Führung

Der Vergangenheit eine Zukunft geben

Der Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen wandelte auf den Spuren der Zeche Eintracht Tiefbau in Freisenbruch. Zahlreiche Teilnehmer machten sich mit Vereinschef Lars van den Berg (l.) und Uwe Peise auf den Weg.

Foto: FUNKE Foto Services

Der Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen wandelte auf den Spuren der Zeche Eintracht Tiefbau in Freisenbruch. Zahlreiche Teilnehmer machten sich mit Vereinschef Lars van den Berg (l.) und Uwe Peise auf den Weg. Foto: FUNKE Foto Services

Freisenbruch.   Vor 21 Jahren gründete Lars van den Berg den Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen, um Relikte der Freisenbrucher Zeche Eintracht-Tiefbau zu erhalten.

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Als Lars van den Berg die Grundschule besuchte – also vor rund 35 Jahren – da wurde im Sachkundeunterricht noch intensiv über das Thema Bergbau gesprochen. Die Geschichten rund um den Pütt, das schwarze Grubengold und das Leben des Bergmanns begeisterten den damals Siebenjährigen so sehr, dass er später den „Initiativkreis Zeche Eintracht-Tiefbau“ ins Leben rief, der seit 1999 und bis heute unter dem Namen „IK Bergbau und Kokereiwesen e.V.“ weit über die Grenzen der Stadt Essen aktiv ist.

Nun kehrte der gebürtige Mülheimer zu einem Rundgang nach Freisenbruch zurück und begab sich auf die Spuren des Bergwerks, das seinem Verein bei Gründung vor 21 Jahren den Namen gab. Das Kulturzentrum Zeche Carl kennt in Altenessen jedes Kind. Die Zeche Zollverein in Stoppenberg hat es sogar bis zum Unesco-Weltkulturerbe gebracht. „Doch wer kennt schon die Zeche Eintracht-Tiefbau, auch wenn sich ihre Historie bis ins Jahr 1765 zurückverfolgen lässt?“.

Damals befand sich südlich des späteren Standorts ein Stollenbetrieb. Am 21. Dezember 1773 wurden der Zeche die Erbstollengerechtigkeit und zwei Flöze verliehen – 15 Jahre später waren es elf. Im Jahr 1818 schlossen sich der Stollenbetrieb Eintracht, Hünninghauser und Neumühler Erbstollen und „Neue Steinbänke“ zur Gewerkschaft „Eintracht“ zusammen, die zeitweise auch Eisenerz und Toneisenstein förderte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich so eine der renommiertesten Stollenzechen im Steeler Raum.

In einem Protokoll des königlichen Oberbergamtes fand sich ein Beschluss zur Vereinigung der Zechen Eintracht, Einigkeit und Mecklingsbänker Erbstollen I & ll zum „Steinkohlenbergwerk Eintracht-Tiefbau”. Zu den unterzeichnenden Gewerken als Anteilseignern des Bergbaus zählten u.a. Franz Haniel, Julius Bohnstedt, Theodor Bährens und Edmund Heintzmann.

Eine wahre Revolution im Bergbau löste der Einsatz der Dampfmaschine aus. Mit ihr war man in der Lage, Pumpen maschinell anzutreiben und das Wasser aus den Bergwerken zu heben. Viele Zechen im Ruhrgebiet gingen daher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum „Tiefbau“ – auch „Eintracht-Tiefbau“ wagte diesen Schritt und begann 1856 die Abteufarbeiten für den Tiefbauschacht l. Schacht ll wurde 1872 in Freisenbruch begonnen, wobei es sich bei letzterem um eine eigenständige Schachtanlage handelte. Er wurde nach Johann Heinrich Heintzmann benannt.

Am 1. August 1925 wurde die Zeche stillgelegt. „Alle Bergwerksfelder, Grubenbaue und Schachtröhren wurden 1938 an die Zeche Langenbrahm, die sich von Villa Hügel über Stadtwald bis zum Baldeneysee zog, verkauft.“ Später, ab 1948, habe sich auf dem Gelände der Kokerei der Schachtanlage Heintzmann die Fettfabrik Velten angesiedelt und dort mehrere Jahrzehnte produziert. Danach lag das Gelände brach, nur einige Gebäude der Fettfabrik blieben bewohnt.

Mitte der 1990er Jahre wurde dort eine Neubebauung geplant. „Damit wären auch die letzten Relikte der Zeche verschwunden“, so van den Berg. Um dies zu verhindern, habe er mit Gleichgesinnten aus der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft Evag den Initiativkreis gegründet. Mit Erfolg. Ein vom Verein beauftragtes Gutachten des „Rheinischen Amtes für Denkmalpflege” bestätigte, dass sowohl der Kokskohlenturm, als auch die Fragmente der Koksöfen erhaltenswert sind. Der Kokskohlenturm stelle die früheVerwendung und damit verbunden die ersten Erfahrungen beim Bau mit Stahlbeton dar. Außerdem zählt er neben einem Kokskohlenturm in Völklingen zu den ältesten seiner Art. Auch seine Architektur und die der Fundamente der Koksöfen sind durchaus erhaltenswert und gelten heute als wichtige und seltene Zeugen des Kokereiwesens dieser Epoche.

Über die Essener Grenzen hinaus aktiv

Der Verein „Initiativkreis Zeche Eintracht-Tiefbau“ hat seit Gründung nicht nur seinen Namen geändert, sondern auch sein Tätigkeitsfeld stark erweitert – weit über die Grenzen Essens hinaus.

Nach Eintrag in das Vereinsregister entstand bereits in den Anfangsjahren das vereinseigene Projekt „Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Bergbau“, dass sich für die Dokumentation und Präsentation der Mülheimer Bergbaugeschichte einsetzt. Ausstellungen und geführte Exkursionen sollen die Erinnerung an die Bergbauhistorie erhalten.

Darüber hinaus möchte der Verein das Thema „Bergbau“ auch den Jüngsten näher bringen und unterrichtet auf Anfrage daher auch in Grundschulen. Geplant sind auch eine Busfahrt ins nördliche Ruhrgebiet. „Wenn das Interesse stimmt, und das tut es derzeit, steuern wir später auch Zollverein, Heinrich (Überruhr) und Carl Funke in Heisingen an“, so Lars van den Berg.

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