Motoren

Edelweiss Motorsport: „Manche Motoren haben eine Seele“

Der Motor läuft, die Hand liegt am Gas: Edelweiss-Chef Dirk Scheffer prüft den Klang der Maschine.

Der Motor läuft, die Hand liegt am Gas: Edelweiss-Chef Dirk Scheffer prüft den Klang der Maschine.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.  Dirk Scheffer und sein Team kitzeln in Essen-Burgaltendorf aus Autos und Motorrädern mehr Leistung heraus. Kunden kommen aus der ganzen Welt.

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Mit einem weichen Lappen wischt Florian Nittka (24) über den schwarzen Lack eines Motorrads, Modell R 100 R, gebaut in den frühen 90er-Jahren. Zuvor hat die BMW das „Kraftpaket“ verpasst bekommen: Kolben, Zylinder und Nockenwelle sind neu. Alte Teile raus, neue rein. Mehr PS, mehr Drehmoment, mehr Power für den Spurt an der Ampel oder auf der Rennstrecke. „Das ,Kraftpaket’ ist derzeit sehr beliebt bei den Kunden“, sagt Nittka, schwingt sich auf den Sattel und startet zur Probefahrt.

In diesem Moment parkt ein Porsche 944 Turbo vor dem Gebäude. Die Fahrertür schwingt auf, ein Mann steigt aus. Der Chef ist da. Dirk Scheffer, 50 Jahre alt, ein Mensch der schnell spricht, und der eine Leidenschaft für schnelle Autos und Motorräder hat. Er geht über den Hof, tritt durch ein geöffnetes Rolltor in seine Werkstatt. „Willkommen bei Edelweiss Motorsport“, sagt Scheffer zum Besucher. Zeit für ein ausführlicheres Gespräch hat er nicht. Noch nicht. Erst muss er sich noch um ein Motorrad kümmern.

Die Firma, das Leben, die Motoren

„Und? Fertig?“, fragt er seine Jungs. Antwort: „Mach mal an!“ Scheffer startet den Motor, dreht am Gasgriff. Was dann durch die Halle dröhnt, würden manche „ohrenbetäubenden Lärm“ nennen. Menschen mit einem Herz für Motorräder sprächen wohl eher von einem „wohlklingenden Sound“. Seine Mitarbeiter nicken zufrieden, ja, hört sich gut an. Doch Scheffer sieht das anders. „Der läuft zu mager“, brüllt er gegen den Krach an. Dann greift er sich einen Schraubenzieher, setzt ihn am Vergaser an, bewegt ein Schräubchen, nur eine halbe Umdrehung. Der Klang ändert sich. Satter, gleichmäßiger. „Jetzt passt es“, sagt Scheffer. „Es muss halt perfekt sein.“ So ist das bei Edelweiss Motorsport. Dann geht er in sein Büro.

Tasse Kaffee in der Hand, iPad auf dem Schreibtisch. Jetzt ist Zeit zum Reden. Dirk Scheffer spricht über seine Firma, das Leben, und immer wieder über Motoren. Alles hängt bei ihm untrennbar zusammen. Seit 1997 sogar hauptberuflich. Scheffer und seine drei Mitarbeiter holen mit Herz, Hand und Köpfchen mehr Leistung aus Motoren. Boxer-Motoren, wohlgemerkt. Aus diesem Grund stehen in der Halle auch nur Maschinen von BMW, Sportwagen von Porsche und ein paar VW Käfer.

Wo sich "Menschen ihre kleinen Träume verwirklichen"

„Die eigentliche Werkstatt-Arbeit ist für uns nur eine Fingerübung“, sagt Scheffer. Vielmehr gehe es seinen Kunden, die ihm ihre Fahrzeuge bringen, um Leistungssteigerung und Veredelung. Die Teile dafür entwickelt und fertigt der Chef mit seinen Jungs selbst. Einige Patente haben sie schon angemeldet.

Scheffer könnte an dieser Stelle im Gespräch weit ausholen und über eigene Zylinder, CNC-gefräste Köpfe, Ventile, Schwungscheiben, Kupplungen oder sonst was reden – macht er aber nicht. Stattdessen sagt er: „Das hier ist ein Ort, an dem sich Menschen ihre kleinen Träume verwirklichen.“

"Wie ein B52-Bomber beim Landeanflug"

Und dass Träume wahr werden, ist nicht unmöglich. Das weiß Scheffer aus Erfahrung. Und dann erzählt er von seinem allerersten Motorrad, einer 750er-Kawasaki. Wochenlang lag sie auf dem Grund der Ruhr, bevor sie aus dem Fluss gefischt und zum Kauf angeboten wurde. „Ein Schnäppchen“, sagt Scheffer. Dann hat er die Maschine wieder frischgemacht. Eine Herkulesaufgabe, aber: „Ich hatte noch nie vor irgendwas Angst.“ Lange blieb das japanische Bike aber nicht in seinem Besitz. Er tauschte es ein, am Haus Scheppen, gegen eine BMW R 90 S. Sie hatte ganze 20 PS weniger als die Kawasaki. Die Kumpels an der Eisdiele haben ihn für verrückt erklärt. „Ich hab’s sportlich gesehen und angefangen zu basteln, bis ich das Motorrad flott genug hatte, um den Japanern der Kumpels davonzufahren.“

BMW-Motorräder, das gesteht sogar Scheffer, seien schon ein wenig „schrullig“. Damals wie heute hätten sie den Ruf von Altherren-Bikes. Aber sie hätten zugleich ihre eigene Ästhetik. Scheffer hat zudem beobachtet, und das mag für ihn wohl das Wichtigste sein, dass die BMWs gewisse Emotionen bei den Menschen erzeugen: „Du ziehst den Choke, startest den Motor, er springt an, und das Ding unter dir klingt wie ein B52-Bomber beim Landeanflug – das macht was mit dir.“

Ein Motor ist mehr als die Summe seiner Teile

Er blieb der Marke BMW treu, ist wohl mehrere Millionen Kilometer auf bayrischen Motorrädern über öffentliche Straßen und abgesperrte Rennstrecken gefahren. Er schraubte an seinen Maschinen und denen von Kollegen, bis er schließlich sein Gewerbe anmeldete. Und der Laden läuft. Kunden kommen aus der ganzen Republik, sogar Menschen aus Australien und Neuseeland bestellen Teile. „Eine BMW wirft niemand weg, das ist eine Premium-Marke“, sagt Scheffer. „Da hab ich damals aufs richtige Pferd gesetzt.“

Obwohl, schränkt er ein, ums Geld gehe es ihm bei alledem gar nicht so sehr. „Eigentlich bin ich ein recht sachlicher Techniker“, setzt er zu einer Erklärung an. Aber ein Motor sei nun mal mehr als die Summe seiner Teile. Er könne einen ganz besonderen Zauber entfalten. „Manche Motoren haben eine Seele“, sagt Scheffer. Und wenn man das erkannt habe, stehe man auch mitten in der Nacht auf, um an einem Motorrad zu basteln. „Dann merkst du, dass es die pure Leidenschaft ist, die dich antreibt. Nicht die Kohle.“

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