Kirche

Ev. Thomasgemeinde muss Kirche Auf’m Böntchen aufgeben

Pfarrer Martin Keßler steht in der Kirche Auf’m Böntchen in Frillendorf. Das Gotteshaus wird im September entwidmet und später abgerissen.

Pfarrer Martin Keßler steht in der Kirche Auf’m Böntchen in Frillendorf. Das Gotteshaus wird im September entwidmet und später abgerissen.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Frillendorf.  Gotteshaus in Frillendorf wurde 1960 gebaut und wird im September entwidmet. Die Kirche wird abgerissen und macht dem Kindergarten-Neubau Platz.

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Die Kirche muss sparen. Sinkende Gliederzahlen und wachsender Kostendruck zwingen zu Schließungen von Gotteshäusern.

Die Evangelische Thomasgemeinde ist doppelt betroffen: Nach der Entwidmung der „Erle“ in Stoppenberg im Juni, ist nun die Kirche Auf’m Böntchen in Frillendorf an der Reihe. Pfarrer Martin Keßler sprach mit Michael Heiße über die aktuelle Stimmungslage.

Herr Keßler, die Kirche Auf’m Böntchen wird am 16. September entwidmet, dann werden dort keine Gottesdienste mehr gefeiert. Wie bereitet sich die Gemeinde vor?

Martin Keßler: Nach einem letzten festlichen Gottesdienst soll es eine Abschiedsfeier geben. Dazu sammeln wir nun Ideen. Ein Treffen mit Ehrenamtlichen, mit Presbytern und Ehemaligen fand bereits statt. So wurde sich erinnert, wie früher Feste in der Gemeinde gefeiert wurden und besprochen, wie dieser Tag ablaufen könnte.

Wo liegen konkret die Gründe für die Schließung?

Keßler: Die Thomas-Gemeinde, die die Gläubigen in Frillendorf und Stoppenberg vereint. ist im Laufe der Jahre deutlich kleiner geworden. Als die Kirche Auf’m Böntchen vor 60 Jahren gebaut wurde hatten wir insgesamt 11 000 Gläubige, heute sind es gerade noch 5500. Zuletzt standen dafür drei Häuser parat. Neben dem Barenbruch-Haus – so der ursprüngliche Name der Kirche in Frillendorf – auch die „Erle“ und die Thomaskirche am Stoppenberger Markt. Einige Räume wurden kaum noch genutzt. Auf diese Leerstände haben wir reagieren müssen.

Eine Kirche aufgeben zu müssen, ist immer auch mit Emotionen verbunden. Wie ist es um die Stimmung in Frillendorf bestellt?

Viele Menschen sind traurig. Ältere haben die Gründung der Kirche vor 60 Jahren selbst miterlebt, aber auch Jüngere verbinden viele Erinnerungen damit. Beispielsweise Taufen, Konfirmationen, Heirat, aber auch Trauerfeiern. Doch im Grunde genommen tragen alle diese Entscheidung mit.

Die Schönebecker St. Antonius Abbas-Gemeinde kämpft vehement gegen die Kirchenschließung. Pastor Brengelmann verfasste aus Protest sogar „zehn Gebote“.

Keßler: Bei uns gab es keinen Widerstand oder gar Aufstand, weil die Menschen die Beweggründe und Sachzwänge nachvollziehen können. Ich bin seit zweieinhalb Jahren für die Gemeinde in Frillendorf verantwortlich, und mir war damals schon klar, dass es so kommen wird. Ich spüre hier eine Traurigkeit, aber auch viel Zuversicht.

Woran machen Sie dies fest?

Keßler: Eine Gemeinde sollte eigentlich nur einen Standort, eine Heimat haben. Dies wird künftig die Thomaskirche sein. Sie wird unsere gemeinsame Heimat.

Möglicherweise auch für die St. Nikolaus-Gemeinde Stoppenberg...

Keßler: Eine Zusammenarbeit ist geplant. Es gibt Gespräche, sich am Umbau der Thomaskirche zu beteiligen. Vorerst sind dies Absichtserklärungen, aber es besteht Hoffnung auf eine Umsetzung. Generell haben wir zur Katholischen Gemeinde ein gutes Verhältnis. Und vieles ist für die Zukunft gemeinsam denkbar. Zum Beispiel ist Seniorenarbeit ja nicht von der Konfession abhängig. Doch es gibt viele Berührungspunkte und Chancen zu sinnvollen Synergien.

Was passiert mit der Frillendorfer Kirche Auf’m Böntchen?

Keßler: Sie wird abgerissen und macht Platz für den Neubau des Kindergartens. Das Inventar der Kirche wird aufgehoben, zum Teil wird es einen neuen Platz in der Thomaskirche finden. Dazu gehört auch zumindest eine Glocke. Das ist auch bei der „Erle“ so geplant.

Bis zum Umzug ist noch Zeit, was passiert bis dahin?

Keßler: Wir planen weiter unseren angemessenen Abschied. Der nächste Termin folgt am 16. August. Da darf jeder teilnehmen.

>> KIRCHE NAHM IM JAHR 1960 DEN DIENST AUF

Die Kirche in Frillendorf wurde im Jahr 1960 als Barenbruch-Gemeindezentrum in den Dienst genommen. Ab diesem Zeitpunkt ging die evangelische Gemeinde Frillendorf eigene Wege und trennte sich vom Nachbarstadtteil Stoppenberg. Damals waren beide Gemeinden personell stark genug, um künftig auf eigenen Füßen zu stehen.

Das Gemeindezentrum Barenbruch, das sich heute Auf’m Böntchen nennt, besteht insgesamt aus drei Gebäuden: aus der eigentlichen Kirche, die multifunktional auch als Gemeindesaal genutzt wird, dem Evangelischen Kindergarten und dem Gemeindehaus mit diversen Räumen. Organisatorisch gehört das Gemeindezentrum heute wieder zur fusionierten Thomasgemeinde in Frillendorf und Stoppenberg.

Die katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus umfasst schon seit einigen Jahren auch wieder Frillendorf. Dies war schon einmal der Fall. Genau genommen bis zum Jahr 1918.

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