Tafel-Streit

OB Kufen nimmt Essener Tafel nach Aufnahme-Stopp in Schutz

Essens OB Thomas Kufen respektiert den Aufnahme-Stopp der Tafel.

Foto: STEFAN AREND

Essens OB Thomas Kufen respektiert den Aufnahme-Stopp der Tafel. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Essens Oberbürgermeister Kufen hat nach dem Aufnahme-Stopp für Ausländer Verständnis für die Tafel geäußert. Entscheidung sei „nachvollziehbar“.

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Die Entscheidung der „Essener Tafel“ vorerst keine weiteren Bezugsscheine an Migranten zu vergeben, hat bundesweit ein Echo ausgelöst. Frank Stenglein sprach darüber mit Oberbürgermeister Thomas Kufen.

Wie ist das Vorgehen des Leiters der Essener Tafel, Jörg Sartor, aus Ihrer Sicht zu bewerten?

Thomas Kufen: Die Situation kann der Vorstand der Essener Tafel am besten selbst bewerten. Der Vereinsvorstand hat die Entscheidung getroffen, dass möglichst alle Teile der Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgt werden – so steht es übrigens auch in der Satzung und danach handelt der Verein. Ohne diese Entscheidung wäre wohl zukünftig eine sozial ausgewogene und gerechte Verteilung von Lebensmitteln nicht möglich. Ich finde die Entscheidung des Vorstands einer Begrenzung nachvollziehbar und respektiere sie.

Handelt Herr Sartor „unmenschlich“, wie einige meinen?

Unmenschlich heißt doch herzlos oder brutal, oder? Ich kenne Herrn Sartor persönlich und weise die Unterstellung zurück. Wer die Arbeit der Essener Tafel kennt, weiß, dass das nicht stimmen kann. Der Verein organisiert seit mehr als 20 Jahren vor Ort eine Lebensmittelausgabe. Über 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bewahren Tag für Tag Lebensmittel vor der Entsorgung und verteilen diese stattdessen an Bedürftige. Sinnvoller wäre es vielleicht, weitere Kriterien einzuführen, wie beispielsweise Seniorinnen und Senioren, Familien mit Kindern oder Alleinerziehende früher kommen zu lassen. Die Verkürzung der Diskussion auf „Lebensmittel nur für Deutsche“ wird der Arbeit der Tafel nicht gerecht.

Könnte der Ausschluss von Nicht-Deutschen Ausdruck einer allgemeinen Überforderung sein, wie es sie auch in Essener Schulen und Kitas gibt?

Der Dauerbrenner Integration ist seit der Flüchtlingskrise nicht einfacher geworden und stellt uns alle vor große Herausforderungen. Quoten für Menschen mit und ohne Migrations- oder Flüchtlingshintergrund kommen für staatliche oder städtische Angebote und Einrichtungen wie Schulen oder Kitas nicht in Betracht.

Update: Nach Krisensitzung am Dienstag: Der Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel bleibt vorerst bestehen. Nun soll ein Runder Tisch einberufen werden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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