Gastronomie

Neustart in Traditionsgaststätte: Pächterwechsel „Im Fass“

Das ehemalige Gastronomen-Ehepaar Irmgard und Heinz Trappmann (re.) freut sich über die neuen Pächter Svetlana und Marjan Jovanovski in der Gaststätte Im Fass in Kupferdreh.

Das ehemalige Gastronomen-Ehepaar Irmgard und Heinz Trappmann (re.) freut sich über die neuen Pächter Svetlana und Marjan Jovanovski in der Gaststätte Im Fass in Kupferdreh.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen-Kupferdreh.  Cevapcici statt Gyros: Das Pächterpaar Jovanovski übernimmt das Restaurant Im Fass und erhält damit eine Kupferdreher Traditionsgaststätte.

Der Pächterwechsel Im Fass bedeutet auch eine neue Karte: Statt griechischer Gerichte bietet das Ehepaar Jovanovski jetzt internationale Speisen und Spezialitäten vom Balkan an. Neben dem Filet Hubertus, deutschem Spargel, der ungarischen Pfanne und Cevapcici gibt es die Hoffnung der Pächter, die Traditionsgaststätte an der Colsmannstraße erfolgreich weiterzuführen. Diesen Wunsch teilen sie mit ihren Verpächtern, die zwar 2000 aus der Gastronomie ausgestiegen sind, aber immer noch „mit Leib und Seele am Erhalt ihres Lokals hängen“.

Als Irmgard (81) und Heinz Trappmann (83) das Restaurant gebaut und 1971 eröffnet haben, da gab es im Umfeld rund 50 Gaststätten und Kneipen. Die beiden haben damals nicht nur fast eine Million Mark in den Bau mit rund 550 Quadratmetern Fläche für die Gastronomie und den neun Mietwohnungen darüber investiert, sie haben vor allem ihr ganzes Herzblut in ihr Fass gesteckt, das sie selbst mehr als 30 Jahre lang geführt haben.

Die Spezialität war das T-Bone-Steak – das Erfolgsrezept der persönliche Einsatz

Gestartet hat zunächst Irmgard Trappmann, die ursprünglich in der Weberei Colsmann gearbeitet hat, ihre Gastronomie-Laufbahn an der Langenberger Straße, nachdem das Paar dort eine Immobilie samt Restaurant gekauft hatte. Als sie wegen eines Brückenneubaus weichen mussten, wechselten sie in die Mitte Kupferdrehs. Der Plan: Eine Brauerei sollte die Gaststätte in dem Neubau übernehmen. Als die absprang, sprang erst Irmgard Trappmann ein. Und da es so gut lief, stieg schließlich auch ihr Mann ein.

„Wir waren schließlich verschuldet bis über beide Ohren“, erinnert sich der frühere Maschinenbau-Ingenieur, der sich von ihrem angestellten Metzger- und Küchenmeister anlernen ließ und von da an das Kochen mit den beiden Köchen übernahm. Ihre Spezialität war das T-Bone-Steak, ihr Erfolgsrezept: persönlicher Einsatz. Diesen spürten sie nun auch bei dem neuen Pächterpaar, sagen die Trappmanns überglücklich. Denn als der Vorgänger 2018 nach nur wenigen Monaten aufgab, war das auch für Irmgard und Heinz Trappmann ein Schreck.

Andere Gaststätten auf der Ruhrhalbinsel sind zu Wohnraum geworden

Wäre ich 20 Jahre jünger, ich hätte selbst weitergemacht“, beschreibt sie, wie sehr sie noch an dem Restaurant hängt. Doch ihr Mann überlegte sogar, die Fläche als Wohnraum zu nutzen, wie es zuletzt andere Gastronomen auf der Ruhrhalbinsel machten. So folgten etwa auf das Gasthaus Schnitzler in Byfang Eigenheime, während der Bürgerkrug in Heisingen derzeit noch umgebaut wird. Die Trappmanns brachten es nicht übers Herz, und als ihr Bierlieferant ihnen das Ehepaar Jovanovski vorstellte, war das Fass gerettet.

Vor der Wiedereröffnung im November stand dann die große Renovierung an: Küche und Herrentoiletten sind neu, die Stühle und Deko auch, die Teppiche und Tischdecken sind verschwunden. Selbst die beiden Bundeskegelbahnen sind saniert, obwohl die Zahl der Kegelvereine im Laufe der Jahrzehnte deutlich geschrumpft ist („es waren mal bis zu vier Vereine am Tag“).

Nun sucht das neue Pächterpaar eine Wohnung in Kupferdreh

Rar ist auch die Freizeit für die neuen Pächter, die aber genau wussten, worauf sie sich einlassen. Haben doch Marjan (50) und Svetlana Jovanovski (51) in den vergangenen 14 Jahren ein Restaurant in einem Hotel geführt. Und für den gelernten Hotel- und Restaurantfachmann, der 1985 aus Mazedonien nach Deutschland kam, sei die Gastronomie ohnehin nicht nur Beruf, sondern auch Hobby, versichert er lächelnd.

So startet fast jeder Arbeitstag mit dem Einkauf, bevor es an die Vorbereitung in der Küche geht und sie in der Woche ab 17 Uhr öffnen. Sonntags öffnen sie durchgehend, nachmittags gibt es Waffeln; montags ist Ruhetag. Neben dem Essen à la Carte kochen sie für Gesellschaften zu Geburtstagsfeiern oder Vereinstreffen.

Das ist nun ihr neuer Berufsalltag Im Fass, zu dem viele der früheren Stammgäste zählen und in dem sie auch auf neues Publikum setzen. Dafür pendeln sie derzeit noch von Gelsenkirchen nach Essen und halten Ausschau, um bald auch privat in eine Wohnung nach Kupferdreh zu wechseln.

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