Friedhöfe

Krayer ärgern sich über fehlende Grünpflege auf dem Friedhof

Auf dem anonymen Gräberfeld hat Willi Lehnen seine Frau auf dem Krayer Friedhof bestatten lassen. Foto: André Hirtz

Auf dem anonymen Gräberfeld hat Willi Lehnen seine Frau auf dem Krayer Friedhof bestatten lassen. Foto: André Hirtz

Essen-Kray.   Hohes Gras und zugewachsene Wege: Angehörige beklagen ungepflegten Zustand auf dem Friedhof in Kray. Stadt erklärt das mit Personaldefizit.

Das Gras auf dem Friedhof in Kray ist so hoch gewachsen, dass manche Gräber nur zu erahnen sind. Den Weg zu ihren Verstorbenen bahnen sich Angehörige mitunter über Trampelpfade, „und die gesammelten Äste liegen noch vom Vorjahr auf den Haufen“, beklagt Willi Lehnen, der seit 2016 das Grab seiner Frau und zwei weitere Gräber pflegt. Die Pflege des städtischen Friedhofes lasse schon länger zu wünschen übrig, in diesem Jahr aber sei es ganz extrem, sagt er – und steht mit seinem Unmut nicht allein. Die Stadt erklärt den Pflegestau mit Personaldefizit, zu dem es wegen eines hohen Krankenstandes gekommen sei.

Anne Dönges (71) beobachtet, dass die Grünpflege in Kray aber von Jahr zu Jahr nachgelassen habe. Sie besucht den Friedhof seit 35 Jahren regelmäßig, damals starb ihr Vater. Nun kümmert sie sich zudem um die Ruhestätte ihres Mannes und nennt die Situation inzwischen katastrophal. Denn das Unkraut wuchere das Grab bis zum Stein zu. Nun hat sie Rindenmulch rund herum verteilt, in der Hoffnung, das unerwünschte Grün etwas länger fern zu halten. Die Missstände betreffen aber ebenso etwa die Wasserstellen. „Manchmal muss man erst mal eine finden, die gerade funktioniert“, sagt sie.

Friedhofsbesucherin wollte wegen der Missstände Unterschriften sammeln

Auch Ruth Paulus wollte selbst Abhilfe schaffen und hat sogar überlegt, Unterschriften zu sammeln, um die Stadt auf den ungepflegten Zustand aufmerksam zu machen. Die Friedhofsbesucher sind inzwischen wütend. Ihre Besuche in Frohnhausen, Altenessen oder Heisingen hätten zudem gezeigt, dass es in anderen Stadtteilen durchaus gepflegte Friedhöfe gebe. „Hier in Kray bin ich kürzlich über einen Stein gestolpert, weil man diese auf den nicht gemähten Wiesen überhaupt nicht mehr erkennt“, beschreibt Ruth Paulus, die sich ihren Weg zum Grab durch das hohe Gras bahnt.

„Wenn hier mal gemäht wird, dann höchstens mal um die Gräber herum“, sagt Willi Lehnen. Er wie auch seine Bekannte Renate Wloczik empfinden das als unwürdig: „Für die Toten und deren Angehörigen.“ Ihre Versuche, jemanden in dem Büro vor Ort oder am Telefon zu erreichen, seien jedoch gescheitert. „Monatelang ist hier nichts passiert“, beschwert sich der 71-Jährige.

Die Pflege hat im Laufe der Zeit stark nachgelassen

Schon der erste Eindruck am Haupteingang, den Besucher von dem Friedhof erhalten, sei schlecht. Und selbst auf dem anonymen Gräberfeld, wo seine Frau bestattet ist, werde nicht regelmäßig gemäht. „Anfangs sah es hier deutlich besser aus, das hat stark nachgelassen“, sagt Willi Lehnen zu seiner Erfahrung. Dabei sei es ja gerade Sinn dieser Bestattungsform ohne Grabstein, Blumen und Schmuck, dass die Pflege einfach gehalten werde. Dafür zahlten die Angehörigen schließlich auch. Die fragen nun, wann sich endlich etwas ändert.

„Zahlreiche Beschwerden sind inzwischen auch bei der Stadt angekommen“, sagt Stadtsprecherin Jasmin Trilling.

Darunter sei sogar eine Pastorin gewesen, da eine Beerdigung angestanden habe. „Wir wollen das Problem nicht schönreden und nehmen das sehr ernst“, betont sie. Daher habe man das Personal bei Grün und Gruga anders eingeteilt und sofort reagiert: Derzeit seien acht Mitarbeiter auf dem Krayer Friedhof mit der Grünpflege beschäftigt. Diese übernehmen derzeit noch städtische Mitarbeiter – üblicherweise in regelmäßigen Abständen. Bei elf der 23 städtischen Friedhöfe seien diese Arbeiten inzwischen an externe Firmen übergeben worden, erklärt Jasmin Trilling. Ab dem Spätsommer gelte das auch für den Krayer Friedhof. Ob es dann mit der Pflege besser läuft, bleibt offen – die Angehörigen hoffen darauf.

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