Stadtteil-Historie

Neues Buch erzählt von Kupferdrehs ehemaligen Zechen

1854 ging die Phönixhütte im Deilbachtal in Betrieb. Bereits 60 Jahre später wurde sie stillgelegt. Zuletzt waren dort 179 Arbeiter beschäftigt.

1854 ging die Phönixhütte im Deilbachtal in Betrieb. Bereits 60 Jahre später wurde sie stillgelegt. Zuletzt waren dort 179 Arbeiter beschäftigt.

Essen-Kupferdreh.   Hobbyhistoriker Johann Rainer Busch hat ein Buch über die 81 Zechen in Kupferdreh geschrieben und sich für einen Geschichtswettbewerb beworben.

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Der Lieblingsplatz von Johann Rainer Busch liegt im zweiten Stockwerk des Mineralienmuseums in Kupferdreh. Im Archiv der Bürgerschaft, zwischen alten Fotos, Akten, Zeitungen und Landkarten ist der 68-jährige Hobbyhistoriker ganz in seinem Element. Hier hat er auch alle erforderlichen Unterlagen für sein neuestes Buch zusammengetragen: Das handelt, passend zum Ende des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet, von den Zechen in Kupferdreh.

Material zu den einst 81 Pütts, die so wunderbare Namen wie Trompette, Kleinumstand, Fuchsloch, Gottessegen oder Frisches Glück trugen, hat der Johann Rainer Busch schon länger zusammengetragen. Dann hörte er von dem regionalen Geschichtswettbewerb „Hau rein – Bergbau im Ruhrgebiet“, zu dem das Forum Geschichtskultur aufrief, und begann sofort mit der Arbeit an seinem Buch. Ende 2017 waren dann 148 Seiten voller historischer Fotos, Daten, Fakten und Anekdoten fertig, die er einschickte. „Und am 13. April ist die Preisverleihung auf Zollverein“, sagt er, „da bin ich natürlich sehr gespannt, ob ich auch einen Preis bekomme“.

Mit großer Leidenschaft für die Heimatkunde

Seine Leidenschaft für die Heimatkunde lebt er bereits seit über 25 Jahren aus. So wundert es nicht, dass das Zechenbuch bereits seine 20. Veröffentlichung ist. Dafür hat er alle Kontakte ausgenutzt: Im Stadtarchiv, aber auch im Zeitungsarchiv und bei der Ruhrkohle AG ist er mittlerweile ein oft gesehener Gast, der sich stundenlang in alten Unterlagen verliert. Denn das Thema Kohle und Kupferdreh ist allein schon wegen seiner historischen Dimension interessant: „Wenn man vom Ursprung des Steinkohlenbergbaus spricht, dann liegt der in Kupferdreh.“ An den Ufern der Ruhr trat die Kohle zutage und konnte leicht abgebaut werden. Das war im 13. Jahrhundert.

So richtig los ging es aber mit der Industrialisierung. Schaut man sich die

diversen Karten in dem Buch an, auf denen die Flöze und Mundlöcher in Hinsbeck, Rodbeck, Byfang, Dilldorf und Voßnacken – diese Teile bildeten die einstige Bürgermeisterei Kupferdreh – eingezeichnet sind, so stellt man fest: Der ganze Stadtteil ist durchlöchert. „Stimmt“, sagt der Hobbyhistoriker und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ein Wunder, dass wir hier so ruhig sitzen können.“ Tatsächlich sind die meisten Stollen verfüllt worden, was das Risiko eindämmt.

Kleine Bergbaukunde für Laien

Wie und wo sie entstanden, erklärt Johann Rainer Busch anschaulich und übersichtlich. Genauso anschaulich stellt er seinem Buch eine kleine Bergbaukunde voran: Dort übersetzt er für Laien Begrifflichkeiten wie Pingen und Pütten (das waren einfache Gräben oder Erdlöcher), teufen (in die Tiefe gehen) oder alter Mann. „Das bin nicht ich“, sagt er lachend, „so nannte man einen abgebauten Streb.“ Die Spuren der einst 81 Zechen sind fast verwischt: Übrig geblieben sind ein paar wenige Gebäude, und wer durch die Wälder streift, wird noch auf das ein oder andere zugemauerte Mundloch stoßen.

>>ZECHEN-BUCH IST AB SOFORT ERHÄLTLICH

Das Buch trägt den Titel „Der Steinkohlenbergbau in Essen-Kupferdreh und Byfang“ und ist in der Buchhandlung Bast (Kupferdreh) und in der Buchhandlung Schirrmeister (Überruhr) erhältlich.

Als nächstes will sich Johann Rainer Busch einem Thema widmen, das vielen Bürgern auf der Seele liegt: „30 Jahre Baustelle Kupferdreh“, so der Arbeitstitel.

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