Pfarrei St. Laurentius

Gemeindezentrum Bergmannsfeld in Essen schließt endgültig

Diakon Ewald Hillmann, Künstlerin Monika Mertela und Künstlerin Gabriele Molzahn (v.l.n.r.) stehen im Gemeindezentrum im Bergmannsfeld in Essen-Freisenbruch.

Diakon Ewald Hillmann, Künstlerin Monika Mertela und Künstlerin Gabriele Molzahn (v.l.n.r.) stehen im Gemeindezentrum im Bergmannsfeld in Essen-Freisenbruch.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Freisenbruch.  Bergbauschäden, kaputte Heizung und knappe Kassen: Die Pfarrei St. Laurentius in Steele muss das Gemeindezentrum Bergmannsfeld schließen.

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Die roten und weißen Kerzen für die Adventsgestecke und Tannenkränze im Büro liegen schon bereit: Monika Martela aus Horst ist eine der Frauen, die in diesen Tagen den Adventsbasar im Gemeindezentrum an der Albert-Schweizer-Straße 2 vorbereiten. Zum letzten Mal.

Denn nach dem Gottesdienst am Samstag, 23. November, wird die kirchliche Immobilie in der 70er Jahre Hochhaussiedlung für immer geschlossen. Auch wenn er keinen Namen hatte und nie geweiht wurde, Katholiken im Osten der Stadt bot der schlichte Betonbau 42 Jahre eine geistliche Heimat.

Der Grundstein für das Gemeindezentrum wurde 1975 gelegt

Seine Geschichte haben langjährige Gemeindehelfer festgehalten: Grundsteinlegung 1975, Einsegnung am 19. November 1977, erste heilige Messe am 20. November 1977 mit Bischof Franz Josef Hengsbach. „Der damalige Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche am Eiberg, Gerhard Seelbach, betreute in den ersten Jahren auch das Gemeindezentrum“, erinnert sich Hans-Günter Urbig. Der 80-Jährige dient schon lange als Hausmeister und Lektor und ist die „gute Seele“, wie Diakon Ewald Hillmann erklärt.

In diesen Tagen fegt Urbig noch oft die vielen Blätter auf dem Weg zusammen, bald ist auch damit Schluss. Das Gebäude wird aufgegeben und leergeräumt. Noch einen Winter will die Gemeinde dort nicht bleiben. „Die Fußbodenheizung ist kaputt, die Kälte hat den Kirchenraum fest im Griff. Im vergangenen Winter zog man deshalb in den Saal, feierte dort die Messen. „Irgendwo versickert Wasser aus dem Heizkessel, wir wissen bloß nicht wo“, sagt Hillmann.

Der Abschied begann schleichend

Ein Investor für das Gebäude wird noch gesucht. „Vielleicht kann auf diese Weise die Kita nebenan vergrößert werden“, hofft Hillmann. Bedarf ist da, die drei Gruppen reichen im kinderreichen Viertel schon lange nicht aus. Der Abschied begann schleichend: So gibt es seit 1999 keinen eigenen Pastor mehr im Bergmannsfeld, 2003 legte man die Kirchen St. Joseph (Horst) und Heilige Dreifaltigkeit zusammen. 2009 wurde die Dreifaltigkeitskirche geschlossen.

Seitdem wechselt sich ein Team von Geistlichen aus den vier Gemeinden in Steele, Kray und Horst am Altar im Hochhausquartier ab. Oft liest Pastor Hans-Joachim Gaberle (94) die 17-Uhr-Messe am Samstag. Noch 30 bis 40 Katholiken besuchen den Gottesdienst, Platz fänden 250. Dienstags kommen noch die Grundschulkinder zur Schulmesse. Aber Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen finden längst nicht mehr statt.

Den Kirchen im Ruhrbistum fehlt der Nachwuchs

Denn wie vielerorts im Ruhrbistum sinkt die Zahl aktiver Kirchgänger. Die letzten Katholiken im Bergmannsfeld sind alt, Nachwuchs bleibt aus. Die städtische Grundschule an der Erasmusstraße zählt 268 Kinder. „Davon haben gerade mal 46 Mädchen und Jungen den christlichen Glauben“, weiß Diakon Hillmann. Natürlich seien nicht alle katholisch.

Der 58-Jährige kam Anfang 2018 aus einer Großpfarrei im Duisburger Norden nach Freisenbruch, wo er hauptberuflich Seelsorger ist. Bei den Debatten um Kirchenschließungen gehe es am Ende aber immer auch ums Geld. Hillmann: „Kirchliche Gebäude sind im Pfarreihaushalt ein erheblicher Kostenfaktor.“ Marode Bauwerke wie das im Bergmannsfeld beschwören ihr Ende geradezu herauf. Jahrelang wurde nicht ins Gemeindezentrum investiert, wissen die Gläubigen. Dass man es nun aufgibt sei „ein Ding der Vernunft“, meint Hillmann. Da stimmen die treuen Gemeindehelfer zu. „Aber die Wehmut bleibt dennoch“, so Monika Martela.

Die schlichte Glaubensstätte bot nicht nur viele Jahre Menschen von überall eine Heimat: Polen aus dem ehemaligen Schlesien, russische Aussiedler und auch vietnamesische oder afrikanische Familien gingen dort ihrer Religion nach. Auch Einrichtungsgegenstände aus geschlossenen Kirchen an vielerlei Orten strandeten am Bergmannsfeld. „Der Altar, die Tabernakelwand, das Ambo und die Lampen stammen aus St. Christopherus in Kray“, zählt Urbig auf. Aus der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ zog die kleine Orgel von Mülheim nach Essen um. Das Kreuz kam als Geschenk aus der 2013 abgerissenen Kirche St. Hermann-Josef in Dellwig.

Die Kliniken Essen Mitte übernehmen die Figuren der Weihnachtskrippe

Jetzt braucht es ein neues Zuhause, wie vieles andere. Die Weihnachtskrippe jedenfalls hat bereits Abnehmer. „Die Kliniken Essen Mitte haben die Figuren angenommen“, erzählt Monika Martela. Am meisten werden ihr nach dem Abschied die Menschen fehlen, die sie im Gemeindezentrum getroffen habe, da ist sie sich sicher. Gabriele Molzahn (61), die seit 1969 im Bergmannsfeld wohnt, spricht aus, was viele bewegt: „Auch wenn wir nach St. Joseph ziehen, viele werden das Gemeindezentrum hier vermissen.“

Aber man sehe auch, dass es so nicht weitergehen könne. „Es ist schlimm, zusehen zu müssen, wie alles kaputtgeht. Und Martela, die viele Jahre Altardienst leistete betont: „Eine Messe vor so wenigen Besuchern zu feiern, macht keine Freude.“ Vom Kopf her wüssten eigentlich alle, dass die Schließung richtig sei. Die Freude auf den Basar lassen sich die Frauen aber nicht nehmen. Sie hoffen auf viele Gäste aus allen Teilen der Großpfarrei St. Laurentius. Nach dem Abschiedsgottesdienst wollen die letzten Katholiken vom Bergmannsfeld wie früher noch einmal bei Kaffee, Kuchen, Glühwein und Plätzchen im festlich geschmückten Saal zusammensitzen.

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