Engagement

Beschmierter Stadtteil: Kupferdreher haben die Nase voll

Kaum in Betrieb, schon beschmiert: Der neue Busbahnhof in Kupferdreh musste bereits vor der Eröffnung gesäubert werden.

Kaum in Betrieb, schon beschmiert: Der neue Busbahnhof in Kupferdreh musste bereits vor der Eröffnung gesäubert werden.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen-Kupferdreh.  Neu gegründete Aktionsgemeinschaft in Essen-Kupferdreh will gegen Vandalismus vorgehen. Für die Sauberkeit sei aber die Stadt zuständig.

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Schmierereien an Häuserwänden und dem neuen Busbahnhof, beklebte Verkehrsschilder, Dreckecken, beschmierte Denkmaltafeln – die Kupferdreher Vereine und Bürger haben die Nase voll: Sie haben eine Aktionsgemeinschaft gegen Vandalismus gegründet. Die traf sich jetzt zum ersten Mal, um über mögliche Maßnahmen zu diskutieren, die zur Sauberkeit im Stadtteil beitragen.

Und die lässt nach Meinung der knapp 30 Anwesenden – darunter auch CDU-Ratsherr Dirk Kalweit, Vertreter von Polizei und Ordnungsamt – schon lange zu wünschen übrig: Besonders auffällig war, wie schnell der neue Busbahnhof mit Schmierereien verschandelt wurde. Noch vor der offiziellen Eröffnung durch den Oberbürgermeister musste ein Reinigungsteam den Bahnhof säubern. Eine Sisyphusarbeit, denn kurz danach bot sich wieder das gleiche Bild.

Aktionsgemeinschaft stellt zwölf Vorschläge gegen Vandalismus vor

Die Sprayer machen weder vor Wänden noch vor Denkmälern Halt. Oder doch? „Als die Presse das Bild des verschmierten Mahnmals im Benderpark veröffentlichte, wurde es danach anonym gesäubert“, sagt Jürgen Gentzmer von der Bürgerschaft Kupferdreh, „da muss jemand ein schlechtes Gewissen gehabt haben“. Das sei allerdings ein Einzelfall gewesen.

Doch was genau können die Bürger gegen die Schmierereien tun? Darüber hat sich die Aktionsgemeinschaft bereits im Vorfeld Gedanken gemacht und eine Liste mit zwölf Vorschlägen erarbeitet. Nicht alle sind in der Realität durchsetzbar oder erweisen sich als sinnvoll: Eine Überwachung durch Dummy-Kameras oder eine taghelle Ausleuchtung neuralgischer Punkte sei technisch schwierig und verspreche wenig Erfolg.

Jede Schmiererei sollte angezeigt werden

Auch eine feste Gruppe, die die Schmierereien sofort beseitigt, stößt schnell auf Hindernisse: Denn Flächen und Gebäude, die der Bahn, Straßen.NRW oder der Stadt gehören, dürfen nicht ohne Einwilligung überstrichen werden. „Das ist dann nämlich Sachbeschädigung“, sagt Hauptkommissar Uwe Drießen. Und rät den Anwesenden, vor allen Dingen mit offenen Augen und Ohren durch den Stadtteil zu laufen. Würden die Schmierer auf frischer Tat ertappt, „dann bitte keine privaten Festnahmen. Beobachten Sie das aus der Ferne und rufen Sie uns an“, lautet der Rat des Kommissars.

Eine sinnvolle Maßnahme sei es auch, immer wieder Anzeige zu erstatten. „So erhöhen wir vor allen Dingen den Druck auf die Politik in der Stadt“, weiß Jürgen Gentzmer. CDU-Ratsherr Dirk Kalweit gibt ihm Recht: „Die Stadt müsste mehr machen, in dem sie die verschmutzten Flächen schnellstmöglich säubert“, sagt er. Das wäre zum Beispiel das Konzept der Ruhrbahn, „dort werden die Busse und Bahnen sofort gereinigt, so dass der Tag (Signatur des Sprayers) gar nicht erst öffentlich sichtbar wird“. Allerdings sei das angesichts der finanziell schwierigen Lage, in der sich die Stadt immer noch befinde, schwierig zu verwirklichen, gibt Kalweit zu Bedenken.

Ein privater Sicherheitsdienst kostet 2000 Euro im Monat

Auf geteilte Meinung stößt der Vorschlag, einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren, der nachts durch Kupferdreh patrouilliert. 2000 Euro würde das im Monat kosten, hat sich die Bürgerschaft Kupferdreh bereits erkundigt. Während manche Anwesenden den Gedanken weiter verfolgen, bezieht Dirk Kalweit klar Stellung: „Das unterstütze ich nicht“, sagt er laut und deutlich. Zum einen würde das staatliche Gewaltmonopol dadurch infrage gestellt, zum anderen sei er für eine Gleichbehandlung in der Stadt. „Wo kämen wir hin, wenn sich reiche Viertel private Sheriffs leisten und ärmere Stadtteile nicht?“

Eigentlich gehe es doch nur um Kleinkriminalität, gibt auch ein Kupferdreher zu Bedenken. „Vielleicht kann man ja auch mit Ansprache an die meist jugendlichen Sprayer etwas erreichen“, versucht er manch harte Maßnahme, die gefordert wird, zu entschärfen.

Letztendlich einigen sich die Anwesenden darauf, die Kupferdreher weiter für das Thema zu sensibilisieren und gleichzeitig die Politiker in der Stadt in die Pflicht zu nehmen. Ihr Anliegen will die Aktionsgemeinschaft Oberbürgermeister Thomas Kufen persönlich vortragen.

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