeindekassen.

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Im Stadtvergleich sind die Ruhrhalbinselgemeinden vermögend

Knapper werdende Finanzen zwingen selbst die im Stadtvergleich vermögenden Ruhrhalbinselgemeinden, bis 2030 auf die eine oder andere lieb gewonnene Kirchenimmobilie zu verzichten. Einen entsprechenden Sparplan hatte das Bistum im Pfarreientwicklungsprozess (PEP) von allen Pfarreien gefordert. Das Konzept wurde in St. Josef Ruhrhalbinsel Ende 2017 mit der Abgabe des Votums theoretisch eingeleitet und vom Bischof Anfang 2018 bestätigt.

Vor einigen Monaten nun haben Gremien der Pfarrei die praktische Arbeit aufgenommen. In deren Verlauf ist mit der Aufgabe einzelner Immobilien zu rechnen. Nur so kann die Großpfarrei sich auf Dauer weiter finanzieren. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Sorge um die katholische Kirche St. Mariä Heimsuchung also nicht. Bereits im April hatte der Überruhrer Gemeinderat ein Standortkonzept vorgelegt. Darin wurden nach monatelangen Überlegungen zwei Schwerpunkte gesetzt: Familien, Kinder und Jugend will man in St. Suitbert an der Klapperstraße 70 eine geistliche Heimat geben, Seniorenarbeit soll im Marienheim am Hinseler Hof 24 konzentriert werden.

Schon im Zuge der 2015 aufgenommenen PEP-Verhandlungen wurde signalisiert, dass in Überruhr keine drei Kirchen und zwei Gemeindeheime erhalten bleiben können. Im schriftlich auf der Homepage hinterlegten Votum der Pfarrei heißt es unter anderem, dass ab 2020 die Gemeindeheime Herz Jesu und St. Mariä Heimsuchung ehrenamtlich erhalten und betrieben werden sollen. „Das ist das Ziel“, sagt Marciniak. Wieweit man es erfüllen kann, sei offen. Aber: „Die anfängliche Euphorie der Fördervereine ist gedämpft“, so Pfarrer Alter. Bei der ehrenamtlichen Übernahme und Führung ehemals kirchlicher Immobilien sei vieles zu beachten. Zudem sollen die Fördervereine die Kosten-, Belegungs- und Ertragssituation der Heime verbessern, um möglichst Gewinne abzuwerfen, aus denen man Rücklagen für die Zukunft bilden könne.

Bis zu 15 Gruppen treffen sich regelmäßig im Gemeinderaum

Zehn bis 15 Gruppierungen treffen sich derzeit noch regelmäßig im Gemeindeheim neben der Kirche in Hinsel. „Konkrete Pläne zur Umnutzung sind noch nicht erarbeitet“, betont Pfarrer Alter. Man wolle sich mit der Frist zur Jahresmitte nur den Rücken frei halten, Neues anzuregen. Erste Gespräche mit betroffenen Nutzern wurden bereits geführt und teils schon Lösungen gefunden.

Das Deutsche Rote Kreuz, das viele Jahre zur Blutspende in St. Mariä Heimsuchung aufrief, ist ab September 2020 im Gemeindeheim von St. Suitbert zu Gast. Das „Markt-Café“, eine ökumenische Initiative mit der evangelischen Stephanus-Gemeinde an der Langenberger Straße soll in die Senioreneinrichtung Marienheim verlegt werden. Auch mit dem städtischen Wahlamt werde nach einer Alternative gesucht.

Neuer Helfer kümmert sich wieder um die Grünanlagen

In der Kirche St. Mariä Heimsuchung, 1967 von Bischof Franz Hengsbach geweiht, laufe „das volle Programm weiter“, unterstreicht Pfarrer Alter. Taufen, Trauungen, Beerdigungen und die regelmäßigen Werktagsgottesdienste am Dienstag und Freitag um jeweils 10.30 Uhr. „Die Vorabendmesse im Marienheim ist nun besser besucht.“ Viele Ältere seien sogar froh darüber, den Gottesdienst in einem gut geheizten Haus mit Toilette feiern zu können.

Dass die Grünanlagen der Kirche St. Mariä Heimsuchung eine Zeit lang ungepflegt blieben, habe den Schließungsgerüchten Vorschub geleistet. Viele Jahre hatte hier ein Mitglied der Gemeinde ehrenamtlich gewirkt, die Arbeit dann aber überraschend beendet. „So schnell konnten wir keinen Nachfolger finden.“ Bald habe das Grün verwildert ausgesehen. „Da hatte mancher den Eindruck, dass hier nichts mehr getan wird“, sagt Verwaltungsleiter Marciniak. Mittlerweile sei ein neuer Helfer da, der aus St. Suitbert kommt. Dies zeige, dass man sehr wohl zusammenwachse. Eine Perspektive für die Zukunft ist schon sichtbar: Das Jugendheim von St. Suitbert an der Klapperstraße wurde renoviert. „Wir haben die Wände streichen und teilweise neue Böden verlegen lassen.“

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