Kirchengeschichte

Die Geschichte der Glocken von Überruhr-Hinsel klingt nach

Ein historisches Bild von der Segnung: Die Marienglocke und die Barbaraglocke werden gesegnet von Dechant Füngeling.

Ein historisches Bild von der Segnung: Die Marienglocke und die Barbaraglocke werden gesegnet von Dechant Füngeling.

Foto: Bürgerschaft Überruhr

Essen-Überruhr.   Sie sind schon 1968 verstummt: An die Historie der Glocken in Überruhr-Hinsel erinnert aber die Bürgerschaft. Die Totenglocke ist nun umgezogen.

Verstummt sind die Glocken von St. Maria Heimsuchung bereits im Herbst 1968, vergessen ist aber ihre bewegte Historie nicht: An diese erinnert nun die Überruhrer Bürgerschaft und weiht dazu am Samstag, 11. Mai, ihre 43. Geschichtstafel auf dem katholischen Friedhof in Hinsel ein. Dort wird dann auch die Michaelsglocke (Totenglocke) an ihrem neuen Standort gesegnet.

„Die Michaelsglocke oder Totenglocke, die bisher in einem Vorgarten stand, haben wir bereits zum umgesetzt, sie steht jetzt neben der Totenhalle auf dem Kriegsgräberfeld“, sagt Stephan Assenmacher von der Überruhrer Bürgerschaft, der für den Text und die Gestaltung der neuen Tafel auf dem Überruhrer Geschichtspfad verantwortlich ist. Unter dem Titel „Maria, Barbara, Michael – Die Glocken der katholischen Kirche St. Maria Heimsuchung in Überruhr Hinsel“ hat er die Geschichte seit 1800 zusammengefasst.

Glocken wurden einst aus Kanonen gegossen

Als damals in Hinsel die erste katholische Kirche eingeweiht wurde, wurde ihre Glocke aus Kanonen gegossen. Mit dem Neubau einer größeren Kirche 1873, die samt Kirchturm ein Jahr später fertiggestellt war, entstanden auch drei neue Glocken. Das Material dafür (20 Zentner Glockenmetall) war ein Geschenk von Kaiser Wilhelm I., das er auf Gesuch des Kapellenvorstandes an die Gemeinde machte – dieses stammte wiederum aus Kanonen des Deutsch-Französischen Krieges.

In den beiden Weltkriegen wurden dann jeweils zwei der drei Glocken beschlagnahmt und eingeschmolzen. Fünf Jahre später wurden alle drei Glocken ersetz. Beim Festtag der Pfarrpatronin Maria hatten die Katholiken mit einer Glocken-Aktion Geld dafür gesammelt, so dass die neuen Glocken 1951 die Gemeinde erstmals wieder zur Messe riefen. Die größte Glocke Maria mit einem Gewicht von 640 Kilogramm wurde zu ehren der Pfarrpatronin geweiht, Glocke Barbara ist benannt nach der Schutzpatronin der Bergleute und die Michaelsglocke hat ihren Namen dem Erzengel zu verdanken. Sie ist zudem den Gefallenen der Weltkriege gewidmet.

Neubau der Kirche hat keinen Turm mehr

An dem feierlichen Umzug der Glocken am 1. Juli 1951 waren geschmückte Pferdefuhrwerke der Zeche Heinrich sowie der Knappenverein beteiligt. Als jedoch 16 Jahre später die neue Kirche eingeweiht wurde, da der Vorgänger baufällig geworden war, gab es für die Kirchenglocken von St. Maria Heimsuchung keinen Platz mehr: „Leider hat die neue Kirche St. Maria Heimsuchung nie einen Kirchturm erhalten“, sagt Stephan Assenmacher. Und schlugen die Glocken zunächst noch vom Alten Turm zur Messe im Neubau, setzte ihnen schließlich Vandalismus ein Ende: Die Glocken verstummten 1968 endgültig – die Kirche wurde abgerissen.

Doch auch ohne Klang, behielten sie ihre Bedeutung und feste Plätze in der Gemeinde: Die Marienglocke steht auf dem Kirchenvorplatz, die Barbaraglocke befindet sich im Garten des Marienheims am Hinseler Hof an der Stelle, wo einst die alte Kirche stand. An den neuen Standort der Michaelsglocke, sind nun alle am 11. Mai eingeladen. Dort gibt es nun neben der Totenglocke auch die ausführliche Geschichte der beiden anderen nachzulesen.

>>EINWEIHUNG DER TAFEL UND SEGNUNG DER GLOCKE

  • Die Bürgerschaft Überruhr lädt am Samstag, 11. Mai, 17 Uhr, zur Einweihung ihrer 43. Geschichtstafel ein: Pastoralreferent Stephan Boos hält einen Wortgottesdienst im Marienheim, Hinseler Hof 24.
  • Anschließend geht es auf den katholischen Friedhof Hinseler Feld, wo die Michaelsglocke gesegnet und die Geschichtstafel eingeweiht wird.

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