Tag des offenen Denkmals

Alte Kirche in Kray ist eine unbekannte Schönheit

Lothar Albrecht führt am Sonntag, 8. September, gegen 16.30 Uhr durch die Alte Kirche in Kray.Foto: Uwe Möller, Funke Foto Services

Lothar Albrecht führt am Sonntag, 8. September, gegen 16.30 Uhr durch die Alte Kirche in Kray.Foto: Uwe Möller, Funke Foto Services

Essen-Kray.  Am Tag des offenen Denkmals öffnet Lothar Albrecht vom Krayer Archiv die Türen des 1903 eingeweihten Gotteshauses und erzählt seine Geschichte.

Es liegen zwar nur ein paar hundert Meter zwischen der katholischen und evangelischen Kirche in Kray, doch der Unterschied könnte nicht größer sein: Während die St. Barbara Kirche an exponierter Stelle direkt an der Hauptstraße ihren 71 Meter hohen Kirchturm mahnend in den Himmel streckt, gibt sich die Alte Kirche, die sich hinter St. Barbara in der Leither Straße 31 versteckt, nahezu bescheiden.

Aber nur, was den Ort angeht. Wer zum ersten Mal vor der 1903 erbauten Kirche steht, dem fällt zunächst der Turm mit der reizvollen barockisierenden Haube mit Uhrschildern und spitzer Laterne auf – ein architektonisches Detail, das eigentlich mehr in den süddeutschen Raum passt. Und wer dann noch durch das große mit Jugendstilornamenten verzierte Portal in den Innenraum schreitet, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Holz, wohin man schaut. Unter einem offenen kunstvoll-konstruierten Holzdachstuhl stehen bogenförmige dunkle Holzbänke, die auf den hölzernen Altar, die Kanzel und die Orgel ausgerichtet sind. Dazu wird der gesamte Raum von zwei ebenfalls hölzernen Emporen flankiert, die die Gemeinde quasi umarmen.

Alte Kirche wurde vom Regierungsbaumeister August Senz erbaut

„Ich bin auch immer wieder von der Schlichtheit und der Schönheit dieser Kirche überwältigt“, sagt Lothar Albrecht vom Krayer Archiv. Albrecht wohnt nur wenige Meter vom Gotteshaus entfernt und hat sich intensiv mit seiner Geschichte befasst. Deswegen wird er am Tag des offenen Denkmals , Sonntag, 8. September, durch die Kirche führen, die sicherlich für viele Essener immer noch eine große Unbekannte ist.

„Für die Kirche hat der Regierungsbaumeister August Senz kanadisches Redpine-Holz verwandt. Das gibt dem Raum diese besonders warme Atmosphäre“, erklärt Lothar Albrecht. Wie bei der St. Barbara Kirche nahm die durch den Bergbau schnell wachsende evangelische Gemeinde in Kray den Kirchenbau Ende des 19. Jahrhunderts selber in die Hand. Das Geld dafür gaben Zechengesellschaften, eine extra gegründete Stiftung und die Gemeinde, die dafür einen Kredit aufnahm.

1000 Gläubige fanden hier Platz

1903 wurde das Gotteshaus eingeweiht und bot damals 1000 Gläubigen Platz. „Früher gingen die Bankreihen bis direkt vor den Altar“, sagt Albrecht, „auch das gab den Gläubigen ein Gefühl der Geborgenheit und Gemeinschaft.“ Auf dem Altar liegt aufgeschlagen eine schwere Bibel, die Auguste Victoria, Gattin des letzten deutschen Kaisers, zur Einweihung gespendet hat – mit persönlicher Widmung.

Die eher bescheidenen Mittel, die der Gemeinde zur Verfügung standen, reichten nicht aus, um alle Fenster farbig zu gestalten. So wurden nur die Hauptfenster und das Fenster über dem Hauptportal mit biblischen Symbolen und Ornamenten verziert. Sie sind der einzige sichtbare Schmuck im Gotteshaus.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben